Autor: Fritz

Hochzeit

Als wir gestern Abend friedlich im Hof unseres Hostels saßen, gewahrten wir von Ferne Partymusik. Der sind wir denn mal nachgegangen und kamen nach einem knappen Kilometer zu einem Hochzeitspalast: das sind Säle, die nur für Hochzeitsfeiern genutzt werden. Dieser hier war zur Straße hin offen, daher so gut zu hören. Als wir staunend über diese Pracht davor standen, wurden wir vom Zeremonienmeister gleich hereingebeten. Tanzen wollten wir jetzt irgendwie nicht, aber verköstigt wurden wir sofort. Haben natürlich auf das Brautpaar angestoßen. Einiges erinnerte an die türkisch/iranische Hochzeit in Anzali, z.B. das Hochwerfen von Geld, hier allerdings auch, ohne dass die Braut auf der Tanzfläche war. Soweit wir sehen konnten, gehörte das Geld auch nicht der Braut, sondern dem, der es auffing. Wir vermuten mal, dass die Eltern seehhr lange an den Kosten der Hochzeit knabbern werden.

kleine Lerneinheit

Wir hatten eine schöne Gelegenheit uns verschiedene Techniken der Gestaltung der farbigen Oberflächen in Moscheen erklären zu lassen. Die einfachste und bei uns bekannte Technik ist Majolika: hier wird eine Keramikplatte mit Keramikfarben bemalt und dann bei 800° gebrannt. Technisch bedingt sind hier nur vier verschiedene Farben möglich. Auch für Geschirr ist die Methode geeignet. Auch die Bänder mit Koransuren sind meistens Majolika-Technik. Bei der „Terrakotta“ genannten Technik wird ein oft sehr komplexes Relief in die Tonplatte geschnitten, diese dann gebrannt und mit einer Keramikfarbe bemalt. Das Komplizierteste und Aufwändigste ist das Mosaik. Es werden verschiedenfarbige Fliesen benötigt. Das geplante Mosaik wird auf ein Papier gezeichnet, die einzelnen Elemente ausgeschnitten und auf die Rückseiten der verschiedenfarbigen Fliesen übertragen. Die einzelnen Elemente werden zunächst grob mit dem Fliesenhammer ausgeschnitten und dann mit einem speziellen rauhen Stein (Pfeil) ausgeformt, und zwar so, dass die nichtfarbige Unterseite konisch zuläuft. Dann wird das Mosaik mit der Farbseite nach unten ausgelegt und mit Gips ausgegossen. Nach dem Trocknen ist das Element fertig. Für ein 10 x 10 cm großes Stück …

Buchara – Samarkand

Am 30.07. saßen wir endlich wieder auf den Rädern. Es war und blieb heiß, aber die 40°C-Marke wurde nicht mehr geknackt und der Wind hielt sich einigermaßen in Grenzen. Wir erlebten nichts Spektakuläres auf dem Weg nach Samarkand. Es waren die üblichen Begegnungen am Straßenrand. Auffällig sind die vielen Radfahrer hier. Das Fahrrad, meistens uralt, klapprig, ohne Gangschaltung und Bremsen, wird als normales Fortbewegungs- und Transportmittel benutzt, gerne auch zu zweit. Fritz meint, Usbeken liebten die Räder nicht, sonst würden sie sie besser pflegen- z.B. mit Kettenöl versorgen. Allerdings können sie auch mit rostiger quietschender Kette ganz schön flott fahren – was sie uns gerne bewiesen. Für viele Jugendliche war es anscheinend eine große Genugtuung, uns zügig zu überholen und 1-2 km vor uns herzufahren, um dann in einen Seitenweg abzubiegen. Mädchen oder Frauen haben wir übrigens bisher noch nicht auf dem Rad gesehen, auf Eselskarren schon. Seit unserer Erfahrung im Iran sind wir (noch mehr) sensibilisiert für die Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben. Natürlich bewegen wir uns auch hier in einem muslimisch geprägten …

Baumwolle

2/3 der landschaftlichen Nutzfläche Usbekistans wird zur Baumwollproduktion genutzt. Schon Lenin, später Stalin habe bestimmt, dass der gesamte Baumwollbedarf der Sowjetunion von Zentralasien gedeckt werden müsse. Daraufhin wurde ein monströses Bewässerungsprojekt gestartet mit katastrophalen Folgen. Heute sind die großen Produzenten China, Indien und USA; Usbekistan ist mit 4,5 % dabei. Durchschnittlich wird für die Produktion von 1 kg Baumwolle 11 000 Liter Wasser verbraucht! Und da ist Usbekistan nach Indien ganz vorn dabei. Das Wasser kommt aus den Aralsee-Zuflüssen Amurdaja und Sirdaja, von denen im Aralsee praktisch nichts mehr ankommt. Die Unwirtschaftlichkeit der Wassernutzung springt uns hier ins Auge. Und es wird gedüngt und Pestizide eingesetzt, was das Zeug hält. Auch in sozialer Hinsicht ist die Baumwollproduktion ein Thema: zur Ernte werden Studenten, Lehrer, Kindergärtnerinnen und andere in großer Zahl dienstverpflichtet. Der bisher ebenfalls übliche Einsatz von 2 Millionen Schulkindern ab neun Jahren ist nach weltweiten Protesten vor drei Jahren mit großem propagandistischen Tamtam beendet worden. Immerhin.

Der Aralsee

Hier war mal der Aral-See. Monyak, das Dörfchen im Hintergrund, war bis in die 70er Jahre ein florierendes Fischerdorf. Dann ging das Wasser zurück. Das Ufer ist heute von diesem Punkt 120km entfernt! 120 km Steppe und Sanddünen, hochbelastet mit Pestiziden und anderen Toxinen. Die Krebsrate und Zahl angeborener Missbildungen soll hier deutlich höher liegen als im Durchschnitt der zentralasiatischen Staaten. Und wo ist das Wasser geblieben? In den 60er Jahren hat die UdSSR begonnen, den Amudarja und den Syrdarja anzuzapfen für große Bewässerungsprojekte zur Baumwollproduktion. Das führte dazu, dass die Zuflüsse fast völlig versiegt sind. Die wenigen verbliebenen Seeflächen (übrigens mit 10-fachem Salzgehalt gegenüber 1960!) liegen in Kasachstan und Usbekistan. In Kasachstan wird versucht, diesen Rest zu retten, unter anderem mit einem 13 km langen Damm, um Verluste durch Abfluss zu verhindern. Soll schon einen gewissen Erfolg gebracht haben. Auf wikipedia könnt ihr eine animierte Karte dazu finden.   Von Khiva haben wir uns wieder mit einem Sammeltaxi zu diesem gespenstischen Ort bringen lassen. In flirrender Hitze klettern wir da auf rostigen Schiffen herum …

Khiva

  Wir haben unserer Räder im Hostel stehengelassen und sind mit einem Sammeltaxi nach Khiva gefahren. Das ist eine alte Handelsmetropole der Seidenstraße und liegt einige hundert Kilometer südwestlich von Buchara. Die Altstadt ist nahezu perfekt restauriert. Tourismus gibt es wenig, was mit der Euro-Krise zusammen hängen soll. Insgesamt ist das alles sehr malerisch, aber auch ein wenig steril mit diesen vielen Souvenir-Läden und mehr oder weniger interessanten Museen. Wir wohnen in einem günstigen guest-house mit malerischem Blick auf die Stadtmauer. Auch hier sind wieder verschiedenste Backpackernationen vertreten, Russen, Franzosen, Spanier, Polen,…      

Usbekistan

  Usbekistan gefällt uns! Nach Verlassen der Grenzgebäude gegen Mittag haben wir nach einigen Kilometern ein Roadside-Restaurant gefunden, wo wir erst mal ein ordentliches Reisgericht gegessen und Unmengen getrunken haben. Die Nachmittagshitze wollten wir in der Kühle verdösen, weil wir ja lernfähig sind. Als Karin sich auf eine Bank legte, wurde uns gleich ein Nebenraum angeboten mit diesen dünnen Matratzen. Karin hat geschlafen und ich habe mich lange mit zwei gehörlosen Landarbeitern unterhalten, was ohne gemeinsame Sprache viel besser ging als mit hörenden Menschen! Gegen 16°° sind wir weiter. Da hielt neben uns plötzlich ein LKW an und der Fahrer reichte uns zwei Flaschen Wasser raus! Wir haben dann später auf einer Wiese am Rand eines Dorfes das Zelt aufgebaut und waren überrascht, dass nicht sofort das ganze Dorf zu Besuch kam, sondern höflichen Abstand hielt. Usbekistan hat sich schon mal gut präsentiert. Am nächsten Tag auf dem Weg nach Buchara wurden wir wiederum mit Gemüse, Weintrauben und Brot beschenkt. Überhaupt erleben wir die Menschen hier als freundlich und entgegenkommend, aber unaufdringlich. Sehr angenehm! In …

Geschafft!

Turkmenistan hat uns geschafft! Nun war es ja klar, dass das eine Ochsentour werden würde. Dazu gab es hier eine auch für die Region ungewöhnliche Hitzewelle: am 14. wurden in Bayramaly amtlich bestätigt 50° C gemessen. Individualreisende bekommen ausschließlich ein 5-Tage-Transitvisum – einschließlich Ein- und Ausreisetag, an denen ja jeweils zwei Grenzabfertigungen geschafft werden müssen, so dass eigentlich nur drei und zwei halbe Tage übrig bleiben. Die Strecke vom Iran nach Usbekistan beträgt knapp 500 km mit auf der zweiten Hälfte teils guter, besonders anfangs teils sehr schlechter Straßenbeschaffenheit mit Spurrillen, sehr rauem Asphalt, großen Schlaglöchern, streckenweise auch völlig zerstörter Fahrbahn. Die Grenzformalitäten waren problemlos aber langwierig. Am ersten Tag haben wir unser Etappenziel noch so halbwegs erreicht, obwohl wir aus dem Grenzgebäude ja erst mittags raus kamen. Zelt aufgebaut am Straßenrand bei Sonnenuntergang, Weiterfahrt so ab 4°° Uhr. Nach einer unbefestigten Strecke hatten wir auf der Hauptstraße dann tatsächlich 50 km Rückenwind und machten -in Sicherheit gewiegt, die 40 km bis Mary problemlos bis 13°° zu schaffen- in einem Roadside-Restaurant schön Coca-Cola- und Brot-Pause. …

Letzte Tage im Iran

  Im Mashhad hatten wir mit „Vali’s Homestay“ ein ganz wunderbares Hostel. Vali ist einerseits Teppichhändler und andererseits ein charismatischer Tourist Guide und Gastgeber. Dort haben wir, wie der Zufall es will, unseren Freund Henk wiedergesehen, den wir in Tabris getroffen hatten, sowie einige andere Radler und Backpacker. Das beherrschende Thema war natürlich Turkmenistan und die weiteren zentralasiatischen Staaten, denn alle die nach Mashhad kommen, haben denselben Weg. Außer dem Abholen des Turkmenistan-Visums, ein wenig Radpflege und der Besichtigung des Imam-Resa-Komplexes (wie oben beschrieben) haben wir eigentlich vor allem abgehangen und es uns wohl sein lassen. Am Abreisetag wurde Karins Geburtstag gefeiert. Von Mashhad bis zur Grenzstadt Sarakhs sind es 190 km. Das Gelände ist abschüssig von 900 m bis auf 250 m, was aber nicht heißt, dass es nicht einige Buckel dazwischen gibt. Und von dem Gefälle merkt man durch den gewohnten Gegenwind nichts. Am Abend haben wir ein idyllisches Plätzchen zum Schlafen gefunden. Zunächst unentschlossen, haben wir die 112 km zum Hotel in Sarakhs doch im Stück gemacht ohne zwischenzeitliche Übernachtung. Am Hotel …

Erste Eindrücke aus dem Iran

In den letzten Tagen in der Türkei haben wir doch noch mal den Iran gegoogelt. Da ist uns über diesen vielen Negativ-Schlagzeilen doch etwas das Herz in die Hose gerutscht: keine Möglichkeit Geld abzuheben oder mit Kreditkarte zu bezahlen; nur Umtausch von US-Dollar möglich, Internet schwierig, soziale Netze gesperrt, Kontakt von Iranern zu Ausländern ungern gesehen, etc. Der erste Eindruck vom Iran begann denn auch 13 km vor der Grenze in Form einer 2-spurigen stehenden LKW-Schlange. Die Wartezeit soll etwa eine Woche sein, mal weniger, mal auch mehr. Wir sahen fast nur türkische, iranische und turkmenische Trucks; zwei Österreicher, einen Belgier, einen Niederländer. Keinen Deutschen. Wir radelten da einfach vorbei, freundlich grüßend. An der Grenze wurden wir durch die türkische Seite durchgewunken. Wir haben denn Ärmel und Hosenbeine runtergekrempelt, Karin hat sich ihr Kopftuch angelegt. Nachdem das Iranische Rolltor sich geöffnet hatte, um uns mit dem nächsten Schwung PKW’s durchzulassen, dauerte es genau 20 Minuten. Empfangen wurden wir mit „guten Tag“ und „willkommen im Iran“ (auf Deutsch!), Pass-Visa-Kontrolle, Einreisestempel mit Datum, fertig. Keine Gepäck -Kontrolle, …

Ade Türkei!

Anfangs etwas unsicher, was uns erwarten würde, hat uns die Türkei mit ihrer Vielfalt phantastischer Landschaften, der Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Menschen und den mindestens auf den Hauptstraßen guten Straßenverhältnissen sehr angenehm überrascht und für sich eingenommen. Heute fahren wir übrigens den 5000sten Kilometer und hatten nicht einen Platten! Das landschaftliche Großereignis gestern und heute ist der Berg Ararat. Hier soll als höchstem Berg der „Alten Welt“ nach christlichem, jüdischem und islamischem Glauben nach der Sintflut Noah mit seiner Arche gestrandet sein, weil er mit seinen 5137 Metern als erstes aus dem Wasser auftauchte. Heute reisen wir in den Iran. Wieder sind wir gespannt, was uns erwartet: man hört und liest so Vieles und Widersprüchliches. Einen Vorgeschmack der Gastfreundschaft haben wir aber schon, denn nach einem Erstkontakt über „Warm showers“ (www.warmshowers.org) werden wir in den ersten drei Tagen offenbar von Gastgeber zu Gastgeber weitergereicht. Wie es mit der Qualität und der Verfügbarkeit des Internets werden wird, wissen wir nicht. Seid also nicht beunruhigt, wenn ihr in den nächsten sechs Wochen seltener von uns hört.

Picknick

Da hatten wir ein interessantes Erlebnis: Wir fuhren so unseres Weges, da hörten wir vom Parkplatz nebenbei das wohlbekannte „Hallo!“ von drei jungen Männern , die beim Picknick waren und einer machte die „Çai-Geste“ (Hand mit dem Daumen voran zu Mund führen und den Kopf dabei etwas nach hinten neigen). Wir hielten nach kurzer Absprache an und wurden sogleich mit Tee, Brot Käse und Tomaten versorgt. Man radebrechte so vor sich hin. Dann wurden Fotos gemacht und plötzlich lief einer der Herren zum Auto und ratz-fatz hatte ich eine Kalaschnikow auf den Knien. Die Erklärung war: die drei sind von einer Art Bürgerwehr, die im Auftrag der Gendarmerie im Schichtbetrieb die beiden Mobilfunkmasten im Hintergrund beschützen sollen vor irgendwelchen Sabotageakten. Südlich der Straße, die wir seit Tagen benutzen und auf der schon etwas höhere Militärpräsenz als sonst in der Türkei zu beobachten ist, soll nämlich das Aktionsgebiet der PKK beginnen. Da herrscht zwar eigentlich Waffenruhe, aber man traut dem Frieden wohl nicht so ganz. Und ein wenig Wache schieben kann man sich ja auch ganz …

“Wie viele Kilometer …

… macht ihr am Tag denn so?” wurden und werden wir öfters gefragt. Das hängt ganz von den Gegebenheiten ab, von Straßenverhältnissen, Steigung, Wetter, Tagesform usw. Der schlechteste Tag seit Langem war der 14. Mai. Da sind wir morgens geweckt worden von einem Esel, der durch den Lüftungsschlitz des Zeltes linste (ein Esel guckt rein, Zwei gucken raus). Zelt im Regen abgebaut inmitten einer Schafherde, kaum gefrühstückt. Im nächsten Ort ein paar Gläser Tee getrunken und los. Und dann war da ein Pass auf 2200 m, der in der Karte nicht eingezeichnet war. Und ein Navi haben wir ja nicht mehr. Also ging’s 30 km bergauf, nach wenigen Kilometern waren wir trotz Regenzeug nass bis auf die Knochen. Nass wie wir waren ging es dann bei 5° C 10 Kilometer bergab. Total verfroren haben wir uns dort ein Zimmer genommen und uns ganz langsam wieder erholt. Tagesleistung 40 km. Am 17. Mai Hatten wir das Gegenteil: Bei bestem Wetter hatten wir ein ziemlich ebenes Hochtal und einen formidablen Rückenwind, der uns bisweilen mit 40 km/h …

Die Weihnachtsbaum-Connection

Immer wieder dieselben Bilder: Weihnachtsbäume! In der ganzen Türkei sieht man diese Weihnachtsbaumplantagen. Ich bin überzeugt, dass die Türkei den europäischen Weihnachtsbaummarkt überrollen will. Karin lacht ja über mich. Sie hält das für Aufforstungsprojekte wegen der Erosion. Ihr starkes Argument ist, dass es sich gar nicht um Fichten sondern häufig um Kiefern handelt. Aber mir macht man nichts vor! Passt auf, jetzt will man uns noch unsere Nordmann-Tanne wegnehmen!

Der klassische türkische LKW

Den klassischen türkischen LKW meiner Jugend, bunt bemalt wie ein Pfau, laut, mit unsynchronisiertem Getriebe, schwarzen Abgasen, überladen, Rüschengardinen und flackernden Lauflichtern im Cockpit gibt es leider nur noch in meiner Phantasie. Oder Gott sei Dank! Anmerkung Karin: Mir fehlt diese Erfahrung. Vielleicht sehe ich deshalb durchaus einige bunte, laute und schwarz rußend stinkende Laster. Es sind eher die mittelgroßen, die den regionalen Markt beliefern.

Gesundheitliche Reisevorbereitung,Training und Körperumbau

Vor der Abreise wurden wir oft gefragt, wie man für so eine Reise denn trainiert: Gar nicht! Das Training kommt bei der Reise. Eine gewisse Grundfitness durch regelmäßigen Sport ist sicher unerlässlich. Wir sind aber nicht monatelang zwei Mal pro Woche auf den Brocken geradelt. Wer Erfahrung mit längeren Radreisen hat weiß, dass nach einigen Wochen Steigungen möglich sind, an denen man am Anfang gescheitert wäre. Natürlich sollte man wissen, wie man mit dem Sattel oder der Einstellung des Rades zurechtkommt. Ich wäre kein Sportarzt, wenn ich im Alter über 40 eine gründliche sportmedizinische Untersuchung nicht für nötig hielte. Es sollten natürlich keine chronisch-fortschreitenden Erkrankungen vorliegen oder solche, die ein komplexes Monitoring oder seltene Medikamente erfordern. Ein schlichtes Blutdruckmittel bekommt man aber in den meisten Ländern der Welt einfacher als in Deutschland. Wir haben uns natürlich allen altersentsprechenden Vorsorgeuntersuchungen unterzogen. Wenn nichts dazwischen kommt werden wir z.B. auf dem „Pamir-Highway“ in Tadschikistan (der heißt nicht so, weil er wie ein amerikanischer Highway ausgebaut ist, sondern weil er sehr hoch liegt!) oder Kaschmir in Höhenlagen fahren, …

GPS-Anlage zerstört

Ich hatte eine GPS-Einrichtung am Rad. Sie bestand aus einem Garmin Oregon 450, das über ein Dynamo-Ladegerät mit Pufferakku (“Biologics”) extern versorgt wurde. Dem eigentlichen Ladegerät ist noch ein sogenannter Konverter vorgeschaltet, der einen Gleichrichter und eine Spannungsbegrenzung enthält und am Dynamo parallel zur Lampe angeschlossen ist. Diese Kombination funktionierte seit 3 Jahren einwandfrei. Vor ein paar Tagen hat der Konverter aber keine Spannung mehr abgegeben. Der Verdacht besteht, dass er bei einer schönen Abfahrt mit 69,8 km/h wohl doch etwas zu viel bekommen hat. In Sivas hat ein Elektronik-Fachmann Transistor, Diode und einen Kondensator ausgetauscht und das Ding ging wieder. Aber nur einige Dutzend km, dann war plötzlich das eigentliche Ladegerät hinüber und kaum eine Minute später auch das Navi. Aus. Null Reaktion. Nicht reparabel. Nun behauptet ja niemand, dass man ohne GPS-Navigation nicht um die Welt radeln könne. Ist aber doch recht angenehm: an Pässen kann man seinen Krafteinsatz besser planen, wenn man das Höhenprofil kennt; auf der Strecke kann man besser abschätzen, wo man wohl Proviant und Wasser bekommt, und in großen …

Hoşgeldinitz!

Das ist wohl dasjenige türkische Wort, das wir am besten gelernt haben: „Willkommen!“ Vorgestern saßen wir in einem Ort auf einer Bank und stärkten uns mit einer Apfelsine, einigen Haferkeksen und Datteln, die wir übrigens lieb gewonnen haben. Da näherten sich aus der gegenüberliegenden Autowerkstatt zwei Männer und luden uns in recht gutem Deutsch zum Çai ein. Aus einem Glas wurden drei, aus der kurzen wurde eine lange Pause, denn nach einer halben Stunde wurde hinter dem Haus das gegrillte Hähnchen-Kebab fertig. Zwischenzeitlich erfuhren wir, dass die fünf Mitarbeiter vom Auto-Import aus Deutschland leben. Vor der Werkstatt standen sechs Renault und ein Skoda. Ein zehn Jahre alter Wagen, in Deutschland für 500 € ließe sich hier nach Transfer, Zoll und etwas „Aufhübschen“ für 5000 € verkaufen. VW‘s wären übrigens uninteressant, wie einfach viel zu teuer. Kaum wieder losgefahren, hielt ein Auto neben uns, vier Herren im Anzug und ein vielleicht 12-jähriges Mädchen stiegen aus und baten ein Foto mit uns und sich machen zu dürfen. Irgendwie war das eine merkwürdige Gesellschaft! Wer weiß, wofür sie …

Der Puddingshop

Istanbul, was haste dich verändert! Ich war vor 35 und 40 Jahren drei Mal hier. Damals endete die dichte Bebauung eigentlich an der Stadtmauer, die die europäische Halbinsel etwa sieben km vom Zentrum entfernt umgibt. Jetzt sind wir 40 km durch dicht bebautes Gebiet auf einer beidseits 6-spurigen Schnellstraße gefahren. An der Hagia Sofia und der Sultan-Achmed-Moschee stehen die Reisebusse dicht an dicht. Die Schlangen vor den touristischen Highlights sind schier endlos. Aber: den „Pudding-Shop“ gibt es noch! Das Restaurant Pudding-Shop war zur Zeit des Hippie-Trails die Anlaufstelle und Kontaktbörse für alle Asienreisenden, die in ihren VW-Bullis oder trampend unterwegs waren. Sozusagen eine Institution. Heute reist man anders, es gibt keine Hippies mehr und seit den Veränderungen im Iran, Afghanistan und Pakistan auch keinen Trail mehr. Der Pudding-Shop lebt auch von seiner vergangenen Größe, weil Menschen wie ich nostalgisch mit großen Augen an damals, die gute alte Zeit denken, vor allem aber vom Tourismus aufgrund seiner perfekten Lage direkt gegenüber den großen Moscheen. Hier ein kleiner Eindruck: