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Erste Eindrücke aus dem Iran

In den letzten Tagen in der Türkei haben wir doch noch mal den Iran gegoogelt. Da ist uns über diesen vielen Negativ-Schlagzeilen doch etwas das Herz in die Hose gerutscht: keine Möglichkeit Geld abzuheben oder mit Kreditkarte zu bezahlen; nur Umtausch von US-Dollar möglich, Internet schwierig, soziale Netze gesperrt, Kontakt von Iranern zu Ausländern ungern gesehen, etc.

Der erste Eindruck vom Iran begann denn auch 13 km vor der Grenze in Form einer 2-spurigen stehenden LKW-Schlange. Die Wartezeit soll etwa eine Woche sein, mal weniger, mal auch mehr. Wir sahen fast nur türkische, iranische und turkmenische Trucks; zwei Österreicher, einen Belgier, einen Niederländer. Keinen Deutschen. Wir radelten da einfach vorbei, freundlich grüßend.

An der Grenze wurden wir durch die türkische Seite durchgewunken. Wir haben denn Ärmel und Hosenbeine runtergekrempelt, Karin hat sich ihr Kopftuch angelegt. Nachdem das Iranische Rolltor sich geöffnet hatte, um uns mit dem nächsten Schwung PKW’s durchzulassen, dauerte es genau 20 Minuten. Empfangen wurden wir mit „guten Tag“ und „willkommen im Iran“ (auf Deutsch!), Pass-Visa-Kontrolle, Einreisestempel mit Datum, fertig. Keine Gepäck -Kontrolle, kein Zollerklärung, nix. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass der Beamte an der Passkontrolle unsere Pässe einem Mann in die Hand gedrückt hat, der uns einfach durch die Grenzpunkte wie Zoll etc. durchgeführt hat, ohne dass jemand etwas von uns wollte. Dafür haben wir bei ihm nach einigem Hin und Her einen ersten Schwung Türkische Lira zu einem sicher schlechten Kurs in Rial getauscht, um erstmal Geld zu haben. Die Info der Devisenhändler an der Grenze, dies sei „last chance“, Lira zu Rial zu tauschen, ist allerdings falsch: jede Wechselstube im ganzen Land (zu finden typischerweise in Einkaufszentren) tauscht Lira zu Rial zu besserem Kurs.

Wir hatten einen Warm-shower-Kontakt, Akbar, in Marand. Der hat aber in Fahrrad-tauglichen Abständen seine Freunde informiert, so dass die erste Destination Mohammed Resa und seine Familie in Maku gleich nach der Grenze war. Mohammed ist Reisebegleiter bei einer örtlichen Touristik-Agentur. Er sah die Panik in unseren Augen und sein Lieblingsspruch war: „Don‘t worry about Iran!“ An diesem Abend sind einige unserer Befürchtungen beruhigt worden.- Als Reiseführer hat er uns interessiert für eine Kirche in der Nähe, „Kara Eglesia“, also Schwarze Kirche, die angeblich die älteste christliche Kirche der Welt sein soll: aus dem Jahr 66 n.Chr. und ein Wallfahrtsort für Armenier ist. Nun ist Mohammed kein Radfahrer, sondern eher mit Couch-surfing unterwegs und so fand er sicher nicht erwähnenswert, dass dieser Abstecher mit einem 1200-Höhenmeter-Pass und mit einer Tagesstrecke von 127 km verbunden war, bei 30° im Schatten. Es gab aber keinen Schatten. Wir haben es gepackt, dabei aber sicher unser Limit erreicht.

Am nächsten Tag sind wir zu einem Tierarzt vermittelt worden und haben dort im Hinterzimmer der Praxis übernachtet, sicher einer der skurrilsten Schlafplätze bisher!

Am dritten Tag haben wir schließlich Akbar in Marand kennengelernt. Als wir in die Stadt fuhren und überlegten, wie wir unseren Warm-shower-Gastgeber nun finden sollten, hielt ein kleines Motorrad neben uns und der Fahrer sagte: „I am Akbar!“. Er wird nämlich von den lokalen LKW-Fahrern informiert, wenn Radfahrer anrollen. Auf diese Weise wurde denn auch kurz nach uns Hank aus den Niederlanden eingefangen, obwohl der sich nun gar nicht angekündigt hatte. Akbar hat sich auf Warm-shower spezialisiert. An sich hat er einen kleinen Supermarkt und ist nebenbei Radfahrer und Läufer. Sein Traum ist, den Marathon de Sable zu laufen.

Übernachtet haben wir gemeinsam mit Hank und einem Freund von Akbar nach einem wunderbaren Grill-Abend in seiner sehr einfachen Hütte in den Bergen mit weitem Blick über die nächtliche Stadt. An diesem Abend hat leider meine Kamera ihren Dienst eingestellt und ist sicher nicht kurzfristig reparabel. Wir haben dann am übernächsten Tag in Tabriz, die zu den größten iranischen Städten gehört, problemlos eine neue gefunden. Dort haben wir übrigen zweimal im City-Park sogar unter polizeilichem Schutz übernachtet, mit Duschen und Grillplatz.

Von Mohamed, Akbar und inzwischen auch anderen sind viele unserer Befürchtungen und Vorurteile etwas klarer gestellt worden. Z.B. Internet/soziale Dienste: Tatsächlich sind Facebook und Twitter blockiert, jedoch nicht verboten, so dass jeder Iraner mit Smartphone über irgendwelche VPN diese Dienste problemlos nutzt. Telefonie und Internet ist total billig, weswegen es leider auch kein freies WiFi in Restaurants gibt. Leider ist es Karin noch nicht gelungen, ihre iranische SIM-Karte zu aktivieren.

Skype, WhatsApp, Viber und andere Soziale Netze sind frei. Sogar der Innenminister nutze regelmäßig Twitter.

Alkohol: Ist natürlich verboten, aber nach Meinung eines Gesprächspartners würde im Iran „mehr gesoffen als in der Türkei“. Alkoholfreies Bier gibt es in vielen Supermärkten. Richtiges Bier würde er selber brauen. Auf Anruf bei seinem „Dealer“ bekäme man vom Heimbrand bis zum teuersten Whisky alles nach Hause geliefert. Die Strafen, wenn man erwischt wird, hängen natürlich vom jeweiligen Richter ab, fielen aber in der Regel nur bei Wiederholungstätern drastisch aus (Gefängnis und/oder 70 Peitschenhiebe).

Der Verkehr ist deutlich dichter als in der Türkei. Das hängt sicher mit dem niedrigen Spritpreis zusammen: Drei Liter Benzin gibt es für einen Dollar, Diesel sogar zehn Liter! Hupen und Winken ist wie in der Türkei; manchmal wird unser Arm vom Zurückwinken lahm.

Die Kleidung des männlichen Radfahrers: ich trage eine lange Hose, die ich bis unters Knie hochkrempele, und ein kurzärmeliges T-Shirt. Der erwähnte Hank (s.Foto) trägt eine knallenge Radhose und hat dabei das Gefühl, dass das in konservativen Dörfern für manche Frauen schon eine gewisse Zumutung ist, nicht jedoch in der Stadt. Karin wird sich zu ihrer Kleiderordnung und ihren Problemen damit selbst äußern.

 

 

1 Kommentare

  1. Ihr Lieben
    es ist wunderbar von euch aus dem fernen Iran zu hören. Wir haben mit Spannung auf eure Erzählungen und auf die Bilder gewartet. Weiterhin gute Reise wünschen euch
    Gisela und Wolfgang

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