Autor: Fritz

Tocopilla

… war einmal eine sehr reiche Stadt, zu Dutzenden hätten die Schiffe im Hafen gelegen, um Salpeter in die ganze Welt zu bringen, einerseits für Dünger, andererseits für Schießpulver. Die Fotos unten sind von meinem Vater 1931 gemacht worden. Der Einbruch kam nach der Erfindung der chemischen Salpeter-Herstellung und der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre. Heute soll Tocopilla eine der ärmsten Städte Chiles sein, unbedeutende Provinz. Antofagasta, 200 km südlich, extra erbaut für die Salpeter-Industrie, hat dieser Stadt längst den Rang abgelaufen und ist heute die zweitgrößte Stadt Chiles. Heute liegt ein Frachter ohne Ladung im Hafen und einige größere und kleinere Fischerboote. Nachdem die „Salpeterbahn“ 2015 nach einem schweren Unwetter schwer beschädigt stillgelegt worden war, bringen nun LKW’s Kupfererze aus großen Tagebauen und Salpeter aus den Bergen zur Verladung. Gemahlen wird das dort an Ort und Stelle; hier im Ort wird nichts verarbeitet. Es geht recht beschaulich zu; allerdings gibt es auch hier abgebrannte Autoreifen und einen ausgebrannten Bus. Auch einige armselige Hütten gibt es heute wie damals. Nur der Müll vor der Sadt …

Das historische Dampfschiff Yavari …

… ist ein besonderes Schmankerl mit einer ungewöhnlichen Geschichte: Es wurde 1861 mit einem Schwesterschiff (die Yapura) als Kanonenboot für die Peruanische Armee in Birmingham in Auftrag gegeben. Ein Jahr später wurden sie geliefert – in Einzelteilen, die 120 kg nicht überschreiten durften. Die Lieferung erfolgte in den heute zu Chile gehörenden Hafen Arica (wo wir übermorgen sein werden); von dort ging’s per Bahn nach Tacna (wo wir morgen sein werden) und dann mit Maultieren die Anden hinauf zu Titicaca-See. Der Weg war 400 km lang und ging bis in 4700 m Höhe! Das ganze Unterfangen dauerte sechs Jahre. 1870 konnte das zusammengebaute Schiff zu Wasser gelassen werden. Die Dampfmaschine hatte 60 PS und wurde mit Lama-Mist befeuert, den Holz oder Kohle gibt es hier ja nicht. Der ganze Frachtraum war also voller  Mist, weswegen das Schiff dann um 10 Meter verlängert wurde. Man ging dann doch mit der Zeit und ersetzte 1914 den Motor durch einen sogenannten 4-Zylinder-Bolinder-Dieselmotor. Der ist jetzt noch drin und soll weltweit das einzige funktionsfähige Exemplar sein. In den siebziger …

Von Cusco nach Puno

Hier sieht man uns (mit Lupi) stolz auf dem zweithöchsten Pass dieser bisherigen Reise. Der  aufmerksame  Leser könnte bemerken: ich habe keinen Helm auf! Und das kam so: Wir haben in Sicuani in einem kleinen Restaurante gegessen und uns noch gefreut, dass wir mit zusammen 7 Soles (≈2 €) super günstig weggekommen sind. Wir saßen nah am Eingang, um unsere Räder im Auge zu behalten. Wir hatten das Hinterteil meines und das Vorderteil von Karins Rad im Blick. Leider hing an meinem Lenker der Helm mit Handschuhen und Karins Brillenetui klemmte auf dem Gepäckträger. Weg warn se! Sehr blöd, erstens hat mir der Helm kürzlich bei diesem Unfall ja vielleicht das Leben gerettet und zweitens soll in Chile Helmpflicht für Radfahrer gelten. Also muss ein neuer her, auch Handschuhe und eine Brille. Als Kavalier habe ich Karin meine Brille geschenkt. Der erste Ort war Cusipata, wo wir nach 80 km im Hagel-Gewitter ankamen. Ich war total durchgefroren und zitterte eine bis zwei Stunden am ganzen Leibe, was sich dann erst nach einer großen Kanne Tee …

Cusco

Nun sind wir also kurz vor Cusco. Das war schon bei der Reiseplanung eine wichtige Etappe. Hier im Hochland nimmt die Präsenz der indigenen Bevölkerung deutlich zu. Auf vielen Häusern ist Wahlwerbung gemalt; hier sehen wir erstmals eindeutig indigene Kandidaten. Cusco ist die älteste ständig bewohnte Stadt des Kontinents, gegründet von den Inka etwa 1200 und jetzt natürlich mega-touristisch. Von hier aus gehen Wanderrouten in alle Richtungen und die Stadt ist der Ausgangspunkt für das Highlight Macchu Pichu. In den Straßen wechseln sich überteuerte Restaurants und Reiseanbieter ab, eingestreut sind Läden für Outdoor-Ausrüstung und Modegeschäfte, meistens mit schicken Sachen aus Alpaka-Wolle. Gut, dass wir nichts mitnehmen können! — Natürlich mussten wir einmal das Nationalgericht gebackenes Cuy, also Meerschweinchen essen. Viel ist ja nicht dran und so phantastisch fanden wir’s dann auch nicht. — Das Navi, jetzt gut vier Jahre alt, das uns damals gute Freunde nach Teheran geschickt hatten, ist kaputt gegangen: erstens hat der Bildschirm beim Unfall einen Sprung bekommen und zweiten ist der Ein-Aus-Knopf hin. Lässt sich nur noch mit Trick und Fremdstrom …

Mototaxi-Unfall, Nachlese

Vor ungefähr drei Wochen hatten wir ja diesen Mototaxi-Unfall. Die Schürfwunden sind ziemlich verheilt, die Räder repariert, die Packtaschen mit Kraftkleber abgedichtet, aber: Karin hat am linken Ellenbogen trotz aller Druckverbände doch einen dicken Bluterguss behalten, der auf Holperstrecken unangenehm schwabbelt und beim Auflegen des Armes schmerzt. Das kann so nicht bleiben. Bei der Suche nach chirurgischen Optionen in Cusco bin ich auf diesen Artikel von einem Dr. Tim Boeker gestoßen, der an einem deutschen Missionshospital in Curahuasi die Unfallchirurgie aufgebaut hat. Welch ein Zufall! Curahuasi war unser nächstes Ziel! Mail hingeschickt, prompte Antwort, wir könnten uns gerne vorstellen, mal sehen was sich machen lässt. Nächsten Tag um 15°° waren wir da. Personalienaufnahme („Karin Deutsch“, nein, das ist die Staatsangehörigkeit, Name ist Klaus-Witten, como??? Doppelnamen mit Bindestrich sind hier unbekannt.) Vor Konsultation erst mal 5 Soles (≈ 1,60 €) bezahlen. Kurz ins volle Wartezimmer gesetzt, peruanischer Arzt sieht sich das an, da brauchen wir ein Utraschall-Bild (8 Soles) und schließlich kommt der Chef und es wird beschlossen, das Hämatom am nächsten Morgen in Regionalanästhesie auszuräumen. …

Die Nacht auf dem kahlen Berge

Das war wohl die höchste Übernachtung die wir je hatten: 4428 m. Und da oben gibt es ein paar Seen! Allerdings ist das Ufer so morastig, dass an Baden oder waschen nicht zu denken war. Übrigens wäre es wohl auch etwas frisch. Sobald die Sonne sich neigt, kommt zu dem Wind empfindliche Kälte. Nachts waren es draußen -6°, im Zelt immerhin +7°, also 13° Differenz in unserem neuen Vier-Jahreszeiten-Zelt. Um Puquio (noch auf 3200 m), wo wir einen Tag pausiert haben, ist die Landschaft ausgesprochen lieblich, Weidevieh, satte grüne Wiesen, viel Wasser. Dann schraubt sich die Straße immer weiter nach oben, die Vegetation wird immer karger und man erreicht eine weitere Hochebene, um nach einigen Kilometern zur nächsten Ebene aufzusteigen. Bei 4000 m ist die Baumgrenze, danach Pampasgras, Moose, Flechten. Tiere? Reichlich! Herdenweise Alpacas, seltener Lamas und Mengen der nicht domestizierbaren Vicuñas. Die werden übrigens bejagt und die Felle, die offenbar nicht zu vermarkten sind, findet man in Haufen neben der Straße. Dazu Vögel, viele Wasservögel in diesen Seen, zum Beispiel Flamingos! Auf über 4000 …

Pisco

… war der vorletzte Anlaufpunkt auf der Reise meines Vaters. Natürlich ist eine Stadt nach 90 Jahren nicht ansatzweise wieder zuerkennen: heute munter und lebendig. Wieder einmal haben wir einen Staatsakt mit großem Pomp, langen Ansprachen und Fahnenappell erleben dürfen. Aber  Armut und Elend sind auch heute noch nicht verschwunden. Das obige Foto der beiden Schädel hat der Papa bezeichnet mit „Inkaschädel“: hier irrte er. Die Schädel sind der Pararas-Kultur zuzuordnen, die 1000 (!) Jahre vor den Inka in der Region ihre Blüte hatte. Vor etwa 100 Jahren sind in Katakomben 400 in feine Stoffe gehüllte Mumien gefunden worden. Heute sei von diesen Funden praktisch nichts mehr übrig. Der blauweiße Bau ist das 1930 (also ein Jahr vor der väterlichen Reise) eingeweihte Rathaus, das beim großen Erdbeben 2007 so beschädigt wurde (man sieht’s an der Kuppel), dass es nicht mehr betreten werden darf. Irgendwann wollen sie es restaurieren. Durch die Tür sieht das Innere ja recht attraktiv aus. Karin sucht einen Rückspiegel; der alte hat den Unfall nicht überstanden. Wie das immer so ist: in jeder …

Der Unfall

So, jetzt kommt der Hammer: kurz vor unserem Zielort Cerro Azul nach 90 km Tagesetappe so gegen 15°° hat mich eines dieser Tuk-Tuks auf dem Seitenstreifen volle Kanne von hinten gerammt. Ich bin auf die Straße geknallt, das Tuk-Tuk umgestürzt und Karin (die hinter mir fuhr) durch eine Vollbremsung ebenfalls gestürzt. Der Tuk-Tuk-Fahrer hat behauptet, ein überholender PKW habe ihn “touchiert”, weswegen er mit 60 km/h (!) auf den Seitenstreifen geraten sei. Erst mal: wir haben’s beide glimpflich überstanden. Karin hat eine ziemliche Schmarre am linken Ellenbogen und ordentliche Prellungen der Rippen, linken Schulter , Knie und rechter Hand. Bei mir sind’s Schürfungen an Knie, linke Hüfte und Oberarm links. Außer den Schürfungen tut mir eigentlich nichts weh; überraschend haben die Hände nichts abbekommen. Der Helm hat eine ordentliche Schramme, ohne ihn hätte ich die jetzt wohl am Kopf! Und sonst? Hauptproblem ist der kapitale Achter im Hinterrad. Meine schönen neuen Packtaschen und der Zeltsack sind an einzelnen Stellen durchgescheuert und somit undicht. Wie ging es denn nun weiter? Nach so etwa 20 Minuten kam …

Das Klima in Lima ist prima

… bedeckt aber nicht zu kalt, zum Radeln eigentlich ganz angenehm. Ich hatte schon angekündigt, hier Fotos meines Vaters (geb. 1896) vorstellen zu wollen. Den hatte 1931 die Reiselust gepackt und er hat als Schiffsarzt auf einem Frachter angeheuert, siehe Foto oben. Die Route ging von Hamburg zur Südspitze Südamerikas und dann an der Küste entlang mit zehn Stopps und zurück durch den gerade 15 Jahre alten Panamakanal, also gerade unserer Richtung entgegen. Der letzte Halt vor dem Kanal war Lima bzw der Überssehafen Calleo südlich der Stadt. Heute ist Lima ein riesiger Moloch mit acht Millionen Einwohnern. Nach Ankunft am Busbahnhof Norte haben darauf verzichtet, nach einer historischen Altstadt zu suchen und waren froh, dass wir nach 30 km Innenstadt-Verkehrschaos den Küstenradweg gefunden haben, auf dem wir einen guten Teil der Stadt umfahren konnten. Den Überseehafen haben wir nicht sehen können, der ist versteckt auf einer Halbinsel hinter einem Berg. Nach der Stadt finden wir wieder überwiegend Wüste, wo man allerdings versucht, super-Wohnsiedlungen für Superreiche zu bauen oder zumindest Parzellen zu verkaufen. Das sieht …

Catacaos

… ist eine Kleinstadt in der Nähe von Piura, die bekannt ist für ihren Kunstgewerbe-Markt ( Im Reiseführer steht, es sei nicht auszuschließen, dass einige der Objekte auch tatsächlich in Peru gefertigt seien). Wir hatten hier einen Auftrag: Ein guter Freund hat hier familiäre Wurzeln, war aber nie selbst hier. Der Auftrag lautete, ein paar Fotos zu machen. Haben wir , und uns dabei ein wenig in dies Nest verschossen! Vielleicht war das ja Zufall: hier war in den zwei Tagen ziemlich viel los, Live-Musik, ein religiöser Umzug, Versammlung und Ehrung einer großen Gruppe von Menschen mit Behinderungen, Kinder beim Laternenumzug; es gibt einen schönen Lebensmittelmarkt, nette Sachen zu essen … In der Nähe gibt es sogar noch eine Ausgrabungsstätte. Das entsprechende Foto ist allerdings die Eintrittskarte, weil das ganze jetzt unter Wellblechdächern zwar geschützt aber viel weniger eindrucksvoll ist. Und meinem Eindruck nach ist dies die sauberste Stadt, die wir in Lateinamerika bisher gesehen haben. Schön, dass wir da waren! Am späten Nachmittag des nächsten Tages haben wir uns dann in  den Bus gesetzt …

In Ecuador wird es ernst.

Die Berge hatten wir ja etwas satt mit diesem ewigen Auf und Ab und haben uns mal zur Küste aufgemacht. Dort hatte ich in Puerto Lopez zwei wunderbare Tauchgänge, mit Chance auf Mantas, die sich aber leider doch nicht gezeigt haben. War aber trotzdem prima. Am Ende haben wir noch ein Fischernetz geborgen, das hier im Nationalpark gar nicht hätte sein dürfen. Auf der Rückfahrt waren dann doch Buckelwale und Delphine zu sehen, quasi als Entschädigung. Karin ist leider seit dem tödlichen Zwischenfall auf dem Tauchboot in La Paz auf der Baja California vor einem Jahr mit dem Tauchen völlig durch. Leider wurde das Gehäuse von Karins ActionKamera undicht; nun ist sie “abgesoffen” und hinüber. Die Küste war mit ihren Touri/Surfer-hot-spots wie Montanita recht hübsch und amüsant, aber für uns nichts zum Verweilen. Haben durch die Berge zu viel Zeit verloren. Nach Peru führt nur der Weg über Guayaquil, die zweitgrößte Stadt Ecuadors, die aktuell das Zentrum der Proteste ist. Wir hatten vor, die Stadt und den Fluss, an dem sie liegt, ruck-zuck über einen …

Ecuador

Vor der Grenze waren wir ja etwas gespannt, wie das mit den Flüchtlingen aus Venezuela werden würde. Einige sind wohl eingelassen worden, viele wurden aber offenbar abgewiesen, wie wir gesehen hatten. Im Niemandsland zwischen den Grenzen waren Zelte vom Roten Kreuz und Container von der UNHCR aufgestellt. Es waren einige Flüchtlinge da; keinesfalls aber Menschenmassen. Das 1. Haus nach der Grenze zeigte dieses berühmte Bild von Che Guevara und zwei Handgranaten; die Sprühbilder haben wir hier noch oft gesehen. Morgens, am Ortsausgang von Bolivar, gab es eine Blockade mit städtischen Autos, “irgendwas Politisches”, was genau, haben wir nicht rausgekriegt. Uns haben sie aber durchgelassen und wir hatten eine phantastische Abfahrt von 25 km auf einer perfekten 4-spurigen Strasse ganz für uns alleine! Zwischendurch gab es an einem Abzweig eine Demo mit Sprechchören, berittener Polizei und abgebrannten Autoreifen. Sogar die Pferde hatten Visiere! Es ging um sauberes Trinkwasser und verbesserte Straßeninfrastruktur für sechs Gemeinden.  Abends haben wir die “Finca Sommerwind” mit Hans erreicht. Das war so schön, mit warmer Dusche, Biergarten, Leberkäs und Waschmaschine, dass wir …

Idyll mit Müll

Das mit dem wenigen Müll von neulich nehmen wir zurück. Scheint doch regional sehr verschieden zu sein. Wie überall in den Schwellenländern der Welt: je mehr es zu konsumieren gibt, desto mehr fliegt in die Landschaft. Ein Bewusstsein für Umweltprobleme bildet sich wohl erst viel später aus. Vor der eigenen Haustür wird aber eifrig gefegt. Diese Landschaft ist phänomenal, wie wir uns das erhofft hatten, die Straßen überwiegend überraschend gut und Steigungen meist moderat, selten über 8%. Allerdings gilt die Berggegend zwischen Cali und der Grenze zu Equador als nicht so ganz sicher, erkennbar ist das auch an der zunehmenden Militärpräsenz. Das Militär hat wie in vielen lateinamerikanischen Ländern eine nicht nur rühmliche Vergangenheit, startet aber hier auch mal eine Charme-Offensive: der Soldat auf dem ersten Bild grüßt militärisch jeden Truck, jedes Auto und jedes Moped. Das Grüßen ausländischer Radfahrer erfolgte etwas legerer. Ich bin ja etwas fahrzeugbegeistert und möchte hier mal ein paar Schnappschüsse der letzten Tage vorstellen. Das Highlight war natürlich der perfekt restaurierte T2, mit dem eine kolumbianische Familie auf der Panamericana …

Der Start

Die Bahnreise war -nach Verabschiedung von einigen Freunden zuhause und am Bahnhof- unkompliziert, außer dass der Fahrradwagen anders als am Wagenstandsanzeiger nicht in der Mitte sondern ganz hinten war; also war Galopp angesagt. Das Flixtrain-Personal war übrigens ausgesprochen freundlich und hilfreich. Nachdem wir beim letzten Abflug etwas Stress hatten, bei irgendeinem Frankfurter Baumarkt Blasenfolie und diese dünne Haushalts-Folie zum Verpacken ranzuschaffen, waren wir diesmal schlauer (dachten wir) und haben das Zeug von zuhause mitgebracht. Jetzt hieß es aber plöztzlich, die Lufthansa verlangt Fahrradboxen! Wie bitte soll man per Rad eine Box transportieren, die größer ist als das Rad -sonst würde es ja nicht reinpassen!??? Im Flughafen gebe es welche, sagte die etwas grantige Frau am Schalter. Karin los, keine Box, ausverkauft. Also die nächsten Radläden abtelefoniert: einer in 12 km Entfernung hatte 2 Boxen. Per Taxi hin. Die Boxen waren neu und ungefaltet und passten nicht ins Taxi. Haben wir dann mehrfach geknickt und irgendwie hineingefummelt. Da rief Karin an, im Airport gebe es -an anderer Stelle- nun doch welche. Das Verpacken ging denn auch …

Morgen geht es los!

Gestern haben wir Reifen gewechselt. Unser Unterstützer Andreas Gade mit seinem Laden Bike und Niess hat wieder – wie auch vor den letzten Reisen- von Fa. Schwalbe sechs neue Reifen und acht Schläuche als Sponsoring organisieren können. Ist doch super! Die haben wir gestern aufgezogen; einen nimmt jeder als Reserve mit. Unsere bevorzugten Marathon Evolution Mondial laufen in unserer Größe allerdings aus. der Nachfolger heißt Marathon Evolution Almotion, hat weniger Profil, ist etwas leichter, soll denselben Pannenschutz haben aber wohl etwas geringere Laufleistung. 25 000 km mit einem Reifen gehört dann wohl der Vergangenheit an. Morgen geht’s mit der Bahn nach Frankfurt direkt zum Flughafen. Da machen wir Räder und Gepäck (darf ja nur je ein Stück sein!) reisefertig und geben das alles gleich ab. Nach abendlichem Besuch bei einem Freund fliegen wir am 3.9. um 14°° ab und kommen nach elf Stunden um 17°° Ortszeit in Bogota an. Von da gibt es irgendwann den nächsten Bericht.

Langsam wird es ernst.

Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren: heute in 4 Wochen geht der Flieger nach Bogota in Kolumbien. Fast zeitgleich startet unser Freund Axel Kuba auf seine Pyrenäen-Reise. Er fährt nicht etwa quer rüber sondern der Länge nach, vom Atlantik bis Perpignan am Mittelmeer. Sein Vorhaben ist mindestens so ambitioniert wie unseres. Er hat nämlich ein Handicap: Parkinson! Er weiß das seit ein paar Jahren und nach anfänglicher Ratlosigkeit hat er den Kampf aufgenommen, trainiert eisern und leistet Unglaubliches, um den Verlauf der Erkrankung aufzuhalten. Schirmherr ist übrigens unser OB Klaus Mohrs, ebenfalls begeisterter Fahrradfahrer. Die Tour ist auch eine Spendenaktion- nicht für sich natürlich, sondern für die Hilde-Ulrichs- Stiftung, die nicht-medikamentöse Forschungsprojekte zur Parkinson-Behandlung fördert. Axel freut sich über Wegpaten, die ihn symbolisch und die Stiftung monetär unterstützen – pro 20€ Spende wird man Wegpate für 1 km/20Höhenmeter! Auf Axels homepage das-3p-projekt.de/ findet sich auch ein Link zum Spendenkonto. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen gutes Gelingen und viele Wegpaten und –patinnen, die ihn unterstützen!

Panamakanal 1932

Mein Vater (1896-1959) war ein reiselustiger Vogel und begeisterter Fotograf. Im Herbst 1931 hat er als Schiffsarzt auf einem Fracht-Dampfer angeheuert. Die Reise ging zur Südspitze Südamerikas, durch die Magellanstraße und an der Westküste des Kontinents nach Norden, wobei verschiedene Häfen angelaufen wurden. Die Rückreise erfolgte im Frühjahr 1932 durch den Panamakanal, der zu diesem Zeitpunkt gerade 18 Jahre alt war. Mitgebracht hat ein Reisetagebuch, ein Album mit Kontaktabzügen und eine Panamahut, den ich heute noch habe. Die Fotos sind also eingescannte Kontaktabzüge, die eben auch 90 Jahr alt sind; die Qualität ist leider dementsprechend. Sie zeigen die Miraflori-Schleuse, die wir auch gesehen haben. Man erkennt, dass die Schiffe heute zwar anders aussehen, die Schleusentechnik sich in den fast 90 Jahren äußerlich gar nicht so wesentlich verändert hat.

Ach wie schön ist Panama (?)

Hat ja eigentlich gut angefangen: wie beschrieben, war die Einreise ausgesprochen problemlos; keine Fragen, keine Gepäck-Kontrolle, nix bezahlen, Stempel rein, fertig. Die Straße war denn auch autobahnartig, 4-spurig, bester Asphalt, breiter Seitenstreifen extra für uns, kaum Verkehr. Ein wenig hügelig, naja. Kurz nach der Grenze trafen wir einen Rennradler, der schwärmte, der Radsport würde in Panama sich im Moment ganz groß entwickeln. Überhaupt war er sehr fürsorglich; wir sollten durchhalten, ab da und da würde es wieder abwärts gehen. In David, der zweitgrößten Stadt Panamas, haben wir in einem netten Hostel einen Pausentag eingelegt. Am Tag vor Rosenmontag sind wir einer Rennradler-Truppe begegnet an einer Tankstelle mit Supermarkt an eben dieser sensationellen Straße. Denen war gerade von der Polizei ihre Sonntagsausfahrt verboten worden mit der Begründung, es wäre zu gefährlich, in der Karnevalszeit seien zu viele betrunkene Autofahrer unterwegs! Hat man denn so etwas schon gehört!!!! Radfahrer von der Straße holen, weil Autofahrer betrunken sind! In Panama gibt es nur eine Ost-West-Verbindung, die beschriebene Carretera 1. Alle weiteren Straßen, etwa zu wenigen im Reiseführer genannten …

Pazifik-Küste

War ja nicht anders zu erwarten: nachdem wir wochenlang Ostwind hatten, dreht er, kaum dass wir nach Süden fahren, auch nach Süden! Allerdings nur schwach und zweitens ging es ja nun vorwiegend abwärts zur Küste. Auf den Fotos sieht man auch noch einmal, warum dies Land oft mit der Schweiz verglichen wird. Übrigens ist eine Verwaltungsebene (wie in der Schweiz) Kantone! Vom auf einer kleinen Halbinsel gelegenen Puntarenas wollten wir mit der Fähre auf die Halbinsel Nicoya, vielleicht ein wenig Tauchen … Leider sind wir an den interessanten Tauchspots im Norden unbedacht vorbeigefahren. Und am Strand zu liegen ist ja nicht so unser Ding. Also haben wir kurzerhand umdisponiert und sind umgekehrt, um uns an der Pazifik-Küste mit den Nationalparks mehr Zeit zu lassen. Auf dieser Strecke gab es zwei Highlights, außer der fantastischen Landschaft natürlich: das erste war die „Krokodilsbrücke“ der Straße 34 über den Rio Tarcoles. Da lümmeln nämlich ein gutes Dutzend Krokodile im seichten Wasser. Das tun sie schon lange und so haben sich am nördlichen Brückenkopf einige teure Restaurants und Souvenir-Läden …

Nicaragua

Zu diesen beiden Vulkanen im Nicaragua-See gibt es eine Geschichte von zwei Liebenden aus verfeindeten Stämmen, die natürlich tragisch ausgeht. Die beiden Vulkane stehen da für zwei ganz bestimmte Körperteile der Frau. Aus Nicaragua kamen in den letzten Monaten ja durchaus beunruhigende Nachrichten über politische Instabilität. Wir hatten auch schon in Betracht gezogen, uns an der Grenze in einen Bus zu setzen und direkt nach Costa Rica durchzufahren. Mal gut, dass wir das nicht gemacht haben! Die Einreiseformalitäten waren so aufwändig wie sonst höchstens in Zentralasien erlebt. Haarklein wurden die bisherigen Grenzübertritte nachvollzogen. Dann dauerte das etwa eine Stunde, in der Erkundigungen eingezogen wurden, vermutlich wohl, ob wir Leute sind, die zusätzlich Ärger machen würden. Diese Überprüfung haben wir mit je 12 $ bezahlt und durften dann rein. Wie in El Salvador ist die Revolution ja noch nicht so lange her. Wir erinnern uns noch gut an die Solidaritäts-Kampagnen der frühen 80er, vor allem die TAZ-Aktion „Waffen für El Salvador“, und natürlich haben wir Kaffee aus Nicaragua getrunken. Nach Übernachtung in einem Hostel direkt nach …