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Endlich fertig: “Per Rad zum Nordkap und zurück”

Es hat wie meistens länger gedauert als geplant.  Zwischendurch muss man ja auch noch Radfahren … Nun ist der Vortrag fertig und der erste Termin ist vergeben. Wer uns in Wolfsburg auf der Bühne erleben möchte, hat dazu am Mittwoch, 07.03. 2024 im Hallenbad die Gelegenheit. Der Ticketverkauf startet in den nächsten Tagen. Zum Einstimmen findet Ihr  hier den Trailer  Per Rad zum Nordkap und zurück.  Bis bald Karin und Fritz  

Die Königsetappe – Großglockner

Wir wollten es also noch mal wissen. Und jetzt wissen wir`s! Geschafft!! Im Vorfeld noch eine nette Übernachtung im Fass, dann eine Kurzetappe nach Heiligenblut – leider war das Hotel nicht so hoch wie gehofft, sodass uns doch 1454 Hm zu kraxeln blieben. Wir hatten ganz schön Respekt vor den Steigungen, bis zu 16% an kurzen Rampen. Natürlich überholten uns andere Radler*innen, aber die hatten Rennräder und kein Gepäck – und waren meist deutlich jünger. Egal, wir kämpften uns hoch, teilweise alle 500 m Stehpause zum Luftholen. Leider war das Wetter nicht so wie angekündigt. Wir fuhren im Nebel los und bald nieselte es, der Wind war halbwegs erträglich. Hier nun ein paar Fotos vom Aufstieg. Oben angekommen gab´s eine Gulaschsuppe und einen Kaffee zum Aufwärmen. Wir wussten, dass nach einer kurzen Abfahrt nochmal eine Steigungsstrecke kommt, knapp 200 Hm. Kaum sind wir durch den Hochtortunnel – blauer Himmel, ein fantastisches Panorama!! Und der Wind fegt in Sturmböen!! Die Böen haben uns fast von der Straße geweht, wenn sie seitlich kamen und zum Stehen gebracht, …

Taka Tuka Island

In einem weit entfernten Land liegt inmitten eines  Altwasserarms eines großen Flusses eine kleine Insel. Sie ist ein besonderer Ort, verwunschen und wild. Uralte Weidenbäume mit riesigen Stämmen, zerbrochen und dennoch weiterwachsend schaffen eine mystische Atmosphäre. Akazienschösslinge haben sich ausgebreitet und bilden ein dorniges Gewirr. Wo Platz und Licht ist, wachsen Waldmeister und andere Kräuter, die es feucht mögen. Rings um die Insel gibt es kleine offene Kiesstrände und Zugänge, denn natürlich kommen hin und wieder Besucher. Und ganz selten findet dort eine besondere Zusammenkunft von Menschen statt, die die Insel lieben, gerne Musik hören und zusammen feiern. Und wir durften diesmal dabei sein! Julius hat es uns ermöglicht und wir waren stolz ein bisschen dazuzugehören. Es war ungeheuer beeindruckend, in welch kurzer Zeit und mit wieviel Kompetenz  das Aufbauteam auf der Insel alles vorbereitete, Pop-Up Infrastruktur schuf, von Komposttoiletten bis zu Café, Küche, Bar und Bühne. Viele Stunden am Tag gab es Life-Musik. Ein Highlight war auf jeden Fall die Radiostation im Baumhaus. Für drei Tage sendete Julius das Inselradioprogramm, das auf mitgebrachten Radios …

Aus Böhmens Hain und Flur

Es ist sauheiß – bis 37° im Schatten – aber es gibt kaum Schatten. Deswegen freut man sich über diese gelegentlichen Kaltwasser-Automaten. Das Trinkwasser in unseren Flaschen hat mit der Zeit ja auch 37° und erfrischt nicht so wirklich. Die Böhmische Landschaft ist wunderschön, aber zu allem Überfluss auch noch ziemlich hügelig – beim langsam-bergauf-Kriechen fehlt auch noch der kühlende Fahrtwind. Mein Kreislauf geht öfters in den Keller; also früher konnte ich das besser ab! Schließlich haben wir den Böhmerwald hinter uns und radeln durch das Flachland der südlichen Tschechei und Österreichs – das „Weinviertel“. Übernachtungsmäßig gibt es mal Kontrastprogramm: am 7. Wild Camping an einem Grillplatz in absoluter Ruhe, am 8. ein Riesen-Campingplatz mit einem Dutzend Restaurants und Kneipen und drei Wakebord-Anlagen, Hüpfburg, Riesenrad, Schiffschaukel und Life-Musik bis nachts um eins. Tier und Pflanze: das überraschendste war ein Schild am Straßenrand „Ziesel nächste 600 m“. Und die gab es wirklich! Am helllichten Tage flitzten die hin und her, zu schnell zum Fotografieren. Die Äskulapnatter hat da schon mehr Zeit gelassen. Gestern Abend haben wir …

Kudnà Hora

Jetzt haben wir Euch ja aus zeitrationalen Gründen einiges erspart: die Bastei (sind wir früher schon mal drauf rumgeklettert), Schloss Pillnitz (wohin August der Starke seine Mätresse „ausgelagert“ hatte), Theresienstadt („Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“) und Prag (das uns drei Tage Sightseeing gekostet hätte). Kutnà Hora (70 km WSW von Prag) muss aber sein: Da hat im Mittelalter ein Kreuzzugs-Ritter ein Säckchen Erde von Golgatha mitgebracht und auf einem winzigen Friedhof verstreut. Fortan war es schwer in Mode, sich dort in geweihter Erde bestatten zu lassen. Mit den Jahrhunderten sind da so 40 000 Skelette zusammengekommen. Da der Friedhof dazu viel zu klein war, wurde im 15. JH ein Beinhaus gebaut, in dem die Knochen von einem angeblich halbblinden Mönch zunächst zu Pyramiden gestapelt wurden. Später begann dann ein Holzschnitzer, skurrile Kunstwerke zu schaffen, Girlanden, das Tschechische Wappen usw. Wir haben das vor 10 Jahren in voller Pracht gesehen; jetzt wird allerdings renoviert, die Knochen frisch gebleicht, und es ist aktuell gerade etwas weniger eindrucksvoll. Ich habe also ein paar ältere Fotos beigesteuert.

Sportliche Aspekte unterwegs

Auf dem Weg nach Dresden begegneten uns immer wieder Radelnde im leuchten grünen Hemd; “Fahrradfest 2023” konnten wir entziffern. In Dresden wurden es Hunderte. Die Lösung: Die Sächsische Zeitung veranstaltet einmal im Jahr, diesmal zum 27igstenmal, ein Fahrradevent. Es werden verschiedendste Radtouren angeboten, von 60 km bis 5 km. Ein Riesenspektakel, dessen Zieleinfahrt an der Semperoper mit großer Festmeile und Programm aufwartet. Wir fühlten uns willkommen geheißen und Fritz musste unbedingt auch so ein T-Shirt haben. Am Elberadweg sind alle unterwegs, ob jung oder alt, alleine oder in Gruppen, mit Gepäck oder ohne. Und auch auf  der Elbe wird gesportelt. Mal als Training, mal als Rafting für Anfänger.         Beindruckend: Ein Paar auf einem Haase-Tandem mit Anhänger. Beim genaueren Hinsehen sind es ein Mann mit einer blinden Frau und (wahrscheinlich) dem Blindenhund im Anhänger.    

Die letzten Etappen

Auf der ganzen Reise – knapp 7.000km – haben wir nur einen Platten- und der ist in Berlin, wo ich wohl durch eine Glasscherbe gefahren bin! Die letzten Tage waren geprägt von Wind, Regen, Verkehr – aber auch viele alte Alleen mit sehr beeindruckenden Eichen, Kastanien und anderen Bäumen. Hier noch ein paar Eindrücke von Pflanzen und Getier am Wegesrand. Wir gönnten uns noch ein kleines Abenteuer- Zugfahren mit Fahrrädern in Polen. Das ging erstaunlich gut. Allerdings sind wir ja auch etwas erprobt. Also sind wir am Abend vorher auf den Bahnhof und haben dort stressfrei für den nächsten Morgen Karten besorgt. Und dann haben wir alles inspiziert. Wo ist der Bahnsteig, wo kommen wir wie hoch oder runter. Wie so häufig waren auch dort die Aufzugskörbe zu kurz. Also kam das „aufbäumende Rad“ zur Anwendung. Fritz ist ein Meister darin, wie Ihr auf den Fotos unten sehen könnt. Bis Berlin war das Wetter sehr durchwachsen. Für die letzte Übernachtung davor fanden wir eine ganz wunderbare Unterkunft im Haus „Einklang“ bei Müncheberg, wo wir im …

Polen

Nach dem letzten Tag in Litauen lassen wir die baltischen Staaten hinter uns – wir fanden sie spannend und alle drei eine Reise wert, auch noch gründlicher, als wir das jetzt gemacht haben. Als erstes fallen uns im Nordosten Polens riesige Autobahnprojekte auf. Die sind größtenteils noch im Bau und auf jeden Fall noch nicht freigegeben. Wir haben uns auf ein fast fertiges Stück draufgemogelt und hatten die Megastraße 15 km für uns allein. Ein Straßenbauingenieur hat uns  murrend weiterfahrenlassen – bis uns ein Security-Mann runtergescheucht hat. Auf dessen Auto stand die web-Adresse seiner Firma: www.hunter.pl. Da wollten wir denn doch nicht diskutieren, zumal er kein Englisch sprach. Auf dem Bahnhof Elk stehen eine Menge alter Lokomotiven und Anhänger herum, ein Freilichtmuseum. Das mussten wir nun doch mal etwas genauer sehen, aber irgendwie geht unsere Reise jetzt zu ende. Wir sind nicht mehr so aufmerksam und interessiert. Wir waren bisher dreimal per Rad in Polen und es war immer toll. Aber jetzt fühlen wir uns –nach vier Monaten intensivster Erlebnisse- auf der Durchreise: wir wollen …

Litauen

Nun sind wir also in Litauen. Die Straßen scheinen weniger befahren als bisher, sind aber auch in wechselndem Zustand: Kurz hinter der Grenze ging‘s über 15 km Schotter und Waschbrett. Kleine Dörfer, in denen aber überraschend fast immer ein kleiner Laden zu finden ist. Viele Leute sind mit Kartoffel-Nachlese beschäftigt. Eine Übernachtung hatten wir neben einem Restaurant mit einem Damwild-Gehege. Serviert wurden Kartoffelklöße, eine litauische Spezialität: zwei gegessen und man ist pappsatt. Die Suppe oben ist eine Art kalter Borschtsch, der mit separaten Kartoffeln gegessen wird – sehr lecker. Etwas nördlich von Siauliai gibt es den „Berg der Kreuze“. Litauen war ja wie die anderen baltischen Staaten immer wieder von wechselnden Mächten beherrscht und dagegen gab es immer wieder Aufstände. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde  es üblich, auf dem Hügel Kreuze aufzustellen für die bei diesen Aufständen Getöteten. Besonders den Sowjets war dieser Ort ein Dorn im Auge, da er sich zu einem Symbol des Widerstands entwickelte; er wurde mehrfach zerstört aber subversiv immer wieder aufgebaut. An einzelnen der unübersehbaren Zahl Kreuze – riesige …

Lettland

Wieder ein kleines Land mit einer Geschichte, die geprägt ist von jahrhundertelanger wechselnder Fremdherrschaft und einer ersten kurzen Unabhängigkeitsphase zwischen 1918 und 1940. Auch hier Deportations- und Vernichtungswellen von Sowjets und Deutschen, auch hier Widerstand und letztlich –wenn auch spät und nach Jahrzehnten- die Wiedererlangung der Unabhängigkeit. Ich bin tief beeindruckt und voller Hochachtung für diese Nationen! In Lettland (1,7 Mill. EW) streiften wir kurz die Küste, die lettische „Costa del Sol“, nördlich von Riga. Dorthin ziehe es die Einheimischen, haben wir gelesen. Von Norden fuhren wir nach Riga, der Stadt des Jugendstils. Vorher kamen wir am Münchhausenmuseum vorbei, das montagsmäßig geschlossen war. Unterwegs huschten wir in ein kleines feines Fahrradmuseum, in dem uns der Sohn des immer noch sammelnden Gründers sehr fachkundig alle Fragen beantwortete. Besonders interessant für uns war ein Fahrrad aus den 30igern, das speziell für Pfadfinder angefertigt wurde und zum Transport von Gepäck und Zeltstangen geeignet war. In Riga gab es übrigens in den 1930igern  30 ! Fahrradfabriken. Bei einer kurzen Aufwärmkaffeepause an einem Supermarkt – hier gibt es überall Kaffeeautomaten …

Estland

Die Überfahrt von Helsinki nach Tallin war völlig easy. Wir staunten, wie viele Fahrzeuge aus dem Bauch der Fähre herausströmten, als sie in Helsinki ankam. Die Fähren, die wir in letzter Zeit gesehen hatten, waren alle um Dimensionen kleiner. Während der Überfahrt staunten wir wieder über die Partystimmung an Bord. Obwohl es vormittags war, gab der DJ auf dem Sonnendeck alles, viele Leute hatten ein Bierglas vor sich stehen, drinnen spielte die Tanzband und es glitten die Paare übers Parkett. Die ganze Fahrt dauerte nur zwei Stunden und die wurden genutzt. In einem neuen Land anzukommen und in die erste Stadt zu fahren, macht mir immer wieder ein freudig kribbeliges Gefühl im Bauch – alles ist neu. Das Straßenpflaster in der Altstadt jedoch nicht. Beim langsamen Drüberholpern, teilweise auch Schieben, hab ich tatsächlich einen Schuh verloren, der hinten festgeschnallt war! Im Hostel hab ich´s beim Abpacken gemerkt und gottseidank lag er noch auf dem Pflaster, als wir den Weg zurückgingen. Na ja, den nimmt auch niemand mit, so wie er aussieht und riecht! Wir streiften …

Südfinnland

Kürzlich hatten wir doch vermutet, dass hier eher ein Kamel als einen Elch zu finden wäre. Das hat sich bewahrheitet: vor ein paar Tagen sind wir an einem Hof mit Alpakas vorbei gefahren. Und die gehören zur Familie der Kamele, genauer der Neuweltkamele. Die haben wir zuletzt in den Anden gesehen. Südfinnland hat ja nun nichts wirklich Abenteuerliches; das Wetter ist sommerlich, die Versorgung ist gesichert, gerade, dass wir gelegentlich wild zelten. Wir werden die Berichterstattung also etwas straffen. In den letzten Tagen haben wir drei große Städte gesehen und ein Inselhopping im Archipelago gemacht. Der Start war Tampere, und da war das absolute Highlight der Dom aus der frühen Jugendstilzeit mit symbolistischen Kunstwerken. Dieses Haus hat uns beeindruckt wie selten eine Kirche. Als  wir da so andächtig saßen, hat der Organist Variationen über das Auenland-Motiv aus dem Herrn der Ringe gespielt, auch irgendwie skurril. — Sehr schön aber quasi ein Kontrastprogramm ist auch die Markthalle, Kaupahalli. Die gibt es in jeder größeren Stadt. Die ausgestellten Produkte sind zumindest immer ein Augenschmaus. Der Hit in …

Endlich! – Finnischer Sommer!

Wir verrenken uns immer noch die Hälse, um rechts und links in die Lichtungen zu plieren – vielleicht steht da doch noch ein verirrter Elch rum? Dabei wissen wir inzwischen, dass ab 15°C Elche schon Hitzestress haben und hier, bei jetzt doch –endlich- um die 20°C und mehr, eher ein Kamel zu erwarten ist. Die Elchschilder gelten also nur im Winter. Stattdessen sehen wir wieder vermehrt Kraniche auf den Wiesen und gestern Morgen sogar einen Rehbock, der über die Straße geschossen kam. Lebenretten geht auch mit kleinen Vögeln, die geschockt auf der Straße sitzen, Minikröten u.a. Ursprünglich hatten wir vor, von Kokkola an der Küste nach Vaasa und dann ins Landesinnere nach Tampere zu radeln. Wir entschieden uns um und radelten gleich nach Tampere. Jetzt, bei dem schönen Wetter, wollen wir endlich die vielen Shelter, Hütten, Feuerstellen u.ä., die der finnische Staat den Outdoorleuten zur Verfügung stellt, vermehrt ausprobieren. Und runter von den Hauptstraßen. – Es ist fantastisch! Zwar hatten wir manchmal Mühe, die Unterstände zu finden und mussten auch mal einige hundert Meter Trampelpfade …

Zur Ostsee

Jetzt geht es zügig nach Süden. Lappland ist zu Ende. Die Vegetation verändert sich. Wir sehen dichtere Wälder als bisher, Landwirtschaft, die Heide blüht. Ab und an folgen wir dem Küstenradweg E10, um uns vom Verkehr der Landstraße zu erholen, wenn dort gerade mal kein begleitender Radweg sondern nur ein Randstreifen zur Verfügung steht. Dann geht’s auf Waldwegen an Einzelgehöften und eben Wald entlang- auch mal schön. Dabei fanden wir einen Ziehbrunnen, die Kühe mit dem Euterschutz und einen Holzvollernter im Einsatz. Eine Kekspause auf einer kleinen Waldlichtung mit Blaubeerunterwuchs mussten wir wegen zu intensiver Mückenbevölkerung stark verkürzen. Wie zu sehen ist, hatten wir auch mal einzelne schöne Tage dabei. Gefühlt ist es aber doch überwiegend regnerisch; was sich da in Mittel- und Südeuropa mit Hitze abspielt, können wir uns gar nicht recht vorstellen. In der größten Stadt Nordfinnlands, Oulu, hatten wir Sonne und Schauer im Wechsel. Bilder im Regen gibt es nicht, weil die Kamera ja nicht wasserfest ist. Die Radinfrastruktur ist vorbildlich; es wird auch wirklich viel Rad gefahren. Im Radius von 30 …

Finnmark/Lappland

Ein Dauerthema bleibt das Wetter. Regen und Wind – wieviel und aus welcher Richtung. Von beidem gibt’s die nächsten Tage reichlich. Auf offener Strecke lädt eine Silberschmiede mit großem Plakat zum Halt ein. Wir wundern uns über die drei großen österreichischen Reisebusse auf dem Parkplatz – bis wir in der Hütte sind. Der Besitzer ist Österreicher, der eloquent den Touristen die samische Kultur inclusive des Silberhandwerks näherbringt. Es ist faszinierend, wie die Landschaft sich immer wieder verändert. Mal hügelig bewaldet, dann wieder offen, moorig und felsig – und immer ziemlich menschenleer. Einmal läuft sogar ein Polarfuchs über die Straße – zu schnell für die Kamera. Die Rentiere dagegen lassen sich häufig Zeit. Die erste Zieletappe in Finnland ist Inari, wo wir ein Sami-Museum besuchen. Es ist hochmodern, mit vielen interaktiven Elementen und einem großen Außengelände mit alten Gebäuden. Wir brauchen fast den ganzen Tag für diese Bildungseinheit, sind hinterher völlig platt und radeln nur noch kurz zum nächsten Campingplatz. Nordlappland hat eine sehr geringe Bevölkerungsdichte und entsprechend groß sind die Abstände zwischen den Siedlungen. Allerdings …

Einmal Nordkapp und zurück

In Honningsvåg runter von der Fähre und bei bestem Wetter die 33 km zum Nordkapp. Also, eigentlich ist das ja nicht die nördlichste Stelle des europäischen Festlandes, weil das ja eine Insel ist, Magerøya. Und das sogenannte Nordkapp ist noch nicht mal der nördlichste Punkt der Insel, der liegt 3 km weiter westlich, ist schlecht zugänglich und nicht so fotogen. Und wenn Inseln schon mitgerechnet werden, müsste man eigentlich zum 400 km nördlicheren Spitzbergen. Und da hat man sich eben willkürlich auf dieses Nordkapp geeinigt. Weil die Insel Samen-Gebiet ist, gibt es viele halbzahme Rentiere, die gern auch mal auf der Straße herumstehen. Von Honningsvåg fährt man erst mal 250 m hoch und dann fast auf Meereshöhe wieder runter. Das „Nordkapp“ ist dann wieder eine 300 Meter hohe Klippe. Als wir da waren, waberte unten der Nebel; das Meer war nicht zu sehen. Das Objekt der Begierde ist diese Drahtweltkugel, vor der die Leute fürs Erinnerungsfoto Schlange stehen. Dann gibt es da noch diverse Gedenkorte und ein Gebäude mit Cafeteria, Museum und dem unvermeidlichen Souvenir-Shop. …

Die letzten Etappen zum Nordkap

In Tromsø blieben wir einen Tag länger als geplant; es kam so viel Wasser vom Himmel, dass wir die trockene warme Cafeteria/Aufenthaltsbereich des Campingplatzes der nassen Straße vorzogen. Außerdem gab es ein Frühstücksbuffet!!! Wir schwelgen gerne im Luxus, nur mal so nebenbei bemerkt. Tromsø hatte uns außer Supermärkten, Eiskathedrale, Brauerei und Burger King auch noch ein Polarmuseum und ein Trollmuseum zu bieten. Das Polarmuseum hat mich, gelinde gesagt, etwas überrascht. Hier wird der norwegische Trapper und Jäger hauptsächlich auf Spitzbergen beim Überwintern gefeiert. Sehr schön mit Ausstellungstücken dargestellt: eine Originalhütte mit Hundegebell, wenn man sie betritt, ein Rentier, das gerade gehäutet wird, jede Menge verschiedener Fallen für Polarfüchse bis Eisbären (jeweils mit ausgestopftem Exemplar), Aufzählungen, wann wer mit wieviel Fellen als Ausbeute zurückkam, die Entwicklung der Robben-/Seelöwen-/Walross-/Waljagd mit Fotos, vielen alten und auch neueren Werkzeugen, die man so braucht. Für mich wird da ein Heldenmythos gefeiert, der zwar völlig legitim ist, aber ein kleines Stückchen Selbstreflexion aus heutiger Sicht hätte ich erwartet. So wird nur berichtet, dass die Robbenjagd wegen einer mächtigen Umweltschutzorganisation zurzeit den …

Die Vesterålen …

… sind die Inselgruppe nördlich der Lofoten. Da hatte Karin Geburtstag, in den wir „reingefeiert“ haben mit Rotwein, Erdnüssen und Mitternachtssonne. Vor der Westküste von Andøya ragt der Felsen Bleiksøya aus dem Meer und dort ist eine Kolonie von etwa 40 000 Papageientauchern. Die treffen sich dort zwischen Mai und August zur Paarung und Brutpflege und treiben sich den Rest des Jahres allein auf dem Meer herum, ohne jemals an Land zu gehen. Sie sind übrigens monogam, das Paar hat jedes Jahr ein einziges Ei. Sie werden bis zu 40 Jahre alt. Problem ist, dass in den letzten Jahren die Seeadlerpopulation stark gewachsen ist und inzwischen bis zu 50 hungrige Adler über dem Felsen kreisen. Jeder frisst täglich zwei Papageientaucher. Macht 100 pro Tag und mehr als 10 000 in den vier Monaten, – so erzählte uns der Guide. Einiges größeres und kleineres Getier ist uns vor die Linse gekommen. Beginnend mit dem kleinsten: die sind kaum einen mm lang und stechen durch die Kleidung. Wie ist das möglich? Zunehmend beschäftigt uns das Sozial- (oder …

„Pleiten, Pech und Pannen“

Wir hatten mal so eine Rubrik eingeführt, die aber nie so richtig beschickt, weil wir eigentlich nur selten Pech und Pannen hatten. Jetzt hat sich das aber doch ein wenig gehäuft. Los ging das noch in Deutschland mit unserem MSR-Kocher, der ja mit Benzin betrieben wird und uns mindestens 13 Jahre treu begleitet hat. Plötzlich lief der Brennstoff nicht mehr. In dem Messing-Zuleitungsrohr steckte so ein Sinterfilter, und durch intensives Reinigen und viele Versuche ließ sich das Problem auf diesen Filter eingrenzen. Ein wenig an der Oberfläche gekratzt – siehe, da ging es wieder so leidlich! Später habe ich die Oberfläche mal mit einem anderen Kocher ausgebrannt, und das war nicht so gut: Es ist nämlich –nach genauer Recherche- doch kein Messing-Sinterfilter (obwohl er genau so aussah!), sondern ein Plastikteil, und das hat nach der Hitzebehandlung gar nichts mehr durchgelassen. Ersatz dafür gibt es prinzipiell, aber keinesfalls in der norwegischen Provinz. Das Problem ließ sich aber nun mit einem Stück Zigarettenfilter hilfsweise lösen. Jetzt geht’s wieder. Hat uns aber ganz schön beschäftigt! Vor ein paar …