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Langsam wird es ernst.

Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren: heute in 4 Wochen geht der Flieger nach Bogota in Kolumbien. Fast zeitgleich startet unser Freund Axel Kuba auf seine Pyrenäen-Reise. Er fährt nicht etwa quer rüber sondern der Länge nach, vom Atlantik bis Perpignan am Mittelmeer. Sein Vorhaben ist mindestens so ambitioniert wie unseres. Er hat nämlich ein Handicap: Parkinson! Er weiß das seit ein paar Jahren und nach anfänglicher Ratlosigkeit hat er den Kampf aufgenommen, trainiert eisern und leistet Unglaubliches, um den Verlauf der Erkrankung aufzuhalten. Schirmherr ist übrigens unser OB Klaus Mohrs, ebenfalls begeisterter Fahrradfahrer. Die Tour ist auch eine Spendenaktion- nicht für sich natürlich, sondern für die Hilde-Ulrichs- Stiftung, die nicht-medikamentöse Forschungsprojekte zur Parkinson-Behandlung fördert. Axel freut sich über Wegpaten, die ihn symbolisch und die Stiftung monetär unterstützen – pro 20€ Spende wird man Wegpate für 1 km/20Höhenmeter! Auf Axels homepage das-3p-projekt.de/ findet sich auch ein Link zum Spendenkonto. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen gutes Gelingen und viele Wegpaten und –patinnen, die ihn unterstützen!

Stopover Wolfsburg

Den Schlussakkord der Zentralamerikatour sind wir Euch schuldig geblieben. Plötzlich ging’s ganz schnell, schwupdiwupp waren wir zuhause und zwei Tage später schon voll eingetaucht ins “Zuhause”. So isses manchmal. Wir hatten uns 4 Wochen gegeben, um anzukommen. Dann spürten wir nach, ob unser ursprünglicher Plan noch realistisch ist. Und kamen zu dem Schluss- ja! Ambitioniert, aber möglich. Tja, und seit diesem Moment sind wir schon wieder in der Planungs- und Vorbereitungsphase – für Südamerika. Zwischendurch merke ich, dass es mir ein bisschen zu schnell geht mit dem Wiederlosziehen. Ich habe mich so auf den Garten gefreut, und hätte gerne eine ganze Saison gehabt. Nun dürfen/müssen andere den Großteil der Tomaten und Äpfel ernten. Wieso also so schnell? Nun, es gibt mehrere Gründe: Der Wichtigste – unsere Zeit läuft und diese Tour machen wir jetzt oder gar nicht mehr. Da wir klimazonenbedingt nur im Spätsommer/Herbst starten können, ginge es erst ein ganzes Jahr später. Und dann sind wir 68 und 61, und mein Knie jetzt schon die Achillesferse. Diese Südamerikatour hat es wirklich in sich. Absolute …

Panamakanal 1932

Mein Vater (1896-1959) war ein reiselustiger Vogel und begeisterter Fotograf. Im Herbst 1931 hat er als Schiffsarzt auf einem Fracht-Dampfer angeheuert. Die Reise ging zur Südspitze Südamerikas, durch die Magellanstraße und an der Westküste des Kontinents nach Norden, wobei verschiedene Häfen angelaufen wurden. Die Rückreise erfolgte im Frühjahr 1932 durch den Panamakanal, der zu diesem Zeitpunkt gerade 18 Jahre alt war. Mitgebracht hat ein Reisetagebuch, ein Album mit Kontaktabzügen und eine Panamahut, den ich heute noch habe. Die Fotos sind also eingescannte Kontaktabzüge, die eben auch 90 Jahr alt sind; die Qualität ist leider dementsprechend. Sie zeigen die Miraflori-Schleuse, die wir auch gesehen haben. Man erkennt, dass die Schiffe heute zwar anders aussehen, die Schleusentechnik sich in den fast 90 Jahren äußerlich gar nicht so wesentlich verändert hat.

Panama City

Die letzten Tage hatten wir, ganz untypisch, ziemlich instabiles Wlan, sodass wir unseren letzten Beitrag tatsächlich auch erst an unserem letzten Tag dieser Tour schreiben und onlinestellen können. Die Anfahrt nach Panama City auf der Panamericana war doch ziemlich anstrengend und nicht wirklich ein Highlight. Ich war ganz schön geschlaucht und genervt. Der Wind, der dichte schnelle Verkehr, die beschissene Straße und das ständige Auf und Ab machten mich alle. Nichts Neues, Claro, aber irgendwie saugte mich das Alles aus. Und dann passierte es: Ob ich gerade in den Rückspiegel schaute, eine Windboe mich schubste oder ich einen Moment unaufmerksam war, keine Ahnung, auf jeden Fall lag auf der Straße plötzlich ein dicker Stein und ich fuhr voll drauf. Mein Rad versprang mit einem Satz nach links auf die Fahrbahn und zwar fast bis auf die Überholspur! Ich schrie auf und versuchte reflexartig das 50 kg schwere Geschoss ohne zu stürzen wieder rumzureißen- innerlich erwartete ich den Aufprall eines Autos- und schaffte es wirklich wieder zurück auf den Seitenstreifen. Das Universum hatte beschlossen, dass meine …

Ach wie schön ist Panama (?)

Hat ja eigentlich gut angefangen: wie beschrieben, war die Einreise ausgesprochen problemlos; keine Fragen, keine Gepäck-Kontrolle, nix bezahlen, Stempel rein, fertig. Die Straße war denn auch autobahnartig, 4-spurig, bester Asphalt, breiter Seitenstreifen extra für uns, kaum Verkehr. Ein wenig hügelig, naja. Kurz nach der Grenze trafen wir einen Rennradler, der schwärmte, der Radsport würde in Panama sich im Moment ganz groß entwickeln. Überhaupt war er sehr fürsorglich; wir sollten durchhalten, ab da und da würde es wieder abwärts gehen. In David, der zweitgrößten Stadt Panamas, haben wir in einem netten Hostel einen Pausentag eingelegt. Am Tag vor Rosenmontag sind wir einer Rennradler-Truppe begegnet an einer Tankstelle mit Supermarkt an eben dieser sensationellen Straße. Denen war gerade von der Polizei ihre Sonntagsausfahrt verboten worden mit der Begründung, es wäre zu gefährlich, in der Karnevalszeit seien zu viele betrunkene Autofahrer unterwegs! Hat man denn so etwas schon gehört!!!! Radfahrer von der Straße holen, weil Autofahrer betrunken sind! In Panama gibt es nur eine Ost-West-Verbindung, die beschriebene Carretera 1. Alle weiteren Straßen, etwa zu wenigen im Reiseführer genannten …

Halbinsel Osa

Ein Abstecher auf die Halbinsel Osa musste zum Abschluss nochmal sein. Der Anreisetag ließ unsere Pannenstatistik weiter steigen. Morgens beim Luftprüfen stellte Fritz fest, dass am Vorderreifen das kleine Ventilköpfchen abgerissen war. Bei der nächsten Tankstelle mit Druckluft versuchte er das Ventil herauszudrehen, denn Ersatzventile haben wir ja dabei. Leider war das Ergebnis ein genervter Fritz und ein völlig zerquetschtes Ventil. Kein Thema, wir haben ja einen Ersatzschlauch. Der war zwar nicht mehr neu, wie wir dann feststellten, 3 Flicken waren schon drauf, aber egal. Und bei nächster Gelegenheit würden wir wieder einen neuen Ersatzschlauch besorgen. Nach ca. 3 km, kurz hinter einem Ort, war der Reifen platt! Mist! Wir hatten den Schlauch zwar beim letzten Loch geflickt, aber nicht überprüft, ob er auch dicht ist. Das war ein Fehler! Frustriert schoben wir ca. 100 m bis zu einer Werkstatt zurück. Dort wusste man, wo ein Fahrradladen in dem Ort war. Fritz schwang sich auf mein Rad und düste los, während ich mir eine kalte Fanta leistete. Nach ca. 20 min kam Fritz mit zwei …

Nationalpark Marino Ballena u.a.

Wir hatten schon ein paar Worte über die Ölpalmenplantagen hier verloren. Hier in dieser Gegend von Costa Rica, wo der Küstenstreifen flach und ursprünglich mit Nebelwald bewachsen ist, wurden bis in die 70iger als erste Kulturpflanzen nach der Rodung Bananen angebaut – bis der Ertrag einbrach (Krankheiten, Schädlinge, ausgelaugter Boden, was auch immer) und auf die lukrative Ölpalme umgestiegen wurde. Der Weltmarkt brummt, es gibt kaum noch ein Produkt, sei es Lebensmittel, Kosmetika oder Schmierstoff, das nicht Palmöl oder Palmkernöl enthält. Oft sind sie in Lebensmitteln nur als „pflanzliche Öle“ gekennzeichnet. Inzwischen werden immer mehr Flächen mit Ölpalmen bepflanzt. Die Problematik ist vielschichtig, ein kurzer Blick in die Suchmaschine bringt Euch schnell ins Thema. (Habe ich auch getan und beschlossen zuhause mit einem schärferen Blick für Alternativen einzukaufen). Angeregt wurden wir durch die Begegnung mit zwei Erntearbeitern, die uns bereitwillig zeigten und erklärten, wie ihre Arbeit aussieht. An einer langen Stange ist eine große scharfe Sichel befestigt, mit der die Fruchtstände, bis zu 30kg schwer, abgeschnitten werden. Sie knallen auf den Boden und werden von …

Immer an der Küste lang

Da wir uns gegen die hohen Berge entschieden hatten, fahren wir jetzt einfach die Küste runter. Die Tagesetappen sind überschaubar, was wir aufgrund der feuchten Hitze sehr begrüßen. Unser nächster Stopp ist Quepos. Der Manuel Antonio NP liegt ca. 7km südlich und in Quepos gibt es eine Tauchbasis. Die Fahrt war unspektakulär, wenn man mal von den riesigen Ölpalmplantagen absieht, die sich hier kilometerweit erstrecken. Die Verarbeitung erfolgt auch gleich vor Ort. Da Shell auf dem Firmenschild prangt, gehen wir davon aus, dass diese Plantagen zur Biospriterzeugung genutzt werden. Quepos ist auch eher unspektakulär (darf es auch sein). Und wahrscheinlich deshalb finden wir auch ein Zimmer für umgerechnet knapp 18€. Das ist supergünstig. Es hat sogar ein großes Fenster mit Moskitonetz, das sich öffnen lässt, ein eigenes Bad und einen Deckenventilator, der sich 24 Std. für uns dreht, damit wir nicht völlig wegschwimmen. Wir bleiben 3 Nächte, denn wir wollen in den Park und am nächsten Tag geht Fritz tauchen. Normalerweise weigere ich mich an Ruhetagen, das Rad anzufassen. Diesmal dachte ich, na ja, die …

Pazifik-Küste

War ja nicht anders zu erwarten: nachdem wir wochenlang Ostwind hatten, dreht er, kaum dass wir nach Süden fahren, auch nach Süden! Allerdings nur schwach und zweitens ging es ja nun vorwiegend abwärts zur Küste. Auf den Fotos sieht man auch noch einmal, warum dies Land oft mit der Schweiz verglichen wird. Übrigens ist eine Verwaltungsebene (wie in der Schweiz) Kantone! Vom auf einer kleinen Halbinsel gelegenen Puntarenas wollten wir mit der Fähre auf die Halbinsel Nicoya, vielleicht ein wenig Tauchen … Leider sind wir an den interessanten Tauchspots im Norden unbedacht vorbeigefahren. Und am Strand zu liegen ist ja nicht so unser Ding. Also haben wir kurzerhand umdisponiert und sind umgekehrt, um uns an der Pazifik-Küste mit den Nationalparks mehr Zeit zu lassen. Auf dieser Strecke gab es zwei Highlights, außer der fantastischen Landschaft natürlich: das erste war die „Krokodilsbrücke“ der Straße 34 über den Rio Tarcoles. Da lümmeln nämlich ein gutes Dutzend Krokodile im seichten Wasser. Das tun sie schon lange und so haben sich am nördlichen Brückenkopf einige teure Restaurants und Souvenir-Läden …

Die “Schweiz Mittelamerikas ” ? – Costa Rica

Huch, schon wieder eine Woche vorbei und wir haben noch nichts geschrieben! Wir sind abends entweder zu erschöpft, haben einfach keine Lust, oder müssen die jeweils neuen Eindrücke verarbeiten bzw. die entsprechenden Fotos sortieren. So kommt´s, dass Ihr etwas warten musstet und dafür jetzt mit einem längeren Bericht und einigen Fotos klar kommen müsst. Kurzer Nachtrag zu Nicaragua: Vom See haben wir uns ca. 3 km mit dem Auto hochfahren lassen, weil die Abfahrt so steil war, dass wir einiges aufwärts hätten schieben müssen. Leider ging´s danach gerade so weiter, wie berichtet. Fritz hatte zwischendurch ein kleines Problem zu lösen (ich bin nur saufroh, dass ich nicht so viele Probleme am Rad habe wie er; mir macht das Radproblemlösen nicht so viel Spaß wie ihm). Die Spreizfeder der Scheibenbremsbeläge vorne war völlig verbogen und abgebrochen. Problem erkannt – Problem gebannt; natürlich hat er Ersatzspreizfedern dabei! Die Sache hat ca. 10 min. gedauert. Was uns beide allerdings ziemlich ärgert, sind die Reifenpannen. Ich habe sie nicht mitgezählt, aber wir haben jetzt schon mehr als auf der …

Nicaragua

Zu diesen beiden Vulkanen im Nicaragua-See gibt es eine Geschichte von zwei Liebenden aus verfeindeten Stämmen, die natürlich tragisch ausgeht. Die beiden Vulkane stehen da für zwei ganz bestimmte Körperteile der Frau. Aus Nicaragua kamen in den letzten Monaten ja durchaus beunruhigende Nachrichten über politische Instabilität. Wir hatten auch schon in Betracht gezogen, uns an der Grenze in einen Bus zu setzen und direkt nach Costa Rica durchzufahren. Mal gut, dass wir das nicht gemacht haben! Die Einreiseformalitäten waren so aufwändig wie sonst höchstens in Zentralasien erlebt. Haarklein wurden die bisherigen Grenzübertritte nachvollzogen. Dann dauerte das etwa eine Stunde, in der Erkundigungen eingezogen wurden, vermutlich wohl, ob wir Leute sind, die zusätzlich Ärger machen würden. Diese Überprüfung haben wir mit je 12 $ bezahlt und durften dann rein. Wie in El Salvador ist die Revolution ja noch nicht so lange her. Wir erinnern uns noch gut an die Solidaritäts-Kampagnen der frühen 80er, vor allem die TAZ-Aktion „Waffen für El Salvador“, und natürlich haben wir Kaffee aus Nicaragua getrunken. Nach Übernachtung in einem Hostel direkt nach …

Durchgerauscht- Honduras

Vor diesem Land hatten wir ziemlich Respekt. Marodierende Jugendbanden, mit die höchste Mordrate weltweit, der große Migrantentreck kommt nicht umsonst aus Honduras. Wir, bzw. ich bekam jedoch vorher noch ein kleines Abschiedsgeschenk von El Salvador. Während ich die Landesgrenze überschritt, überschritt ein kleiner Draht die Grenze zwischen Außen- und Innenraum meines Hinterreifens. Wir flickten im Niemandsland, ca. 50m vor der Passkontrolle. Es ist wohl schon Honduras gewesen, wie die Menschen, die dort dicht gesäumt in kleinen Hütten, Werkstätten und Läden lebten, uns sagten. Vor einem konnten wir im Schatten den Reifen flicken, bevor wir offiziell ins Land fuhren. Uns fielen sofort die Fahrradrikschas auf, die wir in der Masse lange nicht mehr gesehen hatten. Es sind hier viel mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs als in den umliegenden Ländern. Die Straße – Transitstrecke- war meist top. Wir sahen überraschend viele große Photovoltaikanlagen, leider auch wirklich ärmliche Siedlungen, wo die Menschen neben der Müllhalde vom Sammeln der Plastikflaschen und Metall leben. Unser Reiseführer beschreibt die Mentalität der Honduraner als gelassen und zurückhaltend. Das haben wir so …

Zelten in El Salvador? Si,claro!

Zuerst dachten wir, ein Bericht für die letzte Woche reicht, aber bei Durchsicht der Fotos wurde uns klar, dass wir doch lieber drei machen. Wir hatten 6 Übernachtungen in El Salvador, davon drei im Zelt. Vom ersten Mal haben wir schon berichtet, im Garten eines Hostels an der Pazifikküste. Was wir bisher noch nie ausprobiert hatten, aber fast weltweit gut funktionieren soll: bei der örtlichen Feuerwehr! Nun wissen wir es. Es waren ganz herzliche Jungs, die uns sofort auf ihr Grundstück gewunken haben. Wir durften unser Zelt aufstellen, ihre Dusche und Toilette benutzen, gefiltertes Wasser abzapfen. Sie sind erfahren im Umgang mit Reiseradlern und der sportliche Aspekt des Radelns wird von ihnen sehr honoriert. Direkt neben der Feuerwache war eine Sportanlage mit kleinem Fußball- und Basketballfeld, Spielplatz etc. Abends zwischen 5 und 9 Uhr war die Anlage voller Menschen, von Kleinkind bis Großeltern mitsamt Picknickkörben und –Töpfen. Es wurden kurze Spiele gepfiffen, Kinder rannten und tobten durcheinander, laute Musik dröhnte und wir fürchteten schon Schlimmes für die Nacht. Punkt 9 Uhr sammelten die Frauen die …

Es geht wieder Richtung Pazifik

Das Straßenpflaster in Antigua ist so antik und grottig zu fahren, dass wir die 1,5 km bis zur asphaltierten Hauptstraße unsere bepackten Räder schieben. So können wir auch besser Abschied nehmen und nochmal in die Türen schauen. Die Straße führt zwischen zwei Vulkanen durch. Eigentlich sind es drei, auf einer Seite stehen zwei dicht nebeneinander. Der Fuego pafft immer noch und bei der Abfahrt sehen wir die Spuren des Ausbruchs im letzten Jahr. Etliche Brücken wurden völlig zerstört und die Baustellen produzieren lange Schlangen. Während in den oberen Lagen Kaffeeplantagen vorherrschen, sehen wir etwas tiefer wieder Zuckerrohr. Es geht zügig runter und wir genießen die Abfahrt. Schon nachmittags um drei sind wir am Tagesziel- einem Flussschwimmbad, wo wir zelten können. Wir bezahlen den Eintritt für Badegäste und dürfen uns einen Platz aussuchen. Ab 17.00 Uhr sind wir mit den drei Hunden, einer Hühnerschar und zwei Pfauenpärchen alleine. Wir genießen es, mal wieder selbst zu kochen und in den Sternenhimmel zu gucken. Die Straße ist zwar nur ca. 50m entfernt aber der Verkehr nimmt nachts deutlich …

Antigua

Da führte nun doch kein Weg dran vorbei. Wir gönnen uns zwei Tage Pause und Sightseeing. D.h. wir machen keine Ausflüge und besteigen auch keinen Vulkan, aber bummeln durch die Straßen. Und sind erstaunt über die Anzahl an Unterkünften von Hostel bis Edelhotel. Oft ist es nur eine einfache Tür in einer unscheinbaren alten Wand – und wenn man hineinblickt – ein Traum von Pflanzen, Blüten und gediegenen Möbelstücken, die eine elegante Atmosphäre verströmen, dito Restaurants. Und nebenan finden sich einfache Hostels so wie unseres, wo wir einen einfachen Raum mit eigener Dusche und WC für 130 Qzl (ca. 11 €) haben. Antigua sei international, haben wir gelesen. Zumindest was die Restaurantszene angeht, können wir das bestätigen. Es überfordert uns etwas, diese Auswahl. Die Straßen und Gebäude im Kolonialstil sind teilweise herausgeputzt, manche Straßenzüge mediterran mit Blumenkästen an den Fenstern bestückt. Jede Menge alte Ruinen von Kirchen oder Klöstern sind übers Stadtgebiet verteilt. Antigua war von 1543 bis 1773 die Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika (wikipedia). Dann wurde es durch ein Erdbeben völlig zerstört …

Chicken-Bus

Auf der Strecke Guatemala-Antigua kommt es verschiedenen Berichten zufolge immer wieder zu Überfällen. Dem Radler Jan, den wir auf der Baja California getroffen haben, ist hier bei langsamem Tempo bei starker Steigung mit vorgehaltener Pistole das Handy abgenommen worden. Haben wir keine Lust drauf und uns deswegen für eine kurze Busetappe entschieden. War ein kleines Abenteuer! Wir dachten, wir könnten mit einem großen Reisebus fahren und die Räder unten den Gepäckraum verladen. Leider fahren aber nur Minivans und Chickenbusse nach Antigua. Diese allerdings alle paar Minuten. Also praktisch im Vorbeifahren einsteigen. Der Busbegleiter, wohl keine 18, wollte unsere Räder mit einer Hand voll bepackt aufs Dach heben. 55 kg! Also alle Packtaschen, Wasserflaschen und Werkzeugtaschen ab und hinten in Windeseile durch die Hecktür rein in die Kiste, Räder auf dem Dach festgeschnürt und dann raste der Wagen los, laut, qualmend und klapperig. So leer wie auf dem einen Foto blieb‘s nicht, man stoppte häufig und es stiegen Fahrgäste ein und aus, auch etliche Händler mit Kaugummi, Zigaretten, Schokolade. Bei der wilden Fahrt litten wir für …

Quer durch Guatemala

Was ist denn nun das „echte“ Guatemala? Sind es die Mayadörfer, in denen die Menschen so leben wie früher? Was ist früher? Oder sind es die Mayaruinen, die Naturreservate und Dschungel, zu denen man Treckingtouren buchen kann? Alte Kolonialstädte wie Antigua, wo alle Welt zum Spanischlernen hinkommt? Oder sind es die Dörfer und Städte am Straßenrand der Hauptstraße, die mit und von dem unglaublichen Truckverkehr von und zur Hauptstadt leben? Was ist denn das „wahre“ Deutschland? Oder will man einfach den fremden Gästen im Land stolz die schönen Seiten des Landes zeigen? Wir hatten beschlossen, der Hauptstraße zu folgen, gewarnt von Einheimischen sowie unseren Bekannten Kiki und Rudolfo, die die Strecke Guatemala City – Rio Dulce gerade gefahren waren; natürlich mit dem Taxi. – Und sie hatten recht. Es war insgesamt so ziemlich eine der ekligsten Strecken, die wir gefahren sind. Dabei spielte am Anfang das Wetter eine verstärkende Rolle. Im Nieselregen bei starkem Truckverkehr und glitschigem schmalen Seitenstreifen bergauf zu strampeln – dafür braucht´s gute Gründe. Der Wichtigste: es gibt keine Alternative. Versöhnlich wirkte …

Nach Rio Dulce

Ein weiterer Grund für die wiederholten Hochwässer des Lago Petén ist natürlich die Abholzung des Regenwaldes in den letzten Jahrzehnten zugunsten von Gummibaumplantagen, Ölpalmen, Maisfeldern und vor allem Weideland. Rinderhaltung ist weit verbreitet und so eine Wiese speichert natürlich viel weniger Wasser als der Wald.  Die weitere Strecke ist unten hügelig und von oben fortgesetzt nass. Jeden Tag regnet es, wir haben es langsam satt. Obwohl die Packtaschen dicht sind, hat alles darin doch eine gewisse Grundfeuchte. Das Bild mit der Pflanze auf der Telegrafenleitung täuscht; das war ein seltener Moment mit blauem Himmel! Rio Dulce ist das Oberzentrum der ganzen Region und laut, crowdy und schmutzig, wirklich keine Schönheit. Aber die angrenzenden Seen ziehen Studenten und Naturinteressierte an wegen der Mangroven des Rio Dulce und der Brüllaffen im angrenzenden Regenwald. Da der Hafen gut geschützt ist, liegen hier auch etliche Segelboote. Wir hatten abends in einer Kneipe direkt am See auf einem Steg das Vergnügen, die beiden erfahrenen Segler Kiki und Roberto kennenzulernen. Die wollen in den nächsten Tagen auf Robertos Boot zu …

Finca Ixobel

Von Flores ging´s nun nach Süden. Wie so oft gibt es nur eine Straße, die gottseidank gut war, der Verkehr eher ruhig und die Hügel machbar. Also todo bien. Fritz war mit seinem Rad ganz glücklich. Das Lager läuft rund. Als Etappenziel hatten wir uns die Finca Ixobel in 103 km vorgenommen. Eine Empfehlung von Mecki und Rolf, die Radler, die wir auf der Baja getroffen hatten und seitdem in Kontakt geblieben sind. Durch unterschiedliche Routen sind mal sie und mal wir „vorne“. Einen gemeinsamen Abend haben wir leider nicht mehr geschafft. Nun sind sie auf dem Weg nach Chancun zum Flughafen zurück in die Heimat. Die Beiden hatten so von der Finca geschwärmt, dass wir uns dieses kleine Paradies ansehen mussten. Und sind einen Tag dort geblieben. Ca. ein km von der Straße entfernt liegt das Anwesen, das die Besitzer, ein kalifornisches Paar seit den 70igern zuerst zu einem Bauernhof und dann mehr und mehr zu einem ökologisch orientierten kleinen Resort entwickelt haben. Neben einem Campingplatz gibt es Holzhäuser auf Stelzen, Cabinas und Schlafsäle. …

Tikal

Tikal ist sowohl Weltkulturerbe als auch Weltnaturerbe, sagt wikivoyage und gehört für viele Touristen zum Pflichtprogramm in Guatemala. Tikal war eine der bedeutendsten und größten Städte der klassischen Mayaepoche (3.-9.Jhdt). Neueren Forschungen zufolge sollen zur besten Zeit bis zu 50.000 Menschen in der Stadt und bis zu 1 Million in der Region von Tikal gelebt haben. Gegründet wurde sie schon 900 v.Ch. Allerdings dauerte es wohl 500 Jahre bevor feste Bauten entstanden. Bis ins 9. Jhdt. wurde noch weitergebaut (10.000 Bauten sollen es sein, die meisten unter dem dichten Dschungel nur als Hügelstruktur erahnbar), dann schwand erst die Macht und  anschließend die Menschen. Es dauerte 900 Jahre, bis die Stadt wiederentdeckt wurde. Ist das nicht irre? Anders als in Chichén Itzá in Yucatan liegt die Anlage 30 km weit im Dschungel und ist bei weitem nicht so stark mit Verkaufsständen bestückt. Kein Wunder, denn das Gelände ist so riesig, und die Wege so weitläufig, dass wohl nur am Eingang die kritische Kundenmasse erreicht wird. So erklären wir uns das Phänomen der Ruhe. Ursprünglich stand Tikal …