Monate: Oktober 2019

Der Unfall

So, jetzt kommt der Hammer: kurz vor unserem Zielort Cerro Azul nach 90 km Tagesetappe so gegen 15°° hat mich eines dieser Tuk-Tuks auf dem Seitenstreifen volle Kanne von hinten gerammt. Ich bin auf die Straße geknallt, das Tuk-Tuk umgestürzt und Karin (die hinter mir fuhr) durch eine Vollbremsung ebenfalls gestürzt. Der Tuk-Tuk-Fahrer hat behauptet, ein überholender PKW habe ihn “touchiert”, weswegen er mit 60 km/h (!) auf den Seitenstreifen geraten sei. Erst mal: wir haben’s beide glimpflich überstanden. Karin hat eine ziemliche Schmarre am linken Ellenbogen und ordentliche Prellungen der Rippen, linken Schulter , Knie und rechter Hand. Bei mir sind’s Schürfungen an Knie, linke Hüfte und Oberarm links. Außer den Schürfungen tut mir eigentlich nichts weh; überraschend haben die Hände nichts abbekommen. Der Helm hat eine ordentliche Schramme, ohne ihn hätte ich die jetzt wohl am Kopf! Und sonst? Hauptproblem ist der kapitale Achter im Hinterrad. Meine schönen neuen Packtaschen und der Zeltsack sind an einzelnen Stellen durchgescheuert und somit undicht. Wie ging es denn nun weiter? Nach so etwa 20 Minuten kam …

Das Klima in Lima ist prima

… bedeckt aber nicht zu kalt, zum Radeln eigentlich ganz angenehm. Ich hatte schon angekündigt, hier Fotos meines Vaters (geb. 1896) vorstellen zu wollen. Den hatte 1931 die Reiselust gepackt und er hat als Schiffsarzt auf einem Frachter angeheuert, siehe Foto oben. Die Route ging von Hamburg zur Südspitze Südamerikas und dann an der Küste entlang mit zehn Stopps und zurück durch den gerade 15 Jahre alten Panamakanal, also gerade unserer Richtung entgegen. Der letzte Halt vor dem Kanal war Lima bzw der Überssehafen Calleo südlich der Stadt. Heute ist Lima ein riesiger Moloch mit acht Millionen Einwohnern. Nach Ankunft am Busbahnhof Norte haben darauf verzichtet, nach einer historischen Altstadt zu suchen und waren froh, dass wir nach 30 km Innenstadt-Verkehrschaos den Küstenradweg gefunden haben, auf dem wir einen guten Teil der Stadt umfahren konnten. Den Überseehafen haben wir nicht sehen können, der ist versteckt auf einer Halbinsel hinter einem Berg. Nach der Stadt finden wir wieder überwiegend Wüste, wo man allerdings versucht, super-Wohnsiedlungen für Superreiche zu bauen oder zumindest Parzellen zu verkaufen. Das sieht …

Catacaos

… ist eine Kleinstadt in der Nähe von Piura, die bekannt ist für ihren Kunstgewerbe-Markt ( Im Reiseführer steht, es sei nicht auszuschließen, dass einige der Objekte auch tatsächlich in Peru gefertigt seien). Wir hatten hier einen Auftrag: Ein guter Freund hat hier familiäre Wurzeln, war aber nie selbst hier. Der Auftrag lautete, ein paar Fotos zu machen. Haben wir , und uns dabei ein wenig in dies Nest verschossen! Vielleicht war das ja Zufall: hier war in den zwei Tagen ziemlich viel los, Live-Musik, ein religiöser Umzug, Versammlung und Ehrung einer großen Gruppe von Menschen mit Behinderungen, Kinder beim Laternenumzug; es gibt einen schönen Lebensmittelmarkt, nette Sachen zu essen … In der Nähe gibt es sogar noch eine Ausgrabungsstätte. Das entsprechende Foto ist allerdings die Eintrittskarte, weil das ganze jetzt unter Wellblechdächern zwar geschützt aber viel weniger eindrucksvoll ist. Und meinem Eindruck nach ist dies die sauberste Stadt, die wir in Lateinamerika bisher gesehen haben. Schön, dass wir da waren! Am späten Nachmittag des nächsten Tages haben wir uns dann in  den Bus gesetzt …

Peru´s Nordküste

Wir haben uns vorgenommen, bis Piura mit dem Rad zu fahren, Catacoa zu besuchen und uns dann in den Nachtbus nach Lima zu setzen. Es widerstrebt uns zwar, eine so lange Strecke zu überbrücken, aber erstens haben wir so viele gute Ratschläge, NICHT die Küstenstrecke zu fahren, bekommen, dass wir sie, zusammen mit den Warnungen (bewaffnete Überfälle speziell auf Radfahrer) auf der App iOverlander, nicht ignorieren wollten. Und zweitens läuft uns die Zeit davon; deshalb ist es keine Alternative, die Andenroute zu nehmen. Aber wenigstens die ersten 350 km sind wir geradelt. Und die Landschaft gefällt uns gut: karg, trocken, Geröll- bis Sandwüste. Dort, wo Wasser zur Verfügung steht, gibt es Reis, Zuckerrohr, Zitrus.   Und hier gibt es Öl! Überall stehen die Pumpen, meistens elektrisch betrieben, deshalb die intensive Stromversorgung. Das Öl wird durch Rohre geleitet, die ebenfalls überall “rumliegen” und manchmal auch ein kleines Leck haben. Ein Wort zum Wetter: Seit Ecuador sehen wir die Sonne erst am späten Vormittag, vorher ist der Himmel diesig grau. Dann klart er auf, die Sonne beginnt …

In Ecuador wird es ernst.

Die Berge hatten wir ja etwas satt mit diesem ewigen Auf und Ab und haben uns mal zur Küste aufgemacht. Dort hatte ich in Puerto Lopez zwei wunderbare Tauchgänge, mit Chance auf Mantas, die sich aber leider doch nicht gezeigt haben. War aber trotzdem prima. Am Ende haben wir noch ein Fischernetz geborgen, das hier im Nationalpark gar nicht hätte sein dürfen. Auf der Rückfahrt waren dann doch Buckelwale und Delphine zu sehen, quasi als Entschädigung. Karin ist leider seit dem tödlichen Zwischenfall auf dem Tauchboot in La Paz auf der Baja California vor einem Jahr mit dem Tauchen völlig durch. Leider wurde das Gehäuse von Karins ActionKamera undicht; nun ist sie “abgesoffen” und hinüber. Die Küste war mit ihren Touri/Surfer-hot-spots wie Montanita recht hübsch und amüsant, aber für uns nichts zum Verweilen. Haben durch die Berge zu viel Zeit verloren. Nach Peru führt nur der Weg über Guayaquil, die zweitgrößte Stadt Ecuadors, die aktuell das Zentrum der Proteste ist. Wir hatten vor, die Stadt und den Fluss, an dem sie liegt, ruck-zuck über einen …

Uns geht’s gut!

Zur Beruhigung für alle: Wir sind derzeit an der Küste in Puerto Lopez und bevor die Demos anfingen aus Quito abgereist. Hier ist alles ruhig und die Leute sitzen heute fest, da keine Überlandbusse fahren. Dafür haben wir weniger Verkehr auf der Straße. Rückblick: Übernachtet kurz vor dem Äquator auf einem netten kleinen Campinglatz „Mitad del Mundo“. Die Familie ist sehr engagiert, möchte Geschichte und Kultur vermitteln und hat viele Projektideen. So erzählte uns der Sohn, mit welchen Geschichten seine Großelterngeneration die Kinder zu tugendhaftem Verhalten gebracht hat: Böse Geister, verborgene Schätze, schlechte fremde Männer; die übliche schwarze Pädagogik. Allerdings beziehen sich die Geschichten auf Steine und Felsformationen direkt vor Ort, also sichtbar. Vormittags am Äquator; leider wenige Tage zu spät für das Phänomen, dass die Sonne direkt über dem Äquator steht. Ist schon ein bisschen etwas Besonderes, diese rechnerische Mitte zu überqueren; auch für Lupi. Danach war die Straße für ca. 20 min. gesperrt, allerdings wegen der Ecuadorrundfahrt- ein Fahrradrennen mit Teilnehmern aus sieben südamerikanischen Ländern und nicht wegen Blockaden. Wir wollten nicht direkt …