Monate: März 2026

Zurück in Kalabrien

Zuerst ging es die Küste entlang. Die Vorstellung von Italien mit Sandstränden, Promenaden und Sonne ist ja doch tief verankert. Ab und an finden wir auch etwas davon. Dann wollen/müssen wir durchs wilde bergige Kalabrien. Und wieder fantastisch zum Wandern und Radfahren – derzeit mit schneebedeckten Gipfeln. Eine erste Zeltübernachtung seit langem auf einem Campingplatz kurz vor Acri, der auf dem Eurovelo 7 liegt und Fahrräder verleiht, tat der Seele gut und der Körper hat auf der Isomatte nicht gemuckt. Erste Probe bestanden! In Acri hatten wir zwei Erlebnisse: 1. Ein Passionsspiel, das mit Hingabe, viel Aufwand und Kostümen (die armen Römer mussten nacktbeinig stundenlang ausharren – bei eisigem Wind) vor einer Kirche gegeben wurde. Nach einer Stunde verzogen wir uns in eine Kneipe zum Aufwärmen und Essen; das Passionsspiel dauerte ca. 3 Std!! 2. Wir entgingen knapp einer Verhaftung! Unser Campingplatz liegt ca. 2 km außer- und oberhalb des Ortes. Unsere Gastgeberin zeigte uns als Abkürzung den privaten Fußweg (google auch) durchs Gelände. Dabei mussten wir am Ende ein hohes verschlossenes Tor umklettern. Beim …

Sizilien mit dem Auto

Es ist schon ein anderes Unterwegssein. Im Augenblick ok, weil es die einzige Möglichkeit ist, überhaupt noch etwas von der geplanten Tour umzusetzen. Ich bin froh, dass Fritz fährt und übernehme dafür die Navigation mit dem Handy. Das klappt ganz gut, wenn auch an manchen komplexeren Doppelkreiseln mit unklaren Auf- und Abfahrten ziemlich stressig. Mit dem Rad hält man dann einfach an und schaut nochmal. Mit dem Auto geht alles so schnell! Das überfordert mich manchmal. Naja, irgendwie kommen wir dann doch dorthin wo wir hinwollen, sogar auf die Fähre! Das Wetter spielt wie so häufig nicht richtig mit und so entscheiden wir uns für die Südroute. Erster Stopp in Catania. Unser Zimmer, in der engen Altstadt – natürlich ein einziges Einbahnstraßengewirr- ist winzig klein und vor allem, fast auf der Straße. D.h. ein ca. 40 cm breiter Gehweg, dann die Hauswand mit einer Holztür, die man öffnet; ca. 10 cm dahinter eine Stahltür, die mit dem Schlüssel aus der Box daneben (Code kommt per Whatsapp) geöffnet wird – und du stehst mitten im Zimmer, …

Per Auto in den Süden

Nachdem nun klar war, dass Karin mit dem Rippenbruch sicherlich erst mal nicht Radfahren kann und wir ja immer noch ziemlich husteten und leistungsgemindert waren, haben wir uns entschlossen, für zehn Tage einen Fiat Panda zu mieten und damit Sizilien zu bereisen. Danach sehen wir weiter. Die Westküste südlich von Sapri ist zunächst sehr bergig; die hätten wir keinesfalls geschafft. Danach wird es etwas flacher. Ein echtes Highlight ist Tropea. In Süditalien liebt man, Dörfer und Städte auf die höchsten Berggipfel zu bauen; so auch hier. Im Sommer ist die pittoreske Altstadt ganz sicher ein Touristenmagnet, aber noch ist hier Vorsaison. In der Kathedrale haben wir zufällig ein wunderbares Chorkonzert erlebt. Das Beitragsbild oben zeigt den immer vor sich hin rauchenden Stromboli, eine der liparischen Inseln vor der Küste. Schon seit Jahrzehnten und jetzt wieder aktuell geistert ja wohl die Vision durch Italien, vom Festland nach Messina eine 3 km lange Hängebrücke zu bauen. Noch gibt es da aber Fähren. Mit so einer fahren wir also rüber nach Sizilien.

Da fehlen mir die Worte!

Dieser Ort Sapri verehrt einen radikalen Guerillakämpfer und Schriftsteller, Carlo Pisacane (1818-1857), nach dem sich auch unser Hotel benannt hat. Der hat nach längerer Entwicklung zum Radikalrepublikaner versucht, in Süditalien einen Aufstand zu organisieren und dazu 300 Gefangene befreit. Es gelang ihm jedoch nicht diese und die Zivilbevölkerung zum Aufstand zu bewegen, im Gegenteil. Sie wurden von Soldaten und der Bevölkerung massakriert. Nun denn; einige vergleichen ihn mit Che Guevara. Diese Geschichte hat ein Dichter, Luigi Mercatini, aus Sicht einer Ährenleserin erzählt, die sich in den Helden verliebt haben soll und erleben musste, wie die Männer umkamen. Soweit so gut: Nun hat ein aktueller Künstler 2021 eine Bronzefigur geschaffen, und die steht nun an prominenter Stelle an der Strandpromenade. Es hat Protest gegeben wegen sexistischer Darstellung – die Stadtoberen und der Künstler finden es einfach schön, so einen Körper darzustellen. Mir fehlen echt die Worte dazu und ich kriege Schnappatmung! Ich empfinde es als extrem übergriffig, wenn ich die blankgeriebenen Pobacken der Frauenstatue sehe. Diese ganze Darstellung einer Frau, die zur ärmsten Bevökerungsschicht gehörte, als …

Auch das noch!

Gestern waren wir im hiesigen Krankenhaus. Karin hat sich bei einem Hustenstoß die 9. Rippe rechts gebrochen, natürlich sehr schmerzhaft. Sonst war im Röntgenbild nichts Auffälliges; weiß der Teufel, was wir uns da eingefangen haben. Jetzt ist sie von den Schmerzmitteln etwas müde; immerhin dämpfen die aber den Hustenreiz. Fahrradfahren ist natürlich erst mal gegessen. Wir haben darüber nachgedacht, jetzt die Segel zu streichen und einfach nachhause zu fliegen. Ist aber auch nicht so einfach; wir haben uns dagegen entschieden. Alternative war, mit den Rädern per Bahn weiterzufahren. Auch doof, Karin kann null tragen. Der Beschluss ist nun (dem Rat eines guten Freundes folgend), ab Samstag für 10 Tage ein Auto zu nehmen und Sizilien abzuklappern. Die Räder bleiben im Hotel. In 12 Tagen sehen wir dann weiter; hoffentlich sind wir dann über den Berg. Hier ein paar Eindrücke aus Sapri:

Amalfiküste und Cilento

Diese Steilküste mit winzigen Buchten, in denen die kleinen Städtchen mehr über-als nebeneinander zusammengestaucht liegen, wird von einer Küstenstraße begleitet. Wir hatten gehörig Respekt vor ihr, eng, kurvenreich, auf und ab, viel Verkehr. Aber es war insgesamt viel angenehmer zu fahren als gedacht. Außer am Sonntag, als die Motorradfahrer in üblicher Weise nervten, war der Verkehr überschaubar. Für Wohnmobile ist die Straße gesperrt; Das ist sicher sehr hilfreich. Die karstige Landschaft erinnert ein bisschen an Kroatien oder die Pyränaen, allerdings kleinflächiger, besiedelter und vor allem überall die Zitronenterrassen. Zum Teil sind sie mit dunklen Netzen abgedeckt, sodass die leuchtenden Zitronen an den Bäumen farblich selten hervorstechen. Eine wirklich beeindruckende Landschaft. Wir hätten sie bei besserer Gesundheitslage sicher noch viel mehr würdigen können. Unsere Tagesetappen sind Minietappen. Wir schleichen langsam, brauchen viele Stehpausen, es ist ein Jammer. Die Hustenattacken sind mal bei Fritz, mal bei mir schlimmer. Nachts sind wir eine Zumutung für alle Nachbarn, für uns selbst allerdings auch. So etwas haben wir noch nie erlebt. Wenn wir nachts husten, bellen die Hunde im Dorf. …

Neapel

Wie immer ist es mühsam und langwierig aus einer Metropole rauszukommen. Es zieht sich. Und unsere Hoffnung auf einen Campingplatz an der Küste wurde enttäuscht; alle noch in Winterruhe. Stattdessen wie überall Hotels. Wir nahmen ein preislich noch Vertretbares und genehmigten uns abends ein Bier mit Panini statt teurer Eleganz. Das fühlte sich ganz passend an. Der Lago di Fogliano beginnt dort und verläuft parallel zur Küste. Ein bisschen wie die kurische Nehrung, nur viel kleiner. Rechts und links der schnurgeraden Straße, an diesem Tag für Autos gesperrt wegen (?) eines Radrennens, sind mal gerade 50 m Abstand bis zu Meer bzw. Lagune. Es war Sonntag und außer den Radrennpulks, die auch von der Polizei begleitet wurden, waren etliche privat Radelnde unterwegs. Wir pedalierten langsam vor uns hin, irgendwie war alles anstrengend, ein erstes Anzeichen der kommenden Erkältung. Fritz ging sogar einmal vor Erschöpfung in die Knie, als wir beim Hotel (immer noch kein Campingplatz offen!) ankamen. Für uns überraschend: die vielen Müllsäcke am Straßenrand, Haushaltsmülltüten und unendlich viele Glasscherben auf Radwegen – ein Hoch …

Alle Wege führen nach Rom

Kein Wunder, dass so viele Menschen da sind. Und das unter der Woche in der absoluten Nichtsaison! Wir waren ehrlich gesagt etwas überfordert und gestresst. Am zweiten Tag wurde es etwas besser; eine Hop-on-Hop-off Bustour sollte uns erstmal einen Überblick verschaffen, was wir überhaupt sehen wollten, obwohl man gut in Rom mit dem Rad fahren kann. Dabei liefen wir natürlich dennoch ca. 20 km am Tag und waren abends jedes Mal völlig hinüber. Den langen Weg aus der Stadt zu unserem Hostel haben wir immer unterschätzt. Beeindruckend war es natürlich trotzdem. Die vielen Plätze mit den Brunnen zum Beispiel. Als wir das erste Mal auf dem Petersdomplatz waren und ich die Menschenschlangen sah, war ich schon mal bedient und verspürte spontane Fluchtimpulse. Die Komplexität der Online-Ticketbuchung überforderte mich dann auch (Fritz ebenso) und so wollte die rechte Entspannung nicht aufkommen. Der deutsche Friedhof war für uns ein erster Schritt um in eine positive Besichtigungstour-Stimmung zu kommen. Beim Trevibrunnen fand ich interessant, dass das Kunstwerk vor allem in der Kombination mit der eigenen Person richtig zur …

Die Anreise nach Rom …

… war eigentlich ziemlich unkompliziert: Von Wolfsburg nach Hannover im ICE (unsere waren die einzigen Räder im Abteil), von Hannover wieder im ICE nach München. Das hatten wir wochenlang vorher gebucht und obwohl das ja nun wirklich keine Fahrrad-Hochsaison ist, waren immer wieder andere Räder dabei – nie jedoch alle Plätze besetzt. In München hatten wir sicherheitshalber fünf Stunden Sicherheit eingebaut, die wir mit Stadtbummel im Nieselregen und im Augustiner-Brauhaus im Trockenen verbrachten. Um 20°° ging‘s in den Schlafwagen der ÖBB. Das Fahrradabteil war vier Waggons vom Schlafabteil entfernt. Das Schlafabteil ist schon recht eng aber nicht ungemütlich, besonders wenn man eine Flasche Wein und ein paar Snacks dabei hat. Man kann sogar duschen! Ich habe oben ziemlich gut geschlafen, Karin aber nicht, weil sie nicht geschnallt hat, wie das Verdunklungs-Rollo runtergeht. Hätte sie doch nur gefragt! Morgens ein kleines Frühstück, Ankunft am Bahnhof Tiburtina. Den zu verlassen, hat eine halbe Stunde gekostet. Das „Bed&Bike“-Hostel war eigentlich ganz nett, nicht zu weit draußen, hatte aber den Nachteil, dass man die Räder erst mal eine Treppe …