Autor: Fritz

GPS-Anlage zerstört

Ich hatte eine GPS-Einrichtung am Rad. Sie bestand aus einem Garmin Oregon 450, das über ein Dynamo-Ladegerät mit Pufferakku (“Biologics”) extern versorgt wurde. Dem eigentlichen Ladegerät ist noch ein sogenannter Konverter vorgeschaltet, der einen Gleichrichter und eine Spannungsbegrenzung enthält und am Dynamo parallel zur Lampe angeschlossen ist. Diese Kombination funktionierte seit 3 Jahren einwandfrei. Vor ein paar Tagen hat der Konverter aber keine Spannung mehr abgegeben. Der Verdacht besteht, dass er bei einer schönen Abfahrt mit 69,8 km/h wohl doch etwas zu viel bekommen hat. In Sivas hat ein Elektronik-Fachmann Transistor, Diode und einen Kondensator ausgetauscht und das Ding ging wieder. Aber nur einige Dutzend km, dann war plötzlich das eigentliche Ladegerät hinüber und kaum eine Minute später auch das Navi. Aus. Null Reaktion. Nicht reparabel. Nun behauptet ja niemand, dass man ohne GPS-Navigation nicht um die Welt radeln könne. Ist aber doch recht angenehm: an Pässen kann man seinen Krafteinsatz besser planen, wenn man das Höhenprofil kennt; auf der Strecke kann man besser abschätzen, wo man wohl Proviant und Wasser bekommt, und in großen …

Hoşgeldinitz!

Das ist wohl dasjenige türkische Wort, das wir am besten gelernt haben: „Willkommen!“ Vorgestern saßen wir in einem Ort auf einer Bank und stärkten uns mit einer Apfelsine, einigen Haferkeksen und Datteln, die wir übrigens lieb gewonnen haben. Da näherten sich aus der gegenüberliegenden Autowerkstatt zwei Männer und luden uns in recht gutem Deutsch zum Çai ein. Aus einem Glas wurden drei, aus der kurzen wurde eine lange Pause, denn nach einer halben Stunde wurde hinter dem Haus das gegrillte Hähnchen-Kebab fertig. Zwischenzeitlich erfuhren wir, dass die fünf Mitarbeiter vom Auto-Import aus Deutschland leben. Vor der Werkstatt standen sechs Renault und ein Skoda. Ein zehn Jahre alter Wagen, in Deutschland für 500 € ließe sich hier nach Transfer, Zoll und etwas „Aufhübschen“ für 5000 € verkaufen. VW‘s wären übrigens uninteressant, wie einfach viel zu teuer. Kaum wieder losgefahren, hielt ein Auto neben uns, vier Herren im Anzug und ein vielleicht 12-jähriges Mädchen stiegen aus und baten ein Foto mit uns und sich machen zu dürfen. Irgendwie war das eine merkwürdige Gesellschaft! Wer weiß, wofür sie …

Der Puddingshop

Istanbul, was haste dich verändert! Ich war vor 35 und 40 Jahren drei Mal hier. Damals endete die dichte Bebauung eigentlich an der Stadtmauer, die die europäische Halbinsel etwa sieben km vom Zentrum entfernt umgibt. Jetzt sind wir 40 km durch dicht bebautes Gebiet auf einer beidseits 6-spurigen Schnellstraße gefahren. An der Hagia Sofia und der Sultan-Achmed-Moschee stehen die Reisebusse dicht an dicht. Die Schlangen vor den touristischen Highlights sind schier endlos. Aber: den „Pudding-Shop“ gibt es noch! Das Restaurant Pudding-Shop war zur Zeit des Hippie-Trails die Anlaufstelle und Kontaktbörse für alle Asienreisenden, die in ihren VW-Bullis oder trampend unterwegs waren. Sozusagen eine Institution. Heute reist man anders, es gibt keine Hippies mehr und seit den Veränderungen im Iran, Afghanistan und Pakistan auch keinen Trail mehr. Der Pudding-Shop lebt auch von seiner vergangenen Größe, weil Menschen wie ich nostalgisch mit großen Augen an damals, die gute alte Zeit denken, vor allem aber vom Tourismus aufgrund seiner perfekten Lage direkt gegenüber den großen Moscheen. Hier ein kleiner Eindruck:

Fahrradfabrik

Der Großraum Istanbul ist im Umkreis von 50 km dicht industrialisiert. Da haben wir auch zufällig eine Fahrradfabrik entdeckt. Erst war man etwas reserviert, uns da mal reinsehen zu lassen, aber dann haben sie uns doch sehr stolz herumgeführt. Es werden Alu-Räder und Kinderwagen aus China importiert und hier montiert, aber auch eigene Kinder- und Jugendräder aus Stahl von 14 bis 26 Zoll produziert. Beeindruckend waren die Produktionsbedingungen: Der Lackierer z.B. hatte keinen Atemschutz aber dafür eine Zigarette im Mund, der Schweißer keinen Sichtschutz. Alle waren sehr stolz auf ihre Fabrik und haben auch, auf den ersten Blick, saubere Arbeit abgeliefert.  

Beeindruckende Fresken

In Veliko Tarnovo gibt es eine riesige Festung aus dem Mittelalter, die bis 1402 bewohnt war. Dort hat der Patriarch der bulgarischen Kirche residiert mit der Kirche auf dem höchsten Gipfel und, etwas niedriger, der bulgarische König. Von allem steht natürlich wenig mehr als die Grundmauern. Die Kirche hat man aber inzwischen rekonstruiert. Die Innengestaltung ist mit modernen Fresken in sehr ungewöhnlicher und, wie wir finden, mutiger Weise gestaltet worden. Uns hat diese Kirche ungeheuer beeindruckt.  

Liebe Oldtimer-Freunde,

Ihr werdet es Euch wohl schon gedacht haben: schöne alte Autos gibt es in den Balkanstaaten wenig. Man hat andere Probleme. Alte Autos sind meist Lada, Yugo, Wartburg, auch mal ein Trabi, überwiegend in eher schlechtem Zustand. Gelegentlich eine alte Staatskarosse auf einem Schrottplatz. Und dann steht da urplötzlich so ein Schmuckstück, vielleicht aus einem russischen LKW entstanden, mit bollerndem gasgetriebenen Motor. Der hätte auch auf jeder amerikanische Autoshow Erfolg gehabt!

Ostern in Bulgarien

Zunächst mal: Wir hatten bisher den Eindruck, dass Kirche im Bulgarien kaum stattfindet. Man sieht in den Dörfern nur ausnahmsweise Kirchen und wir hatten das Gefühl, dass religiöses Leben eine viel geringere Rolle als in den übrigen Balkanländern spielt. Das Projekt für heute war: Ostergottesdienst in einer orthodoxen Kirche. Deswegen hatten wir in Tarnovo in einem Hotel Quartier genommen, um früh unterwegs sein zu können. Leider konnte im Hotel niemand so recht sagen, wo in der (großen) Stadt überhaupt eine Kirche, geschweige denn ein Ostergottesdienst sei. Wir sind dann auf sehr ungenaue Beschreibung hin morgens losgewandert. Dieses Projekt ist gescheitert. Karin meinte irgendwann Geläut zu hören. Wir sind dann, nach Türmen Ausschau haltend, in der Altstadt zufällig in der uralten Nikolaikirche gelandet, wo eine ältere Kirchendienerin uns hereinbat und zwei Kerzen und ein geweihtes Osterei verkaufte, der Geistliche irgendwelche Dinge verrichtete und wir ansonsten allein waren. Wir haben uns ein wenig umgesehen und uns dann auf zwei der wenigen Stühle gesetzt zur inneren Einkehr oder Meditation. Im Laufe der Zeit kamen aber doch viele Menschen …

Anmerkungen zu Kroatien und Serbien

Rückblickend können wir sagen, dass die beschriebenen Kriegsfolgen im Raum Vukovar die einzigen geblieben sind. Zwei Dinge sind uns schon in Kroatien aufgefallen und wir finden beide in Serbien gesteigert: einerseits die Vermüllung der Landschaften, die zum Teil bedrückende und deprimierende Ausmaße hat mit wilden Müllkippen und in den Bäumen hängenden Plastiktüten, andererseits die ungeheure Freundlichkeit der Menschen uns gegenüber! In keinem Land (außer vielleicht USA) sind wir so oft gegrüßt worden wie in Serbien. Alte zahnlose Männer, die uns vor ihrem Haus sitzend „bravo!“ nachrufen, Leute, die hupen und aus ihrem Auto winken, und als Krönung ein serbischer Hell’s Angel auf seiner Harley, der hupte und uns das Victory-Zeichen gab! Heute rief uns ein Mann mit Schubkarre, der gerade die Straße überquerte als wir vorbeiradelten, zu: „Da habt Ihr Euch ja das richtige Wetter ausgesucht! “- auf deutsch!! Noch eine Bemerkung: Uns ist aufgefallen, dass wir wenige übergewichtige Menschen in Serbien gesehen haben.  

Wiener Zentralfriedhof

In Wien gibt es reichlich Zerstreuung, aber wir haben uns gestern den ganzen Tag auf dem Zentralfriedhof herumgetrieben. Der heißt nicht so, weil er zentral gelegen ist, sondern weil er vor 140 Jahren als eine Art Hauptfriedhof geplant war. Zunächst hatte er überhaupt keine Chance gegen die vielen kleinen Friedhöfe der Stadt, bis man dort einige Berühmte dort bestattete (Beethoven, Brahms und andere) oder auch verlegte (Mozart z.B., mehr als 50 Jahre nach seinem Tode!). Plötzlich war es schwer angesagt, neben Musikern, Staatsmännern und Künstlern zu liegen. Eine „scheene Leich“ ist übrigens keine schöne Leiche sondern ein schönes Begräbnis! Karin und ich haben von diesem Friedhof das erste Mal gehört um 1980 durch das Lied von Wolfgang Ambos, der den 100sten Geburtstag 1975 so wunderbar besungen hat: https://www.youtube.com/watch?v=AoFnQ6hlG1w&list=PLLli32Yn17CWlUTNFyRgmfY1-ZO94Z_c1 Das Areal ist weitläufig und noch lange nicht ausgenutzt, hat zum guten Teil Park-Charakter. Es wird für alle was geboten: der Alte und der Neue jüdische Friedhof, der Bereich für Moslems (nach Osten ausgerichtet!), Kopten, Orthodoxe jeder Art, Buddhisten, Leichen aus den Präparierkursen der Anatomie und ein …

Das mittelgebirgige Hügelland ist der Feind des Reiseradlers. Behaupte ich jetzt mal so.

Die 97 km von Prag nach Tabor sind so eine Strecke. Die Steigungen sind meist relativ kurz aber heftig. Machen wir mal ein Rechenbeispiel: Wir finden zunächst Strecken vom Tal zum nächsten Buckel von etwa zwei Kilometern mit Steigungen zwischen 4 und 9 %, gern auch mal etwas drüber. Die fahren wir mit unserem ganzen Gerödel in den kleinsten Gängen mit einem Tempo um 7 km/h. Da brauchen wir dann für die zwei Kilometer 17 Minuten. Für die Abfahrt ins nächste Tal, ebenfalls zwei Kilometer, reichen drei Minuten, wenn Strassen- und Windverhältnisse es zulassen (gestern hatten wir allerdings einen geradezu stürmischen Südost, also schräg gegenan). Dabei sind die Strecken bergauf und bergab immer gleich. Aber 90 % der Zeit fährt man bergauf und nur 10 % bergab. Mal sind die Buckel höher und die Täler tiefer, aber das Verhältnis bleibt immer gleich. Auf diese Weise kam dann eine reine Fahrzeit (also ohne Pausen) von 7:43 zustand mit einem Stundenschnitt von 12,56 km/h (maximal aber 47 km/h!) und immerhin 1500 Höhenmetern. Die würden auch einem Tag …

Überraschendes Geständnis

Gestern teilte Karin mir mit, dass sie eigentlich ein Weichei sei und überdies faul. Sie würde beispielsweise nie einen Alpenpass hochradeln, wenn es nicht zwingend sein müsste, z.B. weil sie da eben unbedingt hoch wolle. Mir sind diese durchaus negativen Eigenschaften in den letzten 30 Jahren noch nicht aufgefallen. Aber ich werde mal drauf achten.