Autor: Karin

Ich glaube, ich habe etwas von Mexiko verstanden.

Wir hatten ja schon kurz berichtet, dass uns seit unserer Abfahrt aus Pueblo immer wieder und immer häufiger Radfahrergruppen begegneten, teils mit enormen Paketen auf dem Rücken. Diese bestehen aus in Folie eingewickelten Bilderrahmen, kleinen und großen Figuren der Virgen de Guadalupe. Die Jungs schleppen bis zu 40 kg, manche Statuen sind fast lebensgroß. Bei den ersten zwei dachten wir noch, sie wollten sie irgendwo verkaufen. Schnell wurde uns klar, dass es Pilger sind. Wir fuhren in die gleiche Richtung und meistens überholten wir sie. In der letzten Woche kamen immer mehr Läuferstaffelgruppen dazu. Die Einzeletappen der Läufer und Läuferinnen waren relativ kurz, manche liefen mit Flipflops, manche sogar barfuß. Meistens trugen sie Fackeln. Was uns irritierte, die Radler kamen uns in letzter Zeit auch entgegen. Unsere erste Hypothese, die Leute radeln von Ciudad Mexico in ihre Heimatstadt, war damit hinfällig. Also vielleicht Partnerstädte, Schwestergemeinden etc., denen man damit Geburtstagsgrüße sendet. Oder sie fahren einfach Rundkurse durch z.B. Yucatan. Es stellte sich eine besondere Stimmung auf der Straße ein. Ihr kennt das vom 1.Mai oder …

Villahermosa bis Campeche

In Villahermosa ging das ja gut los: als wir morgens aufs Rad steigen wollten, hatte ich den ersten Platten der Reise: Da war hinten einer dieser fiesen kleinen Drähte von den Truck-Reifen drin. Da hat selbst Schwalbe-Marathon keine Chance! Die Strecke nach Frontera an die Küste ist flach, feucht, offen. Lange fährt man an einem Biosphärenreservat entlang. Bei Frontera erreicht man die Küste. Die Straße führt nun bis Campeche an der Küste entlang. Links der Strand, mal vermüllt durch angeschwemmtes Plastik, mal blütensauber, mal privat-abgezäunt, mal frei zugänglich und zum Bad einladend. Rechts Lagunen mit Mangroven, die geradezu nach Krokodil riechen. Viele Seevögel schwimmend, fliegend oder plattgefahren auf der Straße. Eine kilometerlange Brücke, die bei Seitenwind etwas unangenehm war, führt nach Ciudad del Carmen, eine eigentlich unspektakuläre Stadt. Attraktiv in den Küstenstädten ist natürlich das Essen: Seafood. Interessant ist Campeche, mit einer weitgehend erhaltenen Stadtmauer, die gegen Piratenüberfälle gebaut worden war. Aber als sie vor 150 Jahren fertig war, hatte sich das Piraten-Problem erledigt. Auch die koloniale Altstadt innerhalb der Mauern ist bestens erhalten bzw. …

Flach und windig

Cordoba wurde in unserem Reiseführer für seinen Zocalo gerühmt. Und wir können das bestätigen. Ein schön gestalteter Platz mit vielen Parkbänken, die abends alle belegt sind. Man lustwandelt mit Familie oder dem/r Liebsten, hört den Straßenmusikern zu, die auf dem Platz oder vor den Restaurants rings um den Platz unter den Säulenarkaden spielen. Und natürlich werden Snacks, Süßigkeiten und Spielzeug verkauft. Während wir morgens unser kleines desayuno americano incluyo frühstücken, findet draußen ein 5-KM-Lauf statt. Das Motto: Keine Gewalt gegen Kinder. Wir fahren nach polizeilicher Empfehlung die autopista. Den ganzen Tag Zuckerrohr- oder Zitrusplantagen. Abends an einem Straßenrestaurant auf dem Hof gezeltet. Auf der App iOverlander ist das Restaurant als mögliche Zeltübernachtung beschrieben und die Leute reagierten auch völlig bereitwillig auf unsere Frage. Was uns berührt hat, waren die Hunde auf dem Gelände. Mehrere halb verhungerte Rüden waren weit voneinander entfernt angekettet und zumindest während unserer Anwesenheit wurden sie nicht versorgt. Sie wirkten wie gebrochene Seelen. Wir gaben ihnen, ganz gegen unsere Art, ein paar unserer letzten Kekse, was sie völlig aus dem Häuschen brachte. …

Über die Berge nach Cordoba

Die erste Etappe war heftig und lang. Beim Rausfahren aus Puebla (außerhalb des centro historico übrigens ziemlich autogerecht wie uns scheint) wurde Fritz von einem Polizisten am Straßenrand spontan mit Hand an die Mütze gegrüßt, fast könnte man sagen: er hat salutiert. Positive spontane Reaktionen, neugieriges Fragen Woher und Wohin erleben wir hier täglich. Die Landschaft ist einfach schön, auch wenn es anstrengend ist sie zu erstrampeln. Wir fahren teilweise auf der autopista cuota; das ist üblicherweise erlaubt und an den Zahlstellen werden wir freundlich durchgewunken. Endlich die ersten echten Cowboys gesehen! Abends in einem kleinen Truckstophotel für 200 Pesos untergekommen. Der große Wachhund war auf das Flachdach gesperrt und passte ziemlich gut auf, wer die Treppe in die Zimmer hoch- und runterging. Beim Erstenmal dachte ich, er springt mir gleich auf den Kopf. In den Dörfern laufen uns häufiger kleinere aber auch größere Hunde bellend hinterher. Bisher ist unsere Strategie, langsam weiterfahren und beruhigend zureden, immer aufgegangen. Irgendwann drehen sie ab. Vor der Asienreise hätte ich bei solchen Situationen Panikattacken bekommen. Orizaba hat uns …

Es wird heiß und feucht in Richtung Golf von Mexiko

Puh! Heute ist der 4.12. und wir sind gestern in Villahermosa in Tabasco angekommen. 11 Tage ohne Pause geradelt! Jetzt gönnen wir uns zwei Tage in einem Hotel zum Erholen und Berichte schreiben, mails etc… Es soll heute und morgen gewittern und regnen. Da können wir ein schönes Zimmer mit Frühstücksbuffet!!! auch so richtig ausnutzen! Hat uns etwas Überwindung gekostet, denn der Preis ist mit ca. 45 €/Nacht SEHR stolz. Aber was soll´s. Das Hotel vorgestern für ca. 14 € war zwar auch völlig ok, mit sauberen Handtüchern und Bettbezug, Toilettenpapier und AC; klaro WiFi. Die kleinen Nachteile: Der Duschkopf spritzte eher an die Decke, wie häufig fehlte eine Toilettenbrille, die Klimaanlage war eher eine Geräusch- statt einer Kühlanlage. Apropos Geräuschkulisse: Da wir bevorzugt zentral nächtigen wollen, um abends ein wenig über den Zocalo (zentraler Platz mit Bänken, Ständen und vielen Menschen) zu schlendern, ist es auch meist ziemlich laut. Dafür gibt es ja Ohrstöpsel. Übrigens glaubt ihr nicht, wie schnell sich eine dicke Kakerlake auf einem Schuh in Luft auflösen kann, wenn sie sich …

Ciudad Mexico

Hatten wir schon geschrieben, dass die Busfahrt die bisher längste unseres Lebens war? 14 Std. ohne eine Pause! Die Sitze waren zwar bequem fast zu Liegesitzen zurückzustellen, leider irgendwie nicht für meine Körpergröße gemacht. Oder ich war zu blöd dazu, mich richtig zu positionieren. Auf jeden Fall rutschte ich dauernd nach unten. Na ja, es gibt Schlimmeres. Wir fuhren  über Nacht, so dass wir nicht all zuviel von der Landschaft sehen konnten. Außerdem regnete es tatsächlich und es war richtig kalt. Zuerst wegen der Klimaanlage, dann wegen der Außentemperatur. Als wir im Busbahnhof ankamen, übernächtigt und frierend, schlüpften wir als Erstes in die Regenklamotten. Die 8 km Fahrt zum Hostel ließ wie immer bei der ersten Fahrt durch eine Megacity unseren Adrenalinspiegel steigen. Aber wir kamen gut klar und fanden unser Hostel in der Altstadt dank Fritzens GPS-Orientierung problemlos. Wir blieben drei Tage, latschten vorrangig durch die historische Altstadt, besichtigten ausführlich die alte Tempelruine templo mayor  und das dazugehörige Museum sowie die Kathedrale. Außerdem leisteten wir uns einen richtigen Tagesausflug mit dem Touribus zu den …

Mazatlan Nachschlag

Wir sind inzwischen in Puebla angekommen. Aber wir wollen der Reihe nach berichten. Deshalb noch ein paar Fotos aus Mazatlan. Welche Bedeutung Essen für uns hat, ist Euch bestimmt schon aufgefallen. Deshalb haben wir eine kleine Fotoserie speziell von einer Spezialität in den Strandrestaurants von Mazatlan gemacht. Über Holzkohle gegrillter Fisch. Der wird nur am Stück gegrillt. Deshalb hat uns ein Kellner in einem Restaurant tatsächlich keinen verkauft, da er meinte, die Fische seien alle zu groß für zwei Personen. Etwas angesäuert sind wir abgezogen. Gottseidank gab´s aber ein paar Meter weiter einen Stand, der die passende Größe hatte. Zuerst erschien er uns selbst zu groß, aber wir haben ihn dennoch genommen und ihn tatsächlich auch weggespachtelt. Hier die Fotos dazu: Abends war auf dem historischen zentralen Platz wie überall einiges los. Wir wurden dreimal von jungen Frauen angesprochen, die um ein Interview auf Englisch baten. Sie waren Studentinnen und sie mussten als Praxisübung etliche 15-minütige schriftlich und fotografisch belegte Interviews führen. Anscheinend wirkten wir erstens englischsprachig und zweitens wohl auch vertrauenswürdig. Bei der dritten …

Wir sind auf dem Festland

Das Beitragsfoto ist für unseren Leuchtturmfreund Michael. Am letzten Tag in La Paz wollten wir ins Walmuseum gehen. Leider ist es umgezogen und die Website nicht aktuell. Auf der Suche wurden wir plötzlich aus einem Auto heraus auf Deutsch angesprochen- von einer flotten 84jährigen, die seit über 50 Jahren in Mexiko lebt. Der kleine Plausch war sehr anregend und sie bestätigte, dass das privat getragene Museum leider aus Geldmangel geschlossen wurde. Also hatten wir auf einmal zwei Stunden „freie“ Zeit. Ist doch merkwürdig, dass wir das so empfunden hatten, obwohl wir ja überhaupt keinen Zeitdruck hatten. Wir radelten gemütlich gen Fährhafen, der ca. 23 km außerhalb der Stadt liegt und wollten auf dem Weg noch einen Strandtag bzw. –nacht einlegen. Und das taten wir auch. Eine idyllische kleine Bucht mit einem kleinen Strandrestaurant, das abends schloss und wir, gut bewacht von Nachtwächter und Hund, einen wunderbaren letzten Abend mit Sternenhimmel und dröhnenden Trucks im Rücken (nachts wurden es weniger) verbrachten. Die Bucht war tagsüber ganz gut besucht, u.a. von einer deutschen Familie auf Mexikourlaub, von …

Baja California terminado

Also: Wir sind nun in La Paz und haben damit für uns die Baja California durchquert. Die sehr touristische südliche Zipfelrunde sparen wir uns. Die letzte Etappe von Loreto war nochmal strampelintensiv. D.h. zuerst gings wunderbar an der Küste auf und ab, wie wir das kennen. Dann eine richtig schöne Bergetappe mit Bergankunft in einem kleinen Restaurant, in dem es leider kein Bier gab, obwohl die gesamte Vorderfront mit „Pacifico“-Logo bemalt war! Dafür konnten wir in einem kleinen Zimmer übernachten und trafen als echtes Geschenk Jan, der von Panama aus gestartet war und die Route praktisch von unten aufgerollt hat. Ungewöhnlich, wie er auch festgestellt hat und nicht in allen Aspekten ideal (vorherrschende Windrichtung, klimatechnisch) aber für uns natürlich super. Er gab uns viele hilfreiche Infos über sichere und unsichere Routen, politische Lage u.a. Daraufhin haben wir uns entspannt und beschlossen erstmal wie geplant weiterzufahren. Allerdings werden wir von Mazatlán nach Mexico City den Bus nehmen – aus Zeit- und Sicherheitsgründen. Die einzige wirklich kritische Strecke scheint Nicaragua zu sein, aber seine Erfahrung ist schon …

Grüne Wüste, blaues Wasser und Traumstrände

Wie fasse ich die letzte größere Etappe von Guerrero Negro bis Loreto am Besten zusammen? Ca. 160 Fotos (nach Durchsicht) verdeutlichen mir, durch wie viele verschiedene Landschaften wir geradelt sind und was uns unterwegs wichtig oder bemerkenswert war. Nur leider sind es für Euch höchstwahrscheinlich eher ähnliche Motive und mehr vom Gleichen. Wir zeigen sie Euch also nicht alle. In Guerrero Negro übernachteten wir hinter einem Restaurant, dessen Besitzer Warmshowers- hosts sind. Das war sehr nett, natürlich aßen wir dann dort und kamen ins Gespräch. Die Frau, Ärztin, sprach Englisch, was die Sache für alle erleichterte. Wie in vielen Ländern konnte sie nicht verstehen, dass bei uns die (Groß-)Familien nicht zusammenleben. Steigende Mieten und airbnb sind auch in Mexiko ein Thema, genauso wie geringe Renten. Sie beschrieb uns zwei gute und preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten auf der Etappe nach Santa Rosalia und war die erste, die meinte, auf dem Festland wäre es für Radfahrer sicher. Entspannung war angesagt. Außerdem meinte der Wind es in den nächsten zwei Tagen ausgesprochen gut mit uns, das Land war richtig flach …

Kurzer Sachstand

Für die Besorgten unter Euch- uns geht es gut. Der Hurrican Willa ist ca. 1000 km südlich von uns. Er geht zwar durch das Gebiet, durch das wir planen zu fahren, aber erstens ist das erst in einigen Wochen und zweitens werden wir natürlich auf die dann gegebene Situation reagieren. Die gute Nachricht: Wir hatten uns in die Krisenliste des Auswärtigen Amtes eingetragen und haben tatsächlich eine Warnungsmail erhalten. Wer in den Nachrichten den Marsch der Migranten von Honduras nach USA mitverfolgt und sich nun sorgenvolle Gedanken bzgl. uns macht: Es gilt das Gleiche wie oben: Wir sind tausende Kilometer entfernt und sicher werden sich unsere Wege nicht kreuzen. Natürlich werden wir die Gesamtsituation verfolgen. Vor ca. 25 Jahren habe ich in einem Bildungsurlaub über den Nord-Süd-Konflikt (so nannte man das) einen Film gesehen, der fiktiv genau das beschrieb was heute in der Welt passiert. Die Menschen machen sich auf den Weg, um ihren perspektivlosen Lebensverhältnissen zu entkommen. Hier auf der Baja sehen wir auch ärmliche Verhältnisse, aber keine Verelendung- genauso oft prosperierende wie absterbende …

Die letzten Kilometer in den USA

Die nächsten drei Tage zur mexikanischen Grenze gestalteten wir als eher kurze Etappen und genossen die Höhenmeter (haha). Eine Überraschung in Ocotillo, einem Winzort (200 EW) mit allem was man braucht. Da es der letzte Ort vor dem (mal wieder) längeren Aufstieg war, blieben wir. Hinter dem kleinen Cafe/Store stellten wir unser Zelt auf. Im Windschatten, denn der Wind war wieder unser Sparringspartner. The Redfeather heißt der Laden. Der Besitzer ist ein griechischstämmiger ehemaliger Profimotocrossfahrer, der diesen Laden mit Frühstück und Lunch um 14.00 Uhr schließt, um um 14.30 Uhr die Bar The Great Escape ca. 100 m entfernt aufzumachen. Am Wochenende organisiert er Motocrossrennen und gibt auch Unterricht. Außerdem ist er Sammler von allem Möglichen. Da wir seit einiger Zeit auf dem Fernradweg “Southern Tiers” (von San Diego nach Florida) fahren, treffen wir tatsächlich Radfahrer. Und in Ocotillo sind wir abends zu fünft! Erik, ein Holländer (Endvierziger bis Mitfünfziger?), wie wir auf dem Weg nach Mexico und drei Jungs aus Colorado auf dem Weg nach Florida. Erik ist den “Great Divide” gefahren, eine Mountain …

Volles Programm

Nach drei Tagen Las Vegas musste es nun weitergehen. Leider mit etwas Verzögerung. Schwungvoll ging´s vom Hof de Motels- ca. 200 m weit, dann stand Fritz und fummelte an der neuen Kette. Sie sprang immer über. Er ärgerte sich, dass er nach dem Wechsel der Kette keine Proberunde gedreht hatte. Nun – zweimaliges Kürzen brachte keinen Erfolg. Ratlosigkeit. Wir fuhren zurück und nutzten im Motelhof das Internet sowie den Schatten. Nach längerem Hin und Her inclusive Telefonkonferenz mit Fa. Schael war klar; die neue Kette passte nicht zum alten Ritzel. Also schnell die alte Kette vom Schrotthändler nebenan wiedergeholt und aufgezogen- alles bestens! Wir kamen erst um ca. 10.30 Uhr los und es folgten 94 km, davon die letzten 50 km mit stetem Anstieg, Regenfront und einem ziemlichen Gegenwind. Doch wir mussten nach Searchlight, dem nächsten Ort. Dazwischen gab es nichts außer Landschaft- wie übrigens meistens in dieser Gegend. D.h. wirklich nichts! Gestrüpp, manchmal kleine Kakteen, harte Gräser, manchmal nur Geröll, Sand, Steine. Und Weite. Irgendwo Zelt aufbauen trauen wir uns nicht wegen der vielen …

Las Vegas

Wir sind insgesamt drei Tage hier. Im Galaxy, einem kleinen Hotel direkt an der Rückseite des Luxor, haben wir uns eingebucht. Der erste Tag war geprägt durch die Suche nach einem Zahnarzt. Ihr erinnert Euch. Es war Samstag und obwohl wir mit Nachfragen auch zwei Zahnkliniken fanden, hatten sie zu. Es gibt auch hier Öffnungszeiten. Im Hotel hat uns die sehr zugewandte beherzte Dame an der Rezeption die Telefonnummer des zahnärztlichen Notdienstes gegeben. Ich angerufen, und mit dem Zahnarzt einen Termin bei sich in der Praxis vereinbart, ca. 6 km entfernt. Frisch geduscht schwangen wir uns auf die Räder und radelten über den Strip dorthin. Es machte Spaß, denn auch in Las Vegas bist du mit dem Rad genauso schnell wie mit dem Auto. Der Zahnarzt, ein sportlicher Typ irgendwo zwischen 55 und 65, war sehr nett und zugewandt, zwei kleine Praxisräume in edlem Design. Ich musste einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen, Aufklärungsbogen, Einverständniserklärung, dann machte er eine Röntgenaufnahme mit einem kleinen Handgerät, das das Bild sofort auf den PC brachte. – Tja und dann erklärte …

Eine romantische Zeltübernachtung

Bis nach Las Vegas waren es nochmal knapp 100 km und wieder gab es da eine kleine Herausforderung, die auf uns wartete. Erstens wartete die nächste Bergkette, die nach Fritz Navi 30 km strammen Aufstieg prophezeite und zweitens sollte es nach unseren Informationen auf 18 km eine Baustelle mit teilweiser Straßensperrung und vor allem Fahrradverbot geben. Wir beschlossen zu fahren und dann zu nehmen wie es kommt. Wir wollten uns auf jeden Fall irgendwo unterwegs in die Büsche schlagen und zelten. Wasser und Essen hatten wir genug dabei. Der Highway war auf der ganzen Strecke vierspurig ausgebaut. Der Verkehr hielt sich in Grenzen, mit Freitag hatten wir ja wieder mal den richtigen Wochentag, um in eine Riesenstadt zu radeln, erwischt. Egal. Das Gute hier ist, dass fast überall ein sehr breiter Seitenstreifen ganz ausdrücklich als Bike lane ausgeschildert ist. Da liegt zwar ein bisschen Schotter, Glassplitter oder Sonstiges, aber im Großen und Ganzen weniger als auf vielen unserer Radwegen und die Beschaffenheit ist erstklassig. Die Steigung war – wie häufig- gnädig mit uns. Die Baustelle …

Amargosa Opera House

Tja, die Überraschung war groß als wir die DVJ erreichten. Da gab es – nichts. Außer einer Cannabisplantage. Unterwegs hatten wir unseren ersten Reiseradler getroffen, ein junger Engländer, der uns entgegenkam und meinte, es würde uns dort sicher gut gefallen, eine positive Überraschung.- Zuerst dachte ich, er meinte die Cannabispflanzung. Aber nein, neben der Kreuzung kamen ein paar Häuser in Sicht und bei genauerer Betrachtung prangte auf einem „Amargosa Opera House“. Und das große Geviert mit umlaufendem Säulengang war ein Hotel! Als wir zum Eingang kamen, saßen zwei Frauen draußen, grüßten freundlich und verneinten unsere Frage nach einem Restaurant bzw. etwas zu Essen. –Wir hatten schon seit einigen Kilometern die Zusammensetzung unseres „verdienten“ Frühstücks bzw. lunches diskutiert.- Das Restaurant hätte in dieser Jahreszeit nur am Wochenende geöffnet. Sie hätten einen Geschenkeshop mit Getränken und Snacks, mehr nicht. Alles was wir fanden, war ein Eis und eine kleine Tüte Chips nebst Cola und Wasser. Nach dem ersten Frust, nahmen wir´s wie es war und öffneten die Augen. Dieses Hotel nebst Opern Haus ist so was Irres! …

Bad Water und Golden Canyon

Bad Water und Golden Canyon Wir sitzen jetzt zwar schon in Las Vegas, aber dennoch machen wir drei Artikel aus der Zwischenzeit bis hierher. Es sind zu viele kleine Geschichten und schöne Fotos für einen Beitrag. Also zuerst Bad Water. Der niedrigste, heißeste und trockenste Punkt in Nordamerika und der Ort, an den wir nun unbedingt mit dem Fahrrad hinwollten. Dafür sind wir drei Tage in Furnace Creek geblieben. Ein Tag ankommen und am Pool abhängen. Am nächsten Morgen früh (leider hat mein Wecker nicht gekräht, deshalb nicht ganz früh) um 6.10 Uhr bei angenehmen 27° C ohne Gepäck aber mit viel Wasser die 30 km hingeradelt. Übrigens kann man am Visiters Center gekühltes Wasser abzapfen! For free! Das ist wirklich genial, denn sonst gibt es kein Trinkwasser, außer teuer in Flaschen. Also im Rückblick war es völlig ausreichend um 8.00 Uhr dort zu sein, denn die Sonne kam erst langsam über die Berge gekrochen und so nahmen wir uns Zeit für Fotoshooting. Fritz suchte intensiv in den verbliebenen hochkonzentrierten Salzpfützen nach Leben und fand …

Wir sind drin! Oder besser gesagt unten!

Das letzte mal als wir uns meldeten, saßen wir an einer Tankstelle im Schatten und schlürften Cola. Jetzt liegen wir auf Liegestühlen am Pool! Kein Witz! Und dazwischen? Na ja, von nix kommt nix, könnte man sagen. Die Nacht in Panamint Springs war um 3.00 Uhr vorbei; bis wir aufgerödelt hatten war es 4.00. Und tatsächlich hatte der Wind nachgelassen und ein wenig zu unseren Gunsten gedreht. Ich war noch ziemlich übermüdet und matschig im Kopf, als wir uns bei Quasivollmond (wie Fritz es geplant hatte) die ersten 5 km runterrollen ließen. Die hatten mir zwei Tage zuvor beim Raufradeln am Tagesende den Rest gegeben, trotz nur gelinder Steigung. Also, durch eine mondbeschienene stille Landschaft zu fahren, ist schon etwas ganz Besonderes. Hier, wo es richtig still ist, außer der schwarzen (übrigens sehr guten) Straße nur Geröll, Sand und die Umrisse von Felsen und Bergketten zu erkennen sind, ist das Gefühl noch ein wenig intensiver. Tatsächlich kamen ab und an Autos vorbei, langsam krochen die Scheinwerfer näher, huschten die Autos vorbei und krochen weiter den …

Auf dem Weg in den Glutofen

Im Augenblick sitzen wir wie im amerikanischen Movie an einer Tanke auf den Stühlen im Schatten bei 36°C, schlürfen Cola refill, machen Internet und schauen uns die grandiose Kulisse an. Wir sind in Panamint Springs, nur noch ein Pass trennt uns vom Death Valley. Der hat es allerdings in sich: 1100 Hm auf ca. 15 km. Deshalb (nicht nur aber auch) genehmigen wir uns heute den ersten Pausentag. Leider hat der Wind, der gestern noch unser Freund war, den Ruf nicht gehört und statt zu drehen noch weiter aufgefrischt. Die Wetterapp meint zwar, er würde heute nachmittag ein wenig Einsehen haben, aber wir werden sehen- ändern können wir es eh nicht. Unsere Planung besagt, heute rumhängen, früh hinlegen, um 3.00 Uhr raus, um 4.00 Uhr auf der Piste und dann bis 9.00 Uhr zur Passhöhe. Ich habe gehörigen Respekt davor, da mir der gestrige Tag noch in den Knochen steckt. Er brachte uns zwar ganz berauschende ewige Abfahrten und damit geschenkte Kilometer, aber die langsamen Aufstiege unter der harten Sonne machen mir echt zu schaffen. …

erste Etappen

Gestern sind wir nach einem guten Frühstück erst um ca. 10.30 Uhr von unserem Freund Axel losgekommen. Dann ging es 40 km durch eine einzige „Automeile“  (Reparaturen, Handel, Schrott, Versicherungen ….) Richtung Nordwesten. Wir hatten beschlossen, nicht den direkten Weg nach Palmdale zu nehmen, denn das wäre eine ziemlich harte Bergetappe geworden, sondern außen rum zu fahren. Da konnten wir kalifornische Bikelanes ausprobieren- richtig gut! Und auch gleich wieder die amerikanische Freundlichkeit erleben: viermal wurden wir positiv von Leuten angesprochen. Für abends hatten wir einen „Group campround“ im Auge. Allerdings war der wirklich für Gruppen, z.B. Pfadfinder, gedacht. Uns hätte man dann wirklich ausnahmsweise als Minigruppe durchgehen lassen, aber: Gruppe kostet 100 § !!! Da haben wir umdisponiert und sind zu einem See gefahren, an dem man campen könne. Das war auch so; nur sind wir zuerst an der falschen Seite gelandet- ein Park, der nur tagsüber genutzt werden darf. Wir dachten, egal, schöner Platz, alles da, wir bauen in der Dunkelheit auf und fahren früh wieder ab- Pustekuchen. Kaum hatten wir das Zelt aufgebaut, …