Autor: Karin

Patagonia Verde …

… ist die chilenische Seite Patagoniens, weil sie grün ist. Im Gegensatz zur hoch liegenden, ebenen und deswegen noch windigeren Pampa auf der argentinischen Seite ist die Straße hier zwischen null und 400 Meter hoch, hügelig, bewaldet und daher etwas windgeschützter. Cochrane ist ein Oberzentrum, immerhin die größte Stadt im Umkreis von 100 km. Und vollkommen verschlafen. Allerdings trifft man hier die Traveler, zum Beispiel das deusche Paar, das sich in Santiago für ~7000 € diesen T2-Campingbulli gekauft hat. Wir haben für die letzte Etappe bis Caleta Tortel, wo unsere Fähre abfährt, drei Tage Zeit eingeplant, um genug Puffer zu haben. Trotz Wind, Kälte, Niesel, Schotter vom Feinsten, schafften wir es in zwei Tagen. Das Höhenprofil war nicht so scharf und eine Planiermaschine schuf uns zumindest für einige km eine schmale glattgeschliffene Spur. Donde Orfelina ist ein ganz bezaubernder keiner Hof und Campingplatz, der von einer jungen Familie geführt wird. Mit hauseigenem Wasserfall, weiten Wiesen und Weiden, herrlichem Blick auf verschneite Berge und Seen. Und sie wissen, was Radler brauchen: Windschutz, einen Raum zum Abwettern …

Carretera Austral intensiv

Die nächsten Tage gehören mit zu den Highlights der bisherigen Tour. Nach dem Regentag war der Himmel strahlend blau, die Luft kalt und der Wind nur zu Beginn noch unser Freund. Zwei Buckel warteten auf uns und es waren die letzten 60 asphaltierten Kilometer der Carretera austral. Wir genossen die weiß bestäubten Wälder, türkisfarbenen Seen und gletscherigen Berge – auch die Anstiege. Bewundernswert, wie die das französische Paar mit den Kleinkindern in Anhängern hochpedalierte! Immerhin waren es bis zu 16% Steigung! Kurz vor Cerro Castillo verabschiedeten wir uns vorerst von Ricarda – und verabredeten uns für den 20. Januar in Puerto Natale. Wäre super, wenn es klappen würde! Abends wurden wir auf dem Zeltplatz überraschend von einem Paar aus Alaska zum gebratenen Lamm und Wein eingeladen! Sie hatten kurzerhand ein kleines Lamm von den Campingplatzbesitzern schlachten und grillen lassen. Ein schöner und interessanter Abend. Dann kam der Abschied vom Asphalt und der Beginn reichhaltiger Abstufungen von verdichtetem Erdreich mit Grobkies über lockerem Feinschotter bis zu lockerem Grobkies – auf Waschbrett im Wechsel mit Schlaglöchern und …

Kurzer Schlechtwetterbeitrag

Es wird langsam ungemütlich. Seit Ensanada haben wir immer wieder teils üblen groben losen, teils feinen festen Schotter. Das ganze ist gepaart mit einem steten Auf und Ab, sodass am Abend immer zwischen 700 und 900, auch mal über 1100 Hm zusammenkommen. Das Wetter beschert uns in den letzten Tagen häufiger Regenschauer, auch gerne mal länger. Der Wind kommt meist aus West, mal auch freundlicher von Nord West, aber oft auch in heftigen Böen. Eigentlich wollten wir gestern bis nach von Coyhaique nach Cerro Castillo, ca. 90 km mit 1100 Hm. Der Regen und die Temperaturen waren so heftig, dass wir nach 36 km bei der einzigen Übernachtungsmöglichkeit auf der Strecke beschlossen zu bleiben- sogar in einem Zimmer! Es ist ganz allerliebst hier. Ein kleiner Hof mit vielen Enten, Hühnern, Gänsen, einer Rasenfläche für Zelte, einem überdachten Bereich und einem Rundling mit Panoramascheiben und offenem Kamin. Wir wählten, wie gesagt, die Zimmervariante mit Frühstück. Ein Zimmer war noch nicht ganz fertig gebaut und Fritz half spontan mit die letzten OSB-Platten an die Decke zu bringen. …

Radlertraumstraße Carretera Austral

Ehrlich gesagt, wusste ich bis zur konkreten Planung der Tour noch nicht, dass es sie gibt. Und dass wir sie zumindest teilweise fahren würden, war lange nicht klar. Nun sind wir drauf! Die Straße gibt es noch gar nicht so lange und hat einen eher düstere Geschichte, denn zuerst hieß sie Carretera Austral General Augusto Pinochet. Jeder Diktator will sich wohl ein Denkmal setzen. Für dieses Riesenprojekt gab es sicher auch militärische Gründe (Grenze zu Argentinien). Sie beginnt in Puerto Montt und endet in O´Higgins und ist die einzige Verbindung in Nord-Süd-Richtung. Ohne Fähren geht es allerdings nicht, da nicht überall eine Straße möglich ist. Ca. 1200 km lang ist sie auch jetzt erst größtenteils asphaltiert, der Rest Piste oder Schotter. Die Natur ist hier grandios – und auch gewaltig! Wir haben auf der bisherigen Strecke schon einige Eindrücke davon bekommen.   Fast wie im Pamir begegnen uns hier täglich andere Radler und Radlerinnen. Begeistert von der rauhen Landschaft und den Lebensbedingungen sind sie alle. Und wie immer sehr unterschiedlich motiviert. Für spektakuläre Aussichten sind …

Szenenwechsel

Nach der einsamen Wüste und der quirligen aufrührerischen Riesenstadt Santiago sind wir nun quasi in der Heimat unterwegs: Die Landschaft, die Vegetation und das gemäßigte Klima erinnert doch sehr an Deutschland (mal abgesehen von einigen schneebedeckten Vulkanen im Hintergrund), weswegen sich hier auch in mehreren Auswanderungswellen viele Deutsche niedergelassen haben. Im Großraum Santiago gab es noch einzelne sehr ärmliche, Slum-artige, Dörfer, dann Weinberge, viele Flüsse, Rinder-Weiden, Pferde (auch mal ein Rodeo), Weizen- und Haferfelder. Diese Gegend ist reich und üppig. Die Menschen sind freundlich; wir erfahren viel Zuwendung durch grüßende Autofahrer und winkende Passanten. Rodrigo zum Beispiel hat uns im Supermarkt geradezu nötigend zum Mittagessen eingeladen. Ein Eis-Lieferant hat seinen Lieferwagen extra angehalten, um uns zwei Magnum zu schenken. Wir sind in den letzten 9 Tagen 913 km geradelt! Meistens bei mehr oder weniger starkem Gegenwind. Da wir fast ausschließlich Panamericana (Autobahn) gefahren sind, war die Oberfläche meistens gut. Der Seitenstreifen ist breit und obwohl als Autobahn ausgeschildert, ist das Radfahren auf 90% der Strecke erlaubt. Auch die restlichen 10% interessieren niemanden. Es gibt angenehmere …

Wüste satt

Wir sind in Chanaral, einer unspektakulären Küstenstadt, angekommen; nach vier weiteren Tagen fleißigen Radelns durch die Wüste bei Gegenwind. Der baut sich über Tag auf und hat nachmittags so viel Power, dass man kaum noch vorwärts kommt. Deswegen starten wir morgens in der Dämmerung bei Temperaturen wenig über null Grad. Bei dem nachmittäglichen Wind kann man allerdings auch kaum das Zelt aufbauen; so fährt mann also weiter bis zur Abenddämmerung. Wir haben einen echten Einsiedler getroffen. Er lebt seit 15 Jahren in der Wüste, wo er ein Sanctuarium mit überraschenden organischen Formen baut. Für sich hat er ein paar Decken und eine Unmenge leerer Wasserflaschen. Versorgt wird er von vorbeikommenden Truckern mit Wasser und Nahrung, letzteres, wie man sieht, durchaus in ausreichender Menge. Inzwischen haben wir, trotz der Faszination, diese trockene leere Landschaft etwas satt. Mal mehr Fels, dann wieder Sand oder Steinbrocken wie ausgekippte riesige Bauklötzchenkisten; Sandpisten, die in der Ferne verschwinden und zu irgendwelchen Minen führen (so 50-90 km entfernt). Und sonst nichts! Auf dieser Etappe war Wasser ein Thema für uns. Wir …

Chile

Nun sind wir schon seit 10 Tagen in Chile! Sorry, dass wir uns erst jetzt melden, aber wir hatten in Arica noch keine Lust und später keine Puste bzw. kein Internet mehr, um zu schreiben. Nun also kurzgefasst: Die Busfahrt von Puno runter nach Tacna verlief unproblematisch. Wir wurden noch in unserer Entscheidung, den Bus zu nehmen, bestärkt, als wir bei beginnendem Gewitter den Busbahnhof erreichten! Etwas nervig war das Einladen der Räder; da fehlt uns noch die Gelassenheit, dass alles schon klappen wird, wenn sich Dutzende Menschen mit riesigen Säcken und Koffern um uns drängeln und der Stauraum langsam voller wird. Letzten Endes wurden die Räder zum Schluss noch irgendwie reingehebelt und kamen am nächsten Morgen sogar ohne gröbere Blessuren wieder raus. Und schwupps waren wir in der Wüste! Kaum zu glauben, ging es 60 km abwärts Richtung Küste. Die Grenze war ziemlich unkompliziert, nachdem wir unser Formular zur Ausreise/Einreise mit einem Fahrzeug ergattern konnten. Ja, auch ein Fahrrad ist ein Fahrzeug! Gottseidank gab es eine hilfreiche und freundliche Grenzerin, die mir einfach ein …

Titicacasee

Jetzt sind wir am Titicacasee! Die Stadt Puno liegt auf über 3.800m Höhe (Schnauf) und bezeichnet sich als Kulturhauptstadt. Auf jeden Fall sind jede Menge Touris da, denn von hier aus gehen die ganzen Ausflüge zu den diversen Highlights des Sees. Nur kurz zur Info: Der Titicacasee ist der höchstgelegene beschiffbare See der Welt. Und er ist riesig. Unser Hostel liegt nicht in der Tourimeile, sondern dichter am Hafen, umgeben von Straßenmärkten, Kleinstrestaurants (meist Pollerien, sehr zum Leidwesen von Fritz) und kleinen Läden sowie aufgerissenen Straßen. Letztere verwandeln sich nach dem nun häufigeren Regen in wunderbare rote Schlammwüsten, durch die sich der leicht chaotische Verkehr schiebt. Fritz ist wie immer völlig bezuckert von den vielen VW’s hier. Am Hafen, eigentlich nur zwei Piers, liegt eine Armada von kleinen Ausflugsbooten. Zurzeit ist Nebensaison. Zur Hauptsaison will ich hier nicht sein. Sehr beliebt sind auch die phantasievollen Tretboote.Wir wurden beide (nacheinander) von zwei jungen Englischstudenten interviewt, deren Fragen ich z.T. recht schwierig fand, z.B. Lieblingsband. Es gibt eine wunderschöne Promenade, die als Damm übers Wasser geht, mit …

Machu Pichu

Ja, wir sind hingefahren- mit der Halbluxusvariante. Wir hatten keine Lust, 7 Std mit einem Kleinbus zu fahren, um dann noch 10 km nach Aquas Calientes zu laufen. Also morgens mit dem Zug 4 Std. von Cusco nach Aquas Calientes gerattert. Es war einfach entspannt, bequem und die Landschaft mit Panoramafenstern gut zu bewundern. Wir schlängelten uns durch tiefe und enge Täler, bestaunten schroffe Felswände und eine immer grünere Vegetation, je näher wir dem Machu Pichu Pueblo kamen. Scharf war das Hotel, dass 400 m hoch an der Felswand hing und nur durch Selbstklettern zu erreichen ist! Die Nacht kostet wohl mehrere 100 USD. Nix für uns. Übrigens passiert es uns immer wieder, dass südamerikanische Touristen oder auch Einheimische ein Foto mit uns machen wollen. Und Fritz wird schon wieder häufiger als „Santa Claus“ angesprochen. Der Ort Aquas Calientes ist natürlich ein Touriort. Dennoch ganz erträglich und wir genossen einen Abend ein Touristenmenu mit Happy hour 4×1 und gingen am nächsten Mittag nach der Machu Pichu Tour in die Markthalle zum local-menu essen. Der Besucherstrom …

Auf nach Cusco

Inzwischen sind wir in Cusco angekommen und genießen den Luxus eines netten Zimmers mit eigenem Bad, die vielen Touristen, die Infrastruktur (wir können uns gar nicht durch die vielen Restaurants fressen, die es hier gibt) und natürlich die sehr beeindruckende Stadt. Da die Tage der Anreise hierher ebenfalls ganz besonders waren, wollen wir Euch ein paar Fotos davon nicht vorenthalten.   Grundsätzlich ging es immer mal wieder richtig hoch, auf knapp 4000 m, und dann wieder richtig runter. Schon ganz schön irre. Dabei blieb die Straße meistens gut, der Verkehr ruhig und die Steigungen waren meist angenehm zu fahren. Und Serpentinen können sie bauen! So kurbelten wir ca. 30 km langsam aufwärts und sahen immer wieder die gleiche Stadt unter uns, nur eben am Ende 1000 m höher! Die Nebelschwaden zogen aufwärts und oben war es dann recht frisch. Auf der letzten Etappe, der “schluchtigsten”, hatten wir aufgrund des nächtlichen Regens, jede Menge Steinschlag auf der Straße. Da galt es richtig aufzupassen bei der Abfahrt! Das Wetter hält sich vormittags noch, aber nachmittags wird es …

Schon ziemlich weit oben

Vor dem ersten großen Anstieg auf über 4.100 Höhe hatten wir ja gehörig Respekt. Vor allem der erste Tag schien uns mit knapp 2.000 Hm gewaltig. Nun er war anstrengend, klar, aber Alpenbegeisterte würden uns beneiden. Es ging stetig bergauf mit angenehmen 6-8% Steigung und gigantischer Kulisse! Bis 1.500 Meter Höhe rechts und links kahle trockene Abhänge, “schluchtig” würde ein Freund sie nennen, Serpentinen und rücksichtsvolle Trucks – so kurbelten wir langsam hoch. Dann waren wir oben auf einer Hochebene mit trockenen Grasflächen und Stauden, entfernt in den Tälern Schafherden. Langsam gings weiter bis zu einem kleinen Restaurant “Paraiso”, wo wir hinterm Haus zelten konnten und auch etwas zu essen bekamen. Toiletten gab es keine, aber genügend Landschaft. Im Zelt wuselte plötzlich ein kleiner Skorpion rum, ca. 5 cm groß und so gelb wie die Gräser. Er war leider pressescheu und verschwand nach draußen, ehe Fritz die Kamera zücken konnte. Nun schütteln wir wieder besonders ausführlich die Schuhe aus. Es war nicht so kalt, wie befürchtet- wir waren auch erst 2.800 Meter hoch. Den nächsten …

Die Anden rufen

Eine befreundete Kollegin hatte uns nach dem Unfall geschrieben und für die physischen und psychischen Verletzungen rasche Heilung gewünscht. Ich hatte ihr spontan geantwortet, die psychischen seien kein Problem. Nun stellen wir fest, dass wir doch auch Nachwirkungen in Geist und Seele spüren. Im Grunde haben wir drei Ereignisse identifiziert, die uns nachhaltig berührt und irritiert haben. Bis vor 2 Jahren hatten wir immer das Gefühl und die Überzeugung, als Radreisende könne uns nichts passieren. Alle Welt mag diese Abenteurer, im schlimmsten Fall sind sie ihnen gleichgültig. Wir sind ja auch so ein bisschen “Machernaturen”, wenn auch vorsichtig und mit altersgemäßer leichter Demut gegenüber unseren physischen Grenzen. Das Motto “dream it, plan it, do it” hat uns nicht aus Zufall angesprochen. Und nun haben wir vor ca. 2 Jahren erlebt, wie Fernradler auf dem Pamir-Highway per Anschlag ermordet wurden, dort, wo wir gefahren sind. Als nächstes mussten wir erfahren, dass ein Bekannter in Mexiko umgebracht wurde, noch ein Stück näher. Und nun sind wir selbst verletzt worden, ohne Chance der Beeinflussung! Das hat unsere Selbstsicherheit …

Fruchtbare Wüste um Ica

Das Hinterrad braucht eine neue Felge, das ist inzwischen klar. Nachdem wir per Internet in Ica eine Fahrradwerkstatt gefunden hatten, in Pisco gab´s ja leider keine, stiegen Hoffnung und Laune. Außerdem hatte Fritz meinen Fahrradcomputer wieder in Gang gebracht, der Sturz hatte einen Kabelbruch verursacht und ich musste „blind“ fahren. Das war ganz schön doof und ich bin froh, dass er so problemlösungsorientiert unterwegs ist. Alleine hätte ich wahrscheinlich sehr viel länger gebraucht, um mich aufzuraffen und einen Bastelversuch zu starten. Was mich noch viel stärker beeinträchtigte, war das Fahren ohne Rückspiegel! Den rückwärtigen Verkehr nicht im Blick zu haben, verunsichert mich ungemein. Wer würde auf die Idee kommen, ohne Rückspiegel Auto zu fahren? Als Radfahrer*innen brauchen wir den gleichen Überblick wie als Autofahrer*innen; davon bin ich überzeugt. Gottseidank fanden wir eine Motorradwerkstatt an der Straße, wo ich einen wunderbaren neuen großen Rückspiegel bekam! Nun haben wir die Küste verlassen und nähern uns den Anden. Aber erstmal geht’s durch die Wüste, bzw. durch Wein-, Spargel- und Zwiebelfelder. Falls es jemanden zu Weihnachten nach Spargel gelüstet …

Es geht weiter

Einen Pausentag zum Wundenlecken, Hinterradbiegen und Beiträge schreiben; dann ging´s weiter. Angedacht war eine kürzere Etappe von ca.70 km, aber dann stand der Wind so gut und die Straße war ok, sodass wir bis Pisco radelten. Es wurden 96 km und 460 Hm. Es gibt anscheinend eine echte Käferliebhabergemeinde, denn wir sehen hier ständig Käfer. Fritz hat schon die Auflage, nur besondere Käfer oder Bullis zu fotografieren. Das Grundnahrungsmittel „Pollo“ (Hähnchen) und „Huevo“ (Eier) sind echte Wüstenprodukte. Falls Ihr die Landschaft mal mit Satellitenaufnahmen anschaut, werdet Ihr überall weiße längliche Rechtecke erkennen – alles Hühner/Legehennenfarmen! Selten sind sie umgerüstet zu Baumschulen. Die Bodenbesitzverhältnisse sind uns nicht klar. Wahrscheinlich gibt’s viel Großgrundbesitz und einige Großprojekte für Condominions, Ferienanlagen und/oder anderes. Davon zeugen die Mauern und Zäune, die einfach kreuz und quer in großen Dimensionen die Wüste zerteilen. Aber auch ganz kleine Parzellen, mit Stöcken oder Steinen abgegrenzt und Kleinsthütten, meist aus Strohmatten und zerfleddert, scheinen Grundbesitzansprüche darzustellen. Man muss nicht alles verstehen.

Peru´s Nordküste

Wir haben uns vorgenommen, bis Piura mit dem Rad zu fahren, Catacoa zu besuchen und uns dann in den Nachtbus nach Lima zu setzen. Es widerstrebt uns zwar, eine so lange Strecke zu überbrücken, aber erstens haben wir so viele gute Ratschläge, NICHT die Küstenstrecke zu fahren, bekommen, dass wir sie, zusammen mit den Warnungen (bewaffnete Überfälle speziell auf Radfahrer) auf der App iOverlander, nicht ignorieren wollten. Und zweitens läuft uns die Zeit davon; deshalb ist es keine Alternative, die Andenroute zu nehmen. Aber wenigstens die ersten 350 km sind wir geradelt. Und die Landschaft gefällt uns gut: karg, trocken, Geröll- bis Sandwüste. Dort, wo Wasser zur Verfügung steht, gibt es Reis, Zuckerrohr, Zitrus.   Und hier gibt es Öl! Überall stehen die Pumpen, meistens elektrisch betrieben, deshalb die intensive Stromversorgung. Das Öl wird durch Rohre geleitet, die ebenfalls überall “rumliegen” und manchmal auch ein kleines Leck haben. Ein Wort zum Wetter: Seit Ecuador sehen wir die Sonne erst am späten Vormittag, vorher ist der Himmel diesig grau. Dann klart er auf, die Sonne beginnt …

Uns geht’s gut!

Zur Beruhigung für alle: Wir sind derzeit an der Küste in Puerto Lopez und bevor die Demos anfingen aus Quito abgereist. Hier ist alles ruhig und die Leute sitzen heute fest, da keine Überlandbusse fahren. Dafür haben wir weniger Verkehr auf der Straße. Rückblick: Übernachtet kurz vor dem Äquator auf einem netten kleinen Campinglatz „Mitad del Mundo“. Die Familie ist sehr engagiert, möchte Geschichte und Kultur vermitteln und hat viele Projektideen. So erzählte uns der Sohn, mit welchen Geschichten seine Großelterngeneration die Kinder zu tugendhaftem Verhalten gebracht hat: Böse Geister, verborgene Schätze, schlechte fremde Männer; die übliche schwarze Pädagogik. Allerdings beziehen sich die Geschichten auf Steine und Felsformationen direkt vor Ort, also sichtbar. Vormittags am Äquator; leider wenige Tage zu spät für das Phänomen, dass die Sonne direkt über dem Äquator steht. Ist schon ein bisschen etwas Besonderes, diese rechnerische Mitte zu überqueren; auch für Lupi. Danach war die Straße für ca. 20 min. gesperrt, allerdings wegen der Ecuadorrundfahrt- ein Fahrradrennen mit Teilnehmern aus sieben südamerikanischen Ländern und nicht wegen Blockaden. Wir wollten nicht direkt …

Tags strampeln, nachts frisch

Auch wenn wir im Augenblick schon weiter sind, noch ein kurzer Rückblick: Die letzten Tage in Kolumbien waren geprägt von Höhenmetertraining (für die Kondition) und erstaunlicher Landschaftsänderung, denn ab ca. 2.500 m Höhe wurde es auf einmal grün. Intensiver Gemüsebau-vor allem Erbsen, Ackerbohnen, Mais, Senf etc. Weidewirtschaft und viele Kiefern. Und natürlich überall Kartoffeln, aber auch Kaffee und Palmen. In Pasto, das Reiseführer und andere Reisende eher langweilig bis schrecklich beschreiben, haben wir uns ganz wohl gefühlt. Nach den letzten Tagen fanden wir die Mischung von modernem Angebot (Klamotten, Haushalt, Elektro) in den engen Gassen mit dem typischen Einbahnstraßenverkehr ganz anregend. Am Stadtrand entstehen viele moderne Wohnblocks, interessante Cafes und Restaurants. Am nächsten Tag ging´s direkt kräftig aufwärts. Mit steifen Muskeln schafften wir 10-15% ohne Murren. Ein kleiner Umweg beschenkte uns nicht nur mit weiteren Höhenmetern, sondern auch mit Schotterpiste durch ein paar Dörfer unter netter Begleitung eines freundlichen Radlers. So erfuhren wir, dass überall und das ganze Jahr hindurch Gemüse und Salat angebaut wird. Obwohl ich nicht mehr als 10% verstand, war es eine …

Auf der Panamericana

Im Augenblick sitzen wir in einem netten Innenhof eines kleinen Familienhotels bei Chachagüi vor einem Pool mit ziemlich kaltem Wasser, haben erstmals Jacken und dicke Socken an und freuen uns auf warmes Essen. Die letzten Tage war es immer ziemlich heiß gewesen, auch vorhin war es noch angenehm warm. Langsam haben wir uns wieder in die Höhe gearbeitet (jetzt ca. 2000 m); nach dem Motto 900 Meter hoch und 800 wieder runter. Unsere Etappen haben wir inzwischen nach Höhenmetern und verfügbaren Unterkünften gesetzt, weniger nach Kilometern. Damit fahren wir jetzt ganz gut; sind zwar nicht so schnell, aber dafür kommt die Kondition langsam wieder und die Freude am Radeln bleibt. Kleine Fotoexkursion zur Fahrradinfrastruktur in Städten: In Popayan hatten wir den ersten Ruhetag eingelegt und sind ein wenig gebummelt. Die Stadt ist wirklich sehr hübsch, d.h. natürlich die Altstadt, viele weiße restaurierte Gebäude aus der Kolonialzeit. Man erkennt, dass die Stadt reich war und lange die Hauptstadt Südkolumbiens. Viele Universitäten, jede Menge Banken, Kirchen, Theater etc. Wir hatten das Glück in ein FreeJazzKonzert in einer …

Erste Lektion in Demut

Nun sollte es den ersten Pass hochgehen, 1.500 Hm auf ca. 23 km. Das ist schon ein Wort, denn es gibt laut unserer Informationen auch keine Übernachtungsmöglichkeit. Ausreichend früh los und gemächlich strampeln- dann müsste es gehen – dachten wir. Leider wachten wir beide mit grummelndem Darm auf. Unsere Darmflora ist leider noch nicht so adaptiert, wie wir das gerne hätten. Nach dem dritten Gang zur Toilette war Fritz zwar schwächelnd, fühlte sich aber sonst ok. Bei mir blieb die Übelkeit, die sich nicht entscheiden konnte, welchen Entlastungsausgang sie nehmen sollte. Dennoch wollten wir los, zumindest probieren. Und wir radelten langsam, alle 500 m Pause einlegend, die ersten Kilometer. Was erschwerend dazukam, war der unglaubliche Truckverkehr. In langen Kolonnen schoben sie sich an uns vorbei, qualmend und stinkend. Ich glaube, wir haben noch nie so viel dreckige Abgase eingeatmet wie auf dieser Etappe. Da halfen auch die vielen aufmunternden Rufe nicht. Nach 9 km entschied sich mein Körper für die Einfuhröffnung und entledigte sich mit Nachdruck aller Dinge, die sich zwischen Speiseröhre und Dickdarm befanden. …

Erste Trainingsetappen

Heute ist der vierte Radeltag. Und wir gönnen uns eine echte Kurzetappe mit 18 km, aber immerhin 600 Hm. Auch, weil wir hier in dem Städtchen Internet haben und wir Euch auf dem Laufenden halten wollen. – Vor allem, um die nächsten Tage besser planen zu können, denn die Infrastruktur in Kombination mit den Höhenlinien und unserer Kondition macht die Planung etwas anspruchsvoll. Es ging zuerst mit  Aufregung los, denn ich konnte mein Taschenmesser beim Auspacken nicht finden. Die Zuversicht, dass es auftauchen würde, bestätigt sich, denn abends beim gründlichen Ausleeren der Packtaschen fand ich es – hinten unten links. Da es unser einziges Schneidwerkzeug ist, wäre es doof gewesen. Der Weg aus Bogota raus war wie in den meisten Großstädten etwas nervig. Große Ausfallstraße mit viel Verkehr, allerdings über weite Strecken tatsächlich mit Radwegen. Mal separat, mal als protected bike lane. Manchmal wird dier Gehweg auch als Marktstandfläche umfunktioniert, sodass  es wieder eng wird. Nach 30km wurde es ruhiger und dann kam die große Abfahrt. Über 2000Hm gings runter in die Hitze. (Dabei durften …