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Neapel

Wie immer ist es mühsam und langwierig aus einer Metropole rauszukommen. Es zieht sich. Und unsere Hoffnung auf einen Campingplatz an der Küste wurde enttäuscht; alle noch in Winterruhe. Stattdessen wie überall Hotels. Wir nahmen ein preislich noch Vertretbares und genehmigten uns abends ein Bier mit Panini statt teurer Eleganz. Das fühlte sich ganz passend an. Der Lago di Fogliano beginnt dort und verläuft parallel zur Küste. Ein bisschen wie die kurische Nehrung, nur viel kleiner. Rechts und links der schnurgeraden Straße, an diesem Tag für Autos gesperrt wegen (?) eines Radrennens, sind mal gerade 50 m Abstand bis zu Meer bzw. Lagune. Es war Sonntag und außer den Radrennpulks, die auch von der Polizei begleitet wurden, waren etliche privat Radelnde unterwegs. Wir pedalierten langsam vor uns hin, irgendwie war alles anstrengend, ein erstes Anzeichen der kommenden Erkältung. Fritz ging sogar einmal vor Erschöpfung in die Knie, als wir beim Hotel (immer noch kein Campingplatz offen!) ankamen.

Für uns überraschend: die vielen Müllsäcke am Straßenrand, Haushaltsmülltüten und unendlich viele Glasscherben auf Radwegen – ein Hoch auf unser gutes Reifenmaterial! Wir fühlten uns ein bisschen in die Siebziger und frühen Achtziger zurückversetzt.

Landschaftlich waren die vielen abgestorbenen Pinien an der Küste auffallend. Wir erfuhren später, dass, ähnlich wie bei uns der Borkenkäfer, auch dort in der Region eine spezifische Pinienkrankheit gewütet hat. Die Eukalyptusbäume unterdessen wachsen unverdrossen. Sogar Korkeichen gibt es hier. Diese sehen ungeschält aus. Es muss aber auch andere geben, denn in Neapel werden Korkstücke für aufwendige Dioramen verwendet.

Wunderschön die beginnende Pfirsichblüte, die Reste der alten römischen Kultur, sowie die Opfer der zu Ende gehenden Verbrennerkultur.

Ca. 30 km vor dem Zentrum fingen die Vorstadtsiedlungen an; zuerst die edleren, gated communities, dann die Blöcke aus den 60igern. Wir durften dank Garmins Willen ganz erstaunliche kleine Sträßchen kennenlernen, gerne auch mal über 20% Steigung (natürlich geschoben!), bevor wir unsere Unterkunft mitten in der Altstadt fanden. Die Räder mussten wir in den 2. Stock schleppen, denn der Hausbesitzer erlaubte sie nicht im Fahrstuhl. Dort standen sie jedenfalls sicher. Und wir konnten per pedes die Altstadt erkunden. Die Bewohner verstehen sich übrigens eher nicht als Italiener, sondern vorrangig als Neapolitaner. Und pflegen auch einen klanglich deutlich vom Italienischen abweichenden Dialekt.

Diego Maradona ist der Nationalheilige von Neapel. Dieser unglaublichen Vielfalt an Darstellungen entkommt man nicht. Nur eines suchten wir vergeblich: Maradona in einer Schneekugel. Ist eine echte Marklücke, vielleicht ein Geschäftsmodell.

An vielen Hauswänden sind kleine Dioramen mit Heiligendarstellungen; manchmal mit Fotos von Verstorbenen (?) manchmal sehr individuell gestaltet.

Dioramen sind hier wohl eine große Leidenschaft. Aus Korkstücken und mit unglaublichem Einfallsreichtum werden verschiedenste Szenarien gebastelt, sehr aufwendig.

Neapel´s Unterwelt war für uns eine interessante und informative Tour. Die Gänge sind teilweise so eng, dass im Fußbereich ca. 20 cm Breite zur Verfügung stehen und manchmal passte ich mit meiner Schulterbreite nur quer durch. Zweimal wurden wir nach Klaustrophobie gefragt, denn erstmal drin, gibt’s kein Zurück. Panik ist das Eine, Körpermaße das Andere. Bei uns ist niemand steckengeblieben. Die riesigen Stollen wurden über viele Jahrhunderte schon von den Griechen als unterirdisches Aquädukt genutzt.

Wir verlängerten einen Tag in Neapel um mit einer Tagestour zwei Sightseeing Punkte abzuarbeiten. Pompeji und den Vesuv.

By the way: NIEMALS würden wir in der Hauptsaison in diese Gegend von Italien reisen!!!!

Hier ein paar Eindrücke:

Pompeji, alte griechische Stadt (~20 000 Einwohner), 79 n. Chr. vom Vesuv innerhalb weniger Stunden mit bis zu 25 m Asche und Bimssteins zugedeckt, Die Lava- und Schlammlawine ging an anderer Stelle runter und begrub u.a. das nahe Herkulaneum. Weitere Bildungsinfos bitte selbst ermitteln (z.B. wikipedia )

Ach ja, als wir am Eingang von Pompeji standen, sahen wir, dass dort mehrere Campingplätze geöffnet haben! Nun ja.

Auf den Vesuv-Aufstieg mit dem Rad haben wir gerne verzichtet. Ca. 13 km mit knapp 10% Steigung liegt nicht mehr in unserer Komfortzone. Die letzten 1,5 km hinter der Eintrittspforte auf grobem Schotter war zu Fuß gut machbar, jetzt – mit mäßigem Andrang.

Nach drei Tagen Neapel mit zunehmenden Hustenattacken von Fritz radelten wir wieder los Richtung Amalfiküste. Die 40 km bis zu unserem ersten Campingplatz (!!) waren anstrengend. Durch die Vorstädte Neapels, auf großen unregelmäßigen Pflasterquardern mit starkem Verkehr und engen Gassen konnten wir abends endlich zum ersten Mal auf dieser Tour unser Zelt aufbauen. Und da waren sie: Die deutschen Camper! Das ist auch der ideale Ausgangspunkt für die Ausflüge in die Gegend. Wir beschlossen angesichts unseres Gesundheitszustands kleine Brötchen zu backen. Die Amalfiküste ist ja eigentlich nur ca. 60 km lang, aber mit einigen Höhenmetern versehen. Also Kurzetappen bis Salerno, sogar einen Erholungstag zusätzlich in Minori. Die Küstenstraße ist schon sehr attraktiv, kurvenreich, stetes Auf und Ab, an die Felsen geklatschte dichtbebaute Städtchen mit teurer touristischer Infrastruktur. Gestern, Sonntag, waren natürlich die Motorräder unterwegs, ab und an auch Rennradler.

Morgen geht’s dann, hoffentlich mit weniger Husten (gut, dass ein Antibiotikum im Gepäck ist!), weiter nach Salerno.

2 Kommentare

  1. Axel sagt

    Ich wünsche Fritz gute Besserung! Eure Tagebuch-Einträge lesen sich recht angespant, Ich kann auch eurem Gedanken folgen, dass man in der Hauptsaison keine Luft zum Atmen bekommt.
    Hoffentlich radelt ihr bald durch „Landschaft ohne viel Trubel – aber die verkehrsarmen kleinen Straßen führen wahrscheinlich steil bergauf-bergab
    P.s. Ich habe meinen Vortrag für den 9.4. fertig :-)

    • Karin sagt

      Hi Axel, wünschen Dir viel Erfolg beim Vortrag!! Die SS18 ist steigungsmäßig eigentlich sehr in Ordnung – wenn wir denn fit wären.
      Ganz liebe Grüße

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