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Nicaragua

Zu diesen beiden Vulkanen im Nicaragua-See gibt es eine Geschichte von zwei Liebenden aus verfeindeten Stämmen, die natürlich tragisch ausgeht. Die beiden Vulkane stehen da für zwei ganz bestimmte Körperteile der Frau.
Aus Nicaragua kamen in den letzten Monaten ja durchaus beunruhigende Nachrichten über politische Instabilität. Wir hatten auch schon in Betracht gezogen, uns an der Grenze in einen Bus zu setzen und direkt nach Costa Rica durchzufahren. Mal gut, dass wir das nicht gemacht haben!
Die Einreiseformalitäten waren so aufwändig wie sonst höchstens in Zentralasien erlebt. Haarklein wurden die bisherigen Grenzübertritte nachvollzogen. Dann dauerte das etwa eine Stunde, in der Erkundigungen eingezogen wurden, vermutlich wohl, ob wir Leute sind, die zusätzlich Ärger machen würden. Diese Überprüfung haben wir mit je 12 $ bezahlt und durften dann rein.
Wie in El Salvador ist die Revolution ja noch nicht so lange her. Wir erinnern uns noch gut an die Solidaritäts-Kampagnen der frühen 80er, vor allem die TAZ-Aktion „Waffen für El Salvador“, und natürlich haben wir Kaffee aus Nicaragua getrunken.
Nach Übernachtung in einem Hostel direkt nach der Grenze waren wir vollkommen begeistert über die nahezu perfekte Straße, die wir mit Ochsen-und Eselskarren und einigen Autos teilten. Dann sind wir aber durch schlechtes oder wenigstens missverständliches Kartenmaterial auf die fieseste Dirt-road des Monats gekommen mit kalbskopfgroßen Steinen, Treibsand und Bachdurchfahrt, 20 Km.


Aber wenn wir da nicht gefahren wären, hätten wir die Goldsucher nicht getroffen! Die zerknacken und zermahlen große Felsbrocken, die sie aus irgendwelchen Vulkanen bekommen und waschen das Steinmehl. Auf diese Weise gewinnen sie täglich 30 g Gold, aktueller Marktpreis etwa 1.100 €. Gearbeitet wird je zu zweit im Schichtbetrieb 24 Stunden.

Wie vorher die als besonders aufmüpfig bekannte Uni-Stadt Leon haben wir die Hauptstadt Managua so weiträumig wie möglich umfahren. Von irgendwelchen Unruhen haben wir jetzt nichts gemerkt, wohl ist aber die Polizeipräsenz sehr auffällig. Nicaragua ist ja das größte zentralamerikanische Land und wir kennen nun gerade mal ein wenig die Pazifik-Region, und die ist wunderschön!

Die zweite Übernachtung hatten wir in einem Stundenhotel im Ort Sandino, benannt nach dem Revolutionär, der 1934 ermordet wurde, und nach dem sich auch die Guerilla Sandinisten genannt haben. Der unscheinbare Vulkan Masaya in der Nähe soll während der Somozazeit und der Revolution eine schlimme Rolle gespielt haben. Vom nahen Militärgefängnis soll eine unbekannte Zahl von Gefangenen von Hubschraubern aus in den ständig rauchenden Krater geworfen worden sein. Der Mensch ist des Menschen Wolf.

Ich verbinde ja gerne das Radfahren mit gelegentlichen Tauchgängen, und da schien ein Tauchgang in einem Vulkankratersee ja mal was Besonderes zu sein. Haben wir uns also zur Laguna Apoyo aufgemacht. Da gibt es eine Tauchbasis mit einem Hostel, als soziales Projekt organisiert. Bis zu den Unruhen im April/Mai hatten sie täglich Tauchgänge, seitdem ist der Tourismus völlig eingebrochen. Vor ein paar Tagen waren ein paar Franzosen da. Wir waren jetzt die einzigen Gäste. Der See ist vom Regenwald umgeben, Hörnchen und Brüllaffen turnen durch die Bäume, bunte Vögel kreischen und klauen Hundefutter. Es ist wie im Paradies!

Der Tauchgang war easy aber auch schön. Der Seegrund ist eher sandig-mulschig mit einigen Haufen Felsen. Und zwischen denen kommt oft Wasser aus dem Boden, das noch viel wärmer ist als das sowieso 28° warme Seewasser. Und da gibt es dann auch reichlich Fische. Wenn man in den Seegrund greift, steigen Mengen Luftblasen auf; keine Ahnung, wie das zustande kommt!

Der Vulkankratersee ist, wie man sich das schon denken kann, von einem Kraterrand umgeben. Und der ist höher als der See. Folglich geht’s runter zum See und retour wieder hinauf. Und dann nochmal rauf und runter um den Kraterrand rum. Das war schon ganz schön heftig, tlw. 20% Steigung. Das Besondere an der Gegend: Überall sind kleine Gärtnereien mit blühenden Bougainvillen und anderen Pflanzen in Töpfen. Die letzten zwei Tage in Nicaragua stimmten uns auf das Thema der kommenden Zeit ein: Gegenwind! Nicht immer direkt sondern schräg von vorne, aber meistens kein Freund und vor allem heftig. Leider zeigt die Wetter App, dass es so bleiben soll: Wind > 40 kmh von Ost.
Viel Wind ist am Nicaragua-See wohl üblich, denn wir fuhren viele Kilometer an der ersten Windkraftanlage in Nicaragua mit Duzenden Windrädern vorbei bis wir – wie immer – einige Kilometer vor der Grenze zu Costa Rica auf den LKW-Rückstau stießen.
Inzwischen sind wir in Costa Rica.

1 Kommentare

  1. Hallo, ihr Unermüdlichen!
    Fast jeden Tag ein neues Land!
    Tolles Vulkan-Foto, mit euren Schatten im Vordergrund. Wünschen euch weiterhin viel Kraft, Gesundheit und Neugierde für den Endspurt.
    Wir sind seit drei Tagen zu Hause und versuchen uns wieder zu akklimatisieren…
    Alles Liebe
    Mecki und Rolf

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