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Ein paar weibliche Gedanken und Erfahrungen

Vor der Reise hatte ich mir lange Gedanken darüber gemacht, wie die Kleiderordnung im Iran für mich auf dem Fahrrad umzusetzen wäre, Kopftuch, weite lange Kleidung, die keine Körperkonturen erkennen lässt, Mantel etc. Dann beruhigten mich Iranerfahrene, dass lange Hemden, Treckinghosen und Kopftuch ausreichen würden. Dennoch war ich sehr unsicher und an der Grenze angespannt.
Ich hatte in Istanbul einen langen Schal gekauft, den ich mir nun mit viel Mühe um den Kopf schlang und mit diversen Haarklammern versuchte, das Verrutschen zu verhindern- was leider nicht gelang.
Der erste Abend in der Familie von Mohammed war für mich sehr entlastend. Seine Mutter, eine wunderbare Frau, gab mir im Haus als erstes zu verstehen, ich könne das Tuch abnehmen- sie hat ihr Kopftuch allerdings nicht abgelegt. Ihre 14jährige Tochter Sarah, sehr interessiert und modebewusst, war nach ein paar Stunden „uncovered“ und aus unserer westlichen Sicht völlig „normal“. Auf meine Kleiderfrage angesprochen, betonten alle, dass für Touristen sehr viel mehr möglich wäre, als für Moslems. Ich könne ein Buff-tuch unter dem Helm tragen, das eng anliegt, und die Ärmel und Hosenbeine durchaus etwas hochkrempeln; es würde nix passieren, denn wir wären Touristen und würden Sport machen; im schlimmsten Fall würde mich die Polizei anhalten und höflich darauf hinweisen, doch die Regeln einzuhalten.
Das ist also unkomplizierter als gedacht. Dennoch finde ich es sehr anstrengend und nervig, ständig etwas um den Kopf zu haben, und bei 30° C würde ich doch gerne auch!! den kühlenden Fahrtwind auf der Haut spüren können! Wenn wir zelten muss ich immer darauf achten, mich zuerst komplett vorzubereiten, bevor ich raus kann- ausgesprochen lästig!
Iranerinnen sind übrigens sehr phantasievoll und kreativ, was die Kopftuchordnung betrifft. In größeren Städten treffen wir alles, vom bodenlangen schwarzen Umhang, der mit der Hand oder den Zähnen vor dem Gesicht festhalten wird, bis zum lockeren bunten Kopftuch, das gerade mal den Hinterkopf bedeckt, enge Jeans und anliegende Jacken. In Dörfern überwiegen die schwarzen wehenden Umhänge. Manchmal regt sich die Emanze in mir und ich werde ziemlich wütend auf diese Männerwelt.
Auch der Umgang mit Frauen ist gewöhnungsbedürftig. Natürlich weiß ich, dass es die Höflichkeit den Männern verbietet, Frauen die Hand zu geben. Dennoch fühlt es sich schon merkwürdig an, irgendwie danebenzustehen und kaum beachtet zu werden. – Das stimmt so allerdings nicht ganz, denn der Umgang ist meistens doch ganz unkompliziert und die Männer sind sehr interessiert und hilfsbereit auch mir gegenüber. Unangenehme Anmache findet auf jeden Fall nicht statt, eher interessiertes Fragen. Das ist im Vergleich zu anderen Ländern sehr entspannend.
Eine kleine Begebenheit am Rande:
Wir fuhren auf der Landstraße und ein Mopedfahrer (die sind alle jung), überholte uns und quatschte Fritz an. Der war kurz angebunden und so kam er zu mir, fuhr einige Zeit neben mir und fragte mich einiges. Nach wenigen Minuten fuhr ein Polizeiwagen vorbei, der den Mopedfahrer deutlich wegscheuchte, sodass dieser Gas gab und verschwand. Kein Iraner würde die Frau eines anderen Mannes direkt ansprechen- und ich glaube, die Polizei möchte es nicht, dass Touristinnen belästigt werden.
Die Frauen sind meistens sehr offen und ausgesprochen freundlich. Öfters wurden wir- auch Fritz – von jungen Frauen angesprochen, die sehr interessiert fragten.
Insgesamt ist die Bandbreite, die wir hier an Auftreten und Verhalten von Frauen erleben, sehr viel größer, als je gedacht!
Wir haben ein kleines Projekt gestartet:
Wir wollen Frauen in ihrer verschiedenen Art und Intensität von Verhüllung fotografieren. Mit einem entsprechendem Satz auf Farsi, den uns eine Iranerin geschrieben hat, gehe ich auf Frauen zu und frage sie, ob wir sie fotografieren dürfen. So hoffen wir, die Vielfalt etwas darstellen zu können.

3 Kommentare

  1. Anneliese Raschkowski sagt

    Liebe Karin,
    Deine Kopftuch-Erfahrungen kann ich nachvollziehen! Wir, Ulrich u. ich, haben gerade eine Iran-Rundreise gemacht: vom 14. – 25. 05. 2015.! Sobald ich das Hotelzimmer verließ, war natürlich Kopftuch angesagt. Ich hatte mich mit Baumwolltuch und -schal eingedeckt; sie rutschen nicht ganz so leicht. Aber Du hast recht: “ewig” war ich mit “Kontrollgriff” damit beschäftigt, ob das Tuch noch auf dem Kopf saß. Für uns Ungeübte total lästig.
    Wie gut, daß wir nicht auch noch den schwarzen Shador tragen mußten. Insofern ist es nicht mehr so streng; die “Sittenpolizei” läuft auch nicht mehr herum.
    Land und Leute überraschend anders als erwartet.
    Alles Gute Euch und lieben Gruß, Anneliese

  2. Wolfgang Dr. Claus sagt

    Ich bewundere und verfolge Euere Fahrt sehr intensiv und freue mich das bis jetzt alles gut gelaufen ist. Weiterhin toi,toi,toi ! und gute FAhrt
    Euer in” Gedanken”-Mitfahrender
    Wolfgang Claus

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