Tagebuch
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Litauen

Nun sind wir also in Litauen. Die Straßen scheinen weniger befahren als bisher, sind aber auch in wechselndem Zustand: Kurz hinter der Grenze ging‘s über 15 km Schotter und Waschbrett. Kleine Dörfer, in denen aber überraschend fast immer ein kleiner Laden zu finden ist. Viele Leute sind mit Kartoffel-Nachlese beschäftigt. Eine Übernachtung hatten wir neben einem Restaurant mit einem Damwild-Gehege. Serviert wurden Kartoffelklöße, eine litauische Spezialität: zwei gegessen und man ist pappsatt. Die Suppe oben ist eine Art kalter Borschtsch, der mit separaten Kartoffeln gegessen wird – sehr lecker.

Etwas nördlich von Siauliai gibt es den „Berg der Kreuze“. Litauen war ja wie die anderen baltischen Staaten immer wieder von wechselnden Mächten beherrscht und dagegen gab es immer wieder Aufstände. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde  es üblich, auf dem Hügel Kreuze aufzustellen für die bei diesen Aufständen Getöteten. Besonders den Sowjets war dieser Ort ein Dorn im Auge, da er sich zu einem Symbol des Widerstands entwickelte; er wurde mehrfach zerstört aber subversiv immer wieder aufgebaut. An einzelnen der unübersehbaren Zahl Kreuze – riesige bis winzig kleine- sieht man noch Brandspuren. Heute ist das ein Wallfahrtsort; sogar Paul II. hat hier eine Messe gelesen. Bei Bedarf können am Eingang auch Kreuze gekauft werden.

Fahrradmuseen lassen wir ja selten aus. In Siauliai gibt’s auch eines. Da haben wir 50% Seniorenrabatt bekommen (Den Seniorenstatus nimmt man uns inzwischen auch ohne Ausweiskontrolle ab – irgendwie kränkend!) und 50% als Radreisende. Wir sind also tatsächlich umsonst reingekommen! – Beeindruckt hat uns die Geschichte des Liudas Alseika. Der war ein Mann mit vielen interessanten Fähigkeiten, unter anderem war er begeisterter Radreisender. Der ist 1960 als 73jähriger (!) mit 7 Kumpels zu einer Radreise von Litauen nach Chabarowsk gestartet. Er selbst ist am 20. Reisetag von einem LKW überrollt worden. Die Kumpels haben auf seinen Wunsch hin (den konnte er noch äußern) die Reise fortgesetzt und nach 11 800 km in sensationellen 162 Tagen Wladiwostok erreicht. Wenn man die damaligen Straßenverhältnisse und die primitiven Fahrräder (z.B. ohne Schaltung!)  bedenkt … : wir ziehen den Hut, oder den Helm!

Kaunas ist dieses Jahr Kulturhauptstadt Europas. Tatsächlich finden wir ganz viel Kunst im öffentlichen Raum und es gibt reichlich Projekte und Veranstaltungen, leider gerade nicht in den Tagen, die wir hier sind. Und es sind auch keinesfalls die erhofften Besuchermassen da: Corona und vor allem der Ukraine-Krieg haben den Tourismus platt gemacht. Die Grenze nach Belarus ist ja nicht weit …

Eine Anmerkung zu dem Denkmal Frau am Spinnrad mit lesender Tochter in der Fotogalerie: 1864 verbot der russische Zar Bücher in litauischer Sprache in lateinischer Schrift, nur kyrillisch war erlaubt. Daraufhin wurden Bücher mittels Buchschmugglern nach Litauen gebracht. Mütter brachten ihren Kindern mit geschmuggelten Büchern das Lesen ihrer Muttersprache bei. Das Denkmal erinnert daran. Ein Denkmal für die Buchschmuggler wurde von den Sowjets in den 1950igern entfernt, inzwischen wieder aufgestellt.

Es gibt dutzende Museen in Kaunas. Wir haben nur sehr wenige besucht. Eines ist ein kleines medizinhistorisches und Apotheken- Museum

Richtig spannend ist die StreetArt in Form von Wall-paintings, teils von einzelnen Künstlern, teils wohl auch als Fluxus-Projekte (interessant und schwierig zu erklären- bitte wikipedia fragen). Wir sind mal rumgeradelt und haben einige davon fotografiert.

 

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