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Südfinnland

Kürzlich hatten wir doch vermutet, dass hier eher ein Kamel als einen Elch zu finden wäre. Das hat sich bewahrheitet: vor ein paar Tagen sind wir an einem Hof mit Alpakas vorbei gefahren. Und die gehören zur Familie der Kamele, genauer der Neuweltkamele. Die haben wir zuletzt in den Anden gesehen.

Südfinnland hat ja nun nichts wirklich Abenteuerliches; das Wetter ist sommerlich, die Versorgung ist gesichert, gerade, dass wir gelegentlich wild zelten. Wir werden die Berichterstattung also etwas straffen.

In den letzten Tagen haben wir drei große Städte gesehen und ein Inselhopping im Archipelago gemacht. Der Start war Tampere, und da war das absolute Highlight der Dom aus der frühen Jugendstilzeit mit symbolistischen Kunstwerken. Dieses Haus hat uns beeindruckt wie selten eine Kirche. Als  wir da so andächtig saßen, hat der Organist Variationen über das Auenland-Motiv aus dem Herrn der Ringe gespielt, auch irgendwie skurril. — Sehr schön aber quasi ein Kontrastprogramm ist auch die Markthalle, Kaupahalli. Die gibt es in jeder größeren Stadt. Die ausgestellten Produkte sind zumindest immer ein Augenschmaus.

Der Hit in der Hafenstadt Turku war die Jugendherberge auf einem stillgelegten Linienschiff, der S/S Bore, extra mit Fahrradkeller, auf dem „welcome cyclist“ steht. Kabine winzig klein aber dafür ein super Frühstücksbuffet. Und viele Kunstobjekte am Rand des Flusses Aurajoki. Und Kneipen und eine wirklich schöne Atmosphäre. Die Fähren über den Fluss fahren ständig hin und her – natürlich umsonst.

Westlich und südlich von Turku gibt es eine Schären- und Inselküste mit hunderten von zum Teil winzigen Inselchen, den „Archipelago“. Die größeren sind mit Fähren verbunden (fast alle übrigens kostenlos), so dass wir da gerne der Inselhopping-Tour, dem „Archipelago-Trail“ gefolgt sind. Mit aufsteigendem Dunst fühlten wir uns fast wie in der Südsee. Der Archipelago-Trail wird auch als Rundkurs für Fahrräder beworben. Eine Fahrradservicestation (wohl ganz neu) hat uns schwer beeindruckt.

Und Helsinki? Wir haben gebummelt auf der Suche nach einem bestimmten Laden und haben die beeindruckende Architektur mit ihren vielfachen Jugendstilelementen bewundert.

Zum Abschluss noch ein paar Fotos von der Strecke. Von einer gewissen historischen Bedeutung ist der Salonwagen, in dem 1942 Hitler den finnischen Oberbefehlshaber Mannerheim zu mehr Engagement gegen Russland gewinnen wollte. Es ist ihm nicht gelungen. Die Figur auf der Kutsche erinnert mich an den schwedischen Film von Sjöström „Der Fuhrmann der Todes“ [1921 (!)]. Auch sonst haben wir einige Kunst am Straßenrand gesehen. Und endlich mal ein Reh. Überhaupt sehen wir ganz wenig Wild; wahrscheinlich fällt alles, was die Nase aus dem Unterholz steckt, sofort dem berühmten finnischen Jagdeifer zum Opfer.

Morgen verlassen wir Skandinavien und starten in Tallin die nächste Etappe unserer Reise –  durchs Baltikum.

1 Kommentare

  1. Michael Paschkowiak sagt

    Hallo ihr beide , wie immer ist es schön eure Kommentare zu lesen, und die Fotos anzusehen. Weiterhin eine gute Reise mit den Rädern. Gruß Marina und Michael

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