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Wir sind drin! Oder besser gesagt unten!

Das letzte mal als wir uns meldeten, saßen wir an einer Tankstelle im Schatten und schlürften Cola. Jetzt liegen wir auf Liegestühlen am Pool! Kein Witz! Und dazwischen? Na ja, von nix kommt nix, könnte man sagen. Die Nacht in Panamint Springs war um 3.00 Uhr vorbei; bis wir aufgerödelt hatten war es 4.00. Und tatsächlich hatte der Wind nachgelassen und ein wenig zu unseren Gunsten gedreht. Ich war noch ziemlich übermüdet und matschig im Kopf, als wir uns bei Quasivollmond (wie Fritz es geplant hatte) die ersten 5 km runterrollen ließen. Die hatten mir zwei Tage zuvor beim Raufradeln am Tagesende den Rest gegeben, trotz nur gelinder Steigung. Also, durch eine mondbeschienene stille Landschaft zu fahren, ist schon etwas ganz Besonderes. Hier, wo es richtig still ist, außer der schwarzen (übrigens sehr guten) Straße nur Geröll, Sand und die Umrisse von Felsen und Bergketten zu erkennen sind, ist das Gefühl noch ein wenig intensiver. Tatsächlich kamen ab und an Autos vorbei, langsam krochen die Scheinwerfer näher, huschten die Autos vorbei und krochen weiter den Berg hinauf. Denn nach den 5 km Einradeln ging es 18 km stramm aufwärts. Meistens um die 9%, wie Fritz am Navi sah. Ich konnte nichts erkennen, außer dass die Straße ziemlich langsam unter mir entlangwanderte. Wir hatten schnell vereinbart, jeden vollen Kilometer kurz anzuhalten, um Luft zu holen. Wir verkürzten die Distanz auf 750 m. Das klingt kurz, kann sich aber ganz schön lang anfühlen. Und ich hatte die Gelegenheit wieder etwas Neues über mich zu lernen. Fritz hat auch einen Begriff dafür: Kinetose. Kurze Symptombeschreibung: Beim Aufsteigen und Wiederanfahren an der Steigung wurde mir schwindelig, ich hatte Angst umzufallen, spontane Übelkeit, bis ich genug Fahrt drauf hatte, dass das Rad ausreichend Licht produzierte, sodass ich die Straße als Untergrund realisieren konnte und nicht nur als blinzelnde Lichtstrahlen im Nichts. Das fühlte sich ganz schön blöd an, und wurde erst besser, als es langsam dämmerig wurde. Zwischen Monduntergang und Dämmerung hatten wir übrigens einen gigantischen Sternenhimmel über uns, den wir in jeder Pause auf dem Rücken liegend nach Luft schnappend genossen. Mir half es übrigens auch, immer wieder Wasser auf den Kopf, die Stirn und den Nacken zu spritzen- zur Nachahmung geeignet. Um Wasser brauchten wir uns keinen Kopf zu machen, jeder schleppte ca. 7 l mit. Sobald die Übelkeitsphase vorbei war, konnte ich ebenso wie Fritz den Aufstieg auch irgendwie genießen. Es gab keine Serpentinen wie in den Alpen, meistens ging es einfach schnurgerade bergauf, dann eine Biegung und weiter. Um 8.00 Uhr hatten wir es geschafft; schneller als erwartet und passend dazu kamen wir dann aus dem Schatten in die Sonne. Und es folgte eine Wahnsinnsabfahrt ins Death Valley hinunter!! Ca. 25 km mit freiem Blick und ebenso gerade hinunter wie hinauf. Um 9.15 Uhr saßen wir bereits am Tisch vor einem Teller mit Rührei, Bacon, Toast usw. In Stovepipe Wells, unserem Ziel für diesen Tag, gibt es ein Hotel und ein Restaurant. Und übrigens einen Pool! Für Nichtgäste gegen einen kleinen Obulus nutzbar! Bis wir uns dazu durchgerungen hatten, lagen wir zwei Stunden im Schatten des General Store auf den Sitzbänken und dösten schwitzend vor uns hin. Der Nachmittag war genial erholsam. Und auch irgendwie irre. In der Wüste im Pool zu liegen. Na ja, DeathValley ist ja mehr als eine Wüste. Das haben wir inzwischen gelernt. So viele verschiedene landschaftliche Besonderheiten, die Sanddünen, Gesteinsformationen, Pflanzen („Devils cornfield“) – der Film im Visitor Center in Furnace Creek hat uns ein bisschen gebildeter gemacht. Nach dem erholsamen Nachmittag sind wir heute Morgen um 5.00 aufgestanden und von 6.30 bis 9.30 Uhr geradelt. U.a. Sonnenaufgang vor Sanddüne. Kleine Etappen, aber anders wäre es kaum machbar. Hier in Furnace Creek gibt es ein Hotel mit Golfplatz, Tennisanlage und großem Pool. Und das wohl schon seit den 40igern.
Morgen machen wir einen Tagesausflug zum Badwater Bassin. Wieder frühmorgens, um möglichst vor 10.00 Uhr aus der Sonne zu sein. Das wird allgemein angeraten und fühlt sich auch ratsam an bei Tagestemperaturen über 40°C. Übermorgen werden wir dann wieder eine Nachtrunde einlegen um aus dem Tal Richtung Osten rauszukommen. Denn da gibt’s eben auch eine große Bergkette, über die wir drüber müssen. Und vor Las Vegas einen weiteren Buckel. Aber das ist ja so gewollt und übrigens gutes Training. Der Körperumbau geht zwar etwas langsam vonstatten als früher, aber unser Wahlspruch lautet inzwischen auch „slowly, slowly“. Und damit kommen wir ganz gut klar – bisher.
Eine wirklich große Überraschung für uns sind die vielen deutschen Touristen. Klar wissen wir, dass viele schon „da“ waren, und dennoch ist es überraschend, dass es bedeutet, dass eben auch gerade jetzt viele da sind.

4 Kommentare

  1. Rudi Schulze sagt

    Moin Karin, Moin Fritz.
    Nachdem ich Eure Abfahrt aus Vorsfelde mal wieder verpasst habe (war um 10.00 da, aber da ward ihr schon eine Std. unterwegs), wünsche ich Euch viel Spaß, viele neue tolle Eindrücke, die Ihr sicher wieder in einer Veranstaltungsreihe den daheimgebliebenen präsentieren werdet, immer genug Luft auf den Reifen und Wind von hinten! Vor allen Dingen : Bleibt gesund!
    Freue mich auf ein Wiedersehen. Rudi

  2. Das ist ja schon eine irre Gegend, fast wie auf einem anderen Planeten!
    Kommt gut wieder raus über Berge und Hitze…????

  3. Eike Bovensmann sagt

    Moin Ihr Beiden, ich bewundere Euch maßlos! Und ich beglückwünsche Euch dazu, dass Ihr Euch (immer wieder) dafür entschieden habt, Eurem Leben (immer wieder) neue Facetten hinzuzufügen. Weiter so, haltet gut durch und seid weitwrhin wachsam & vorsichtig, ganz besonders wenn es nach Mexico geht!
    Liebe Grüße aus Wolfsburg, Eike

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