Die bislang letzten Bildungsausflüge waren Ravenna und Venedig. Ich gestehe, ich hatte wenig bis gar keine Ahnung von der Besonderheit von Ravenna. Wir gönnten uns eine Stadtführung und die war nicht nur erschöpfend für unsere Füße, sondern auch für unser Hirn. Drei Stunden ging es durch fünf verschiedene Sehenswürdigkeiten, sehr kompetent erläutert. Nun wissen wir etwas über klassische Mosaikherstellung, dass die Mosaike an den Wänden aus Glassteinchen bestehen und deshalb so haltbar sind, z.T. über 1.500 Jahre alt.
In einem kleinen Atelier sahen wir ein Mosaik, das in historischer Handwerkskunst hergestellt wird. Unglaublich aufwändige einzelne Arbeitsschritte zusätzlich zum eigentlichen Steinchenpuzzeln. Die meisten Mosaike werden natürlich einfacher und damit kostengünstiger angefertigt.
Ravenna hat ein Wasserthema. Es wurde als Küstenstadt gegründet und dann wanderte diese immer weiter ab; inzwischen ist sie ca. 6 km entfernt. Nichts destotrotz ist alles Schwemmland und die Stadt ist von Kanälen durchzogen, wie Venedig. Nur sieht man sie nicht, denn sie wurden irgendwann aus seuchenhygienischen Gründen überbaut. Das Wasser ist dennoch da und wird in einem kontinuierlich laufenden riesigen Pumpsystem rings um die Stadt abgepumpt. Fallen die Pumpen aus, steigt der Wasserspiegel innerhalb kürzester Zeit. Und gleichzeitig sacken die Häuser in dem sandigen Grund ab.
Was ich bei der Führung noch so gelernt habe: Ihre bedeutendste Zeit als Macht- und Handelszentrum erlebte Ravenna im fünften und sechsten Jahrhundert. Als Dante Anfang des 14.Jahrhunderts nach Ravenna kam, war es bereits eine Stadt mit dem Flair vergangener Größe. Dante ist in Italien Schulpflichtlektüre, wurde uns gesagt. Ich nehme die Neugierde auf ihn mit nach Hause – Fritz hat sich schon durch die Göttliche Komödie mit Erläuterungstexten durchgearbeitet, der Held.
In der Kathedrale Sant´ Apollinare Nuovo erfuhren wir anhand der obersten, ältesten Reihe von Mosaikdarstellungen einiges.
Die Jesusdarstellungen in den ersten Jahrhunderten unterscheiden sich stark von den späteren. Denn er wurde immer als stark und mächtig dargestellt, nix mit leidend, blutend, verwundet. Kreuzigungsdarstellungen gab´s nicht. Das kam erst später. Und auch Balthasar, einer der drei Heiligen, wurde erst mit der Ausbreitung des Christentums in afrikanische Länder dunkelhäutig, vorher war er hellhäutig (s. Mosaik). Auch die Vorstellung, dass das Böse, der Satan rot und die Hölle heiß sei und das Gute, der Himmel blau, war umgekehrt. Denn Blau ist eine kalte Farbe und die Hölle war früher kalt. Rot ist eine warme Farbe, deshalb für die Liebe und das Gute. (s. Mosaik)
Ich kann und will Euch nicht vollsülzen, außerdem hab´ ich das Meiste schon wieder vergessen. Hier also einfach noch ein paar Fotos zum Staunen.
Da Fritz schon seit ein paar Tagen wieder angefangen hat zu husten und wir uns ja doch einen gewissen Grad an Lernfähigkeit erhalten haben, war irgendwann klar, dass wir von Venedig, unserem letzten Kulturevent, nach Bologna mit dem Zug fahren werden. Also hatten wir Zeit für Venedig. Diesmal ohne geführte Tour, mit vielen Stadtbummeln, Laufen, Wasserbus, Umherirren zwischen den Gässchen, Brücken und Plätzen.
Wir zelteten auf einem noblen Campingplatz auf dem Festland, ließen das Rad dort und fuhren mit dem Bus in die Stadt. Lange Fahrten auf Brücken und Dämmen hatten wir jetzt schon genug. Leider konnten wir dadurch das Fahrradparkhaus nicht ausprobieren, nun denn.
Venedig heißt: Kanäle und Gondeln, Paläste und Plätze, neue und alte Kunst. Und von all dem gibt’s zuhauf. Ach ja, nicht zu vergessen – Touristen! Wir waren am ersten Mai-Wochenende da! Am Samstag war das Gedränge in den engen Gassen und auf der Rialtobrücke schon ganz ordentlich. In die Kathedrale am Markusplatz kamen wir nicht rein, da der nächste Time-slot für die Tickets erst am Montagnachmittag verfügbar war. Am Sonntag war es dann nicht mehr ganz so voll in der Stadt.
Nun ein paar Eindrücke
Auf dem Canal Grande ist die Hölle los. Und dazwischen manövrieren die Gondoliere seelenruhig und präzise ihre menschliche Fracht. Eine halbe Stunde kostet übrigens zwischen 90 und 120 €.
Die venezianischen Paläste haben schon was. Und wo sonst der rote Teppich bis zur Auffahrt gerollt ist, geht er hier bis zum Anleger.
Die Gassen und Kanäle sind meistens eng, alles ist dicht bebaut und kommt man um die Ecke – schwupps – ein Platz mit Brunnen, Baum, Kirchlein, Café. Restaurants und Läden gibt es auch in den Gassen, einfach überall; man findet alles, von sehr edel und teuer bis zu massentauglichen Souvenirs.
Venezianische Masken kann man nicht nur käuflich erwerben, sondern auch selbst machen. Die Leute in dem Workshop hinter der Scheibe hatten anscheinend viel Spaß (s.Foto).
In einer Kunstgalerie, durch die wir gebummelt sind, hat uns der Wellpappmaschee-Krieger sehr beeindruckt. Murano-Glaskunst ist ebenfalls in jeder denkbaren Form zu bestaunen und zu kaufen.
Diese Vielfalt an Kunst und Museen war mir nicht so klar gewesen. Sogar ein Peggy-Guggenheim gibts hier-wir waren drin. Natürlich kann man sich hier tagelang geistig und kulturell bereichern lassen und dabei monetär verarmen, – umsonst gibt´s hier nur wenig.
Für uns waren drei Tage erstmal genug.
Am Montag setzten wir uns in einen Regionalzug nach Bologna und jetzt wettern wir hier die Regenphase ab. Morgen Nacht geht’s wieder zurück nach Hause. Inzwischen schniefe und huste ich auch.
Das war eine Radreise, die etwas anders lief als geplant. Wir haben das Beste für uns draus gemacht.

