Asien, Länder, Tagebuch, Touren, Vietnam
Kommentare 3

Auf der Küstenstraße nach Hoi An

Wir hangeln uns von einem Touristenhighlight zum nächsten. Aber während die meisten dazwischen den klimatisierten Bus oder gar den Flieger nehmen, genießen wir nach wie vor das Unterwegssein mit eigener Kraft. Auch wenn es ganz schön heiß ist und die Brühe nur so läuft. Dafür haben wir nun fast die ganze Zeit Rückenwind! Komisch, das wird mir nie langweilig, Hügel oder Gegenwind schon.
Einige Leute hatten uns gesagt, diese Strecke wäre eher uninteressant; zwar gut zu fahren, aber unspektakulär, etwas zum Kilometerfressen. Ja, z.T. stimmt es schon, denn die Straße ist oft vierspurig, ziemlich neu und es gibt immer wieder Versorgungsmöglichkeiten. Der LKW-Verkehr bzw. das Gehupe kann schon auf die Nerven gehen. Aber insgesamt sind es gute Tage, und ich finde es angenehm, die Landschaft wirken zu lassen, immer mal wieder etwas Neues zu entdecken und zu sinnieren. Dabei heißt es aber immer gut aufpassen, denn alle naselang kommen auf der rechten Spur Mopeds entgegen.
Ich möchte einfach mal ein paar Blitzlichter, Gedanken und kleine Begebenheiten auf diesem Streckenabschnitt beschreiben.
Wir fuhren nicht nur Hauptstraße, sondern auch mal Nebenrouten, auf denen es sehr viel gemächlicher zuging. Fast wie bei uns, wenn man sonntagmittags durch Dörfer fährt. Ab und an ziehen Ochsenkarren vorbei, meist jedoch Fahrräder oder Mopeds, mit allem beladen, was Haus, Hof und Feld so hergibt oder benötigt.

Zurzeit ist hier Reisernte. Und so sehen wir wieder verschiedenste Erntemethoden, von kleinen Mähdreschern bis zur Sichelernte. Die Straßen werden zum Trocknen des Reis genutzt, ebenso wie zum Trocknen des Kuhdungs.

Es ist etwas merkwürdig für uns. Einerseits fahren die Vietnamesen fast alle mit Mundschutz, ja laufen damit rum als normales dekoratives Kleidungsstück- vermutlich wegen der Luftverschmutzung und des Staubs. Und gleichzeitig streuen sie ihr Grundnahrungsmittel auf die Straße, und lassen es überrollen und bequalmen. Nicht nur der Reis wird an der Straße getrocknet. Viele Früchte, Gemüse, Fische, Holz, Bambus und Reispapierfladen auf Gestellen.

Abgesehen von den hygienischen Gedanken, die einfach zu europäisch sind, gefällt mir diese Art des Straßenlebens gut. Die Menschen sind draußen, werkeln, nähen, schweißen, kochen, essen, dösen, spielen, erzählen,… alles direkt an der Straße.

Auf der Hauptstraße: Straßenkontrolle. Rechts am Straßenrand stehen schon einige Laster, ein Polizist geht mit Kelle und Stock mitten auf die linke Fahrspur und zeigt dem kommenden LKW deutlich: „du-stop-da raus!“ Wir fuhren in ca 30 m Abstand am rechten Rand und konnten es gut beobachten. Der angesprochene LKW Fahrer reagierte indem er einfach weiterfuhr! Kein Fuß vom Gas, keine Lenkerbewegung, sondern einfach stur weiter. Der Polizist sprang wirklich im allerletzten Moment zur Seite und wurde dabei noch fast touchiert. Er schimpfte, wir waren gespannt, was nun passiert. – Nichts! Der LKW fuhr unbehelligt von dannen und der Polizist nahm sich den nächsten LKW vor. Man stelle sich dies auf unsren Straßen mit unsrer Polizei vor! Keine 30 sec. Später wären doch die ersten Polizeisirenen zu hören und die Einsatzbeamten reagierten garantiert sehr angespannt. Wir wissen natürlich nicht, welche Hintergründe und Kontexte hier walten. Vielleicht war es eine Polizeikontrolle auf eigene Faust und in die eigne Tasche und der LKW-Fahrer hatte schon genug bezahlt für heute. Wer weiß.

Wisst Ihr wie Erdnusspflanzen aussehen? Zuerst fielen uns die trocknenden Erdnüsse am Straßenrand auf, die ausgerissenen Pflanzen wurden häufig auch getrocknet. Dann sahen wir die Felder. Vielleicht kann ich ja zuhause in einem Töpfchen eine Erdnusspflanze ziehen? Man müsste nur an frische Erdnüsse kommen.

Was uns immer wieder auffällt sind die vermummten Frauen. Ja, teilweise sieht man kaum die Augenschlitze. Wäre es ein muslimischer Staat würden wir aufschreien ob dieser diskriminierenden Kleiderordnung. Lange Hosen, lange Ärmel, Handschuhe, Hut, Helm oder Mütze mit angenähtem breitem Stoffband bis auf die Schultern, teilweise mit Gesichtsschutz, oder separatem Mundschutz. Und das Ganze bei 40°C und hoher Luftfeuchtigkeit! Die vietnamesischen Frauen mögen es gerne weiß! Helle Haut ist wichtig, dafür schwitzt man schon mal. In jeder Creme ist ein Whiteningfactor enthalten. Ich glaube, sie lachen sich manchmal halb tot, wenn sie sehen, wie gebräunt wir durch die Gegend radeln.

Trocknende gefärbte Binsen oder Schilfblätter am Straßenrand, dann wieder die fertigen bunten Bastteppiche ausgebreitet oder gestapelt. Wie so häufig sehen wir diese Dinge eher auf Nebenstraßen und nur in begrenzten Regionen, dörferweise.

Überall gibt es allerdings Fischteiche, Shrimpsfarmen, auf dem Wasser wunderschöne Fischerboote.
Große Netze wirken wie Spinnweben in einem Altweibersommer.
Runde kleine Boote aus Bambus, gelackt, geteert oder sonst wie wasserfest gemacht, sind keine Touristenattraktionen sondern Arbeitsgerät.

Die Versorgung tagsüber besteht oft aus Reis mit irgendwas oder Nudelsuppe. Da Fritz weder Suppen- noch Nudel-Fan ist suchen wir nach einem Schild, das beides verspricht, denn ich mag Nudelsuppen.


Handeln oder nicht handeln, das ist die Frage. Vor dem Essen nach dem Preis fragen oder darauf vertrauen, dass es das Übliche kostet? Wir halten es je nach Stimmung und Örtlichkeit. Wenn man keine Ahnung hat, wie hoch der reale Preis ist, lässt es sich schlecht handeln. Im Allgemeinen wird gesagt, mit der Hälfte des genannten Preises anfangen. Manchmal klappt es. Manchmal nicht. In touristischen Städten verlangen die Straßenhändler für ein Baguette oft das Doppelte von dem, was es sonst kostet. Da werde ich manchmal, wenn ich vorher frage, zickig und erkläre, das sei zuviel und ich zahlte nur den üblichen Preis. Manchmal lassen sie sich darauf ein, manchmal nicht.
Was oft bei Kaffee klappt- einfach das Geld passend zum üblichen Preis rüberreichen, also z.B. 10.000 Dong (0,40 €). Damit macht man klar, dass man nicht ganz unerfahren ist und sie nicht einfach das Doppelte verlangen können.
Aber auch bei uns sind ja Preise unterschiedlich, denke ich mir dann wieder. Bei Obst finde ich es am schwierigsten und fühle mich häufig übervorteilt. Und wenn ich ganz grandios nur die Hälfte bezahle, dann habe ich vielleicht 0,40€ gespart.
Bei Übernachtungen lohnt es sich durchaus mal nach Discount zu fragen. In Indien, Myanmar, Thailand, Kambodia- überall habe ich (Fritz mag das nicht so) geübt. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Hier in Vietnam handeln wir nur, wenn es uns im Vergleich zu anderen Zimmern zu teuer erscheint- bei Preisen um die 6 € fürs Zimmer incl. Klimaanlage, Dusche, sauberem Bett und wifi (TV brauchen wir ja nicht, ist aber immer dabei). Das ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis das günstigste Land, das wir bisher bereist haben.
In größeren touristischen Orten wie Na Trang oder Hoi An sind die Preise allgemein höher. Wir suchen uns dort meistens Guesthouses und Hotels im Preissegment zwischen 10 und 15 €. Es ginge auch günstiger, aber ein Bett im Schlafsaal nehmen wir nur im Notfall. Ein bisschen Luxus leisten wir uns halt doch.

3 Kommentare

  1. Matthias Mitulla sagt

    Hallo aus Wolfsburg. Mit Spannung und Aufmerksamkeit verfolge ich Ihre Reiseberichte. Zum Thema Mundschutz evtl. eine mögliche Erklärung. Wir haben in Japan unsere Reiseleiterin nach dem Tragen des Mundschutzes gefragt. Es tragen ja viele Japaner so einen Mundschutz, aber auch wiederum nicht alle. Wir bekamen folgende Erklärung: Mundschutz trägt man, wenn man andere vor Ansteckung schützen möchte und auch, wenn man sich selbst schützen möchte. In Geschäften mit Lebensmitteln fiel uns auf, dass praktisch alle Verkäufer/innen den Mundschutz trugen. Aber auch viele Schulklassen, die uns im Park am Kaiserpalast in Tokyo oder in den Tempeln begegneten trugen den Mundschutz. Und, so erzählte uns unsere Dolmetscherin, dass sie den Mundschutz nutzt, wenn sie noch keine Zeit zum Schminken hatte. Sie ist berufstätig, kocht aber täglich morgens bereits für die Familie die Speisen selbst. Da wird es manchmal knapp mit der Zeit. Dann trägt sie den Mundschutz und schminkt sich dann auf der Arbeit. Übrigens war von unserer Reisegruppe in Japan niemand krank geworden, was sich in der Woche nach Wiederankunft in Deutschland drastisch änderte. Ob es am Mundschutz liegt? Smile

  2. Christa Prüser sagt

    Danke für diesen wunderbaren Erlebnisbericht!
    Herzliche Grüße aus Wolfsburg von Christa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.