Wir machen einen Pausentag: Dieser Wind von 60 km/h aus Nordost ist gut für Kiter aber nicht gut für Radfahrer. Morgen soll’s nachlassen. Dann radeln wir nach Venedig. (F)
Kürzlich hatten wir eine drollige Unterkunft: Die Familie vermietet die Wohnung im Obergeschoss ihres Hauses nach dem Tod der Eltern vollkommen unverändert an Gäste. Wir kennen die Art der Einrichtung als „Gelsenkirchner Barock“. (F) Wir waren die ersten Gäste und die Gastgebenden waren ziemlich aufgeregt, ob auch alles in Ordnung ist. Fürsorglich deckten sie unsere Fahrräder ab, als es anfing zu regnen.
In Ancona kamen wir im Palazzo Jona unter, einem der ältesten Gebäude der Stadt und Geburtshaus eines Papstes, wie uns der distinguierte vornehme ältere Herr erläuterte, der uns das noble Zimmer vermietete. Die Einkaufsstraße strotzte nur so von edlen Läden und wir beschlossen in einem kleinen Streetfoodpizzastand mit ein paar Tischen den Gegenpol zu setzen. Am Fährhafen faszinierte uns das unglaubliche Management der ein- und ausfahrenden Fahrzeuge auf bzw. von den Fähren, gleichzeitig!
Da Ancona schon in sehr frühen Zeiten ein wichtiger Hafen und Wirtschaftsplatz war, stellten ankommende Seeleute eine permanente Seuchengefahr dar. Nach vielen leidvollen Erfahrungen bauten sie 1570 eine erste Quarantänestation – so würde man es heute nennen – für alle ankommenden Seeleute. Das heute noch stehende festungsähnliche Lazarett aus dem 17.Jh. konnte bis zu 3.000 Menschen in 5 abgeschlossenen Sektionen aufnehmen und versorgen. Heute wird ein Teil als interaktives Museum, Cafe und für Ausstellungen genutzt.
Wir radelten weiter die Küste entlang. In Rimini fanden wir beim Stadtbummel nicht nur eine wunderbare Fahrradbrücke, sondern auch einen „Bike Park“, d.h. ein Fahrradparkhaus am Bahnhof.
Rimini verehrt Fellini, nicht nur mit einem Fellinimuseum, sondern auch mit verschiedenen Reminiszenzen.
Das Fahrradparkhaus wird von einer Kooperative betrieben. Wie man auf den Fotos sieht, gehört ein Werkstattservice, Fahrradverleih, Akkuladestation, Gepäckaufbewahrung und eine Bar dazu.
Wenn man schon mal da ist, und nach einer kurzen Wikipedialektüre, setzten wir uns in den Bus und fuhren rauf nach San Marino. Mit dem Fahrrad nicht zu empfehlen, da es eine enge Straße mit viel Verkehr richtig hochgeht, über 750 Meter auf 10 km. Der Ausblick ringsum grandios. Die Altstadt San Marino, ein Tourizentrum, besteht nur aus Straßen über 15% Steigung! An dem Wochenende fand ein Outdoorevent statt und wir waren von den Slacklineathleten völlig begeistert. Schaut Euch die Fotos an! Für mich war die wichtigste Erkenntnis (mal wieder), das Aufsteigen auf die Line nach einem Sturz und Weitergehen ist das Wichtigste. Und die Sicherheit zu haben, das zu können.
An der Küste unterwegs konnten wir viele tolle Fahrradbrücken befahren. So exotisch, wie unsere Verkehrsplanenden glauben, sind die gar nicht. Und wie man sieht, werden auch außerhalb der Fahrradländer Dänemark und Holland welche gebaut.
Inzwischen ist die Campingplatzdichte so hoch, dass wir meistens welche finden, die offen haben. Dabei haben wir mal unruhige Nächte wegen dichtem Zugverkehr 20 m vom Zelt entfernt, grelle Beleuchtung des Sanitärtraktes, 2 m entfernt und manchmal auch sehr entspannte Nächte.
Beim Einkaufen in Supermärkten fiel uns auf, dass Hunde nicht nur mitgenommen werden dürfen, sondern sogar spezielle Einkaufswagen zur Verfügung stehen.
Wir fahren oft am Strand entlang. Allerorten wird gestrichen, gehämmert, gefegt … Man spürt die Anspannung vor den nun wohl doch bald einsetzenden Touristenströmen.
Ach ja, wir sind übrigends gerade in Chiaggio. Im Laufe des Tages hat sich der Campingplatz zunehmend gefüllt und auf dem Spielplatz ist auf einmal richtig was los. Bisher waren es vorrangig Senioren in ihren Wohnmobilen oder Wohnanhängern, die eher ruhig in ihren Campingstühlen abhängen, wenn sie von der Fahrradtour zurückkommen.
In Kürze folgt ein Bericht zu Ravenna mit seinen grandiosen Mosaiken.

