Tagebuch
Kommentare 2

Zurück in Kalabrien

Zuerst ging es die Küste entlang. Die Vorstellung von Italien mit Sandstränden, Promenaden und Sonne ist ja doch tief verankert. Ab und an finden wir auch etwas davon. Dann wollen/müssen wir durchs wilde bergige Kalabrien. Und wieder fantastisch zum Wandern und Radfahren – derzeit mit schneebedeckten Gipfeln.

Eine erste Zeltübernachtung seit langem auf einem Campingplatz kurz vor Acri, der auf dem Eurovelo 7 liegt und Fahrräder verleiht, tat der Seele gut und der Körper hat auf der Isomatte nicht gemuckt. Erste Probe bestanden! In Acri hatten wir zwei Erlebnisse: 1. Ein Passionsspiel, das mit Hingabe, viel Aufwand und Kostümen (die armen Römer mussten nacktbeinig stundenlang ausharren – bei eisigem Wind) vor einer Kirche gegeben wurde. Nach einer Stunde verzogen wir uns in eine Kneipe zum Aufwärmen und Essen; das Passionsspiel dauerte ca. 3 Std!! 2. Wir entgingen knapp einer Verhaftung! Unser Campingplatz liegt ca. 2 km außer- und oberhalb des Ortes. Unsere Gastgeberin zeigte uns als Abkürzung den privaten Fußweg (google auch) durchs Gelände. Dabei mussten wir am Ende ein hohes verschlossenes Tor umklettern. Beim Rückweg strahlten uns justamente in dem Augenblick des Kletterns die Scheinwerfer einer Polizeistreife an und drei junge sehr ernste Polizisten fragten, was wir hier täten – natürlich auf Italienisch. Wir versuchten die Sachlage zu erklären, schwierig. Sie schrieben die Personalien auf und ließen uns mitteilen, dass wir die Straße nehmen müssten- und auf streunende Wildschweine achten sollten. Unterwegs sammelten uns unsere erstaunten Gastgeber auf und fuhren uns mit dem Auto zurück. Sie meinten, vorgestern hätte jemand in einem Stadtteil Stromkabel gekappt, sicher sei die Polizei deshalb so streng unterwegs gewesen.

Jetzt sind wir zurück in Sapri. Der Entschluss steht fest. Wir radeln morgen, Mittwoch, weiter. In kurzen Etappen, denn von Sapri geht es direkt hoch auf 700m. Oben wartet ein Teilstück Eurovelo 7 auf uns. Dem sind wir immer wieder begegnet, in Sizilien und vor allem in Kalabrien. Noch nie haben wir eine derartige Beschilderung und Bewerbung eines Fernradwegs erlebt! Und er geht durch eine fantastische Landschaft!! Wenn er auf der Landstraße geführt wird, stehen alle naselang Hinweisschilder und der Eurovelo ist Teil des Straßennamens! Leider werden wir unser Stück auf ehemaliger Bahntrasse wohl (mal wieder) im Regen fahren. Aber in drei Tagen wird das Wetter schön!! Hurrahh!! Dann wollen wir an der Küste Apuliens sein.

Nachschlag zu Sizilien: Trotz extrem vorsichtiger Fahrweise wurden wir wohl irgendwann geblitzt! Dabei haben wir oft genug Schlangen hinter uns hergezogen, weil wir uns weitgehend an die Regeln gehalten haben! Es können nur wenige km/h zu schnell gewesen sein und trotzdem 127€!!  Nun denn. Unsere Autovermieterin hat uns das Ticket gezeigt und wir haben brav bezahlt.

Manchmal denke ich mir angesichts der oft vernachlässigten Infrastruktur, ob Straßen, Häuser oder Schienen: Warum können wir nicht einfach die Sachen, die schon da sind, in funktionsfähigem Zustand erhalten, statt immer etwas Neues zu bauen und das Alte einfach vergammeln zu lassen?

2 Kommentare

  1. Axel sagt

    Ich war 1975 auf Einadung siilianischer Freunde ein paar Wochen auf Sizilien, habe mit deren Familien gelebt. Wir waren eine Bande junger Kerle, haben einen Ballon Rotwein vernichtet und und sind dann höchst belustigt durchs Land gefahren. Damals gab es noch keine Blitzer und mit vielen Polizisten konnte man „verhandeln“…
    Bestimmt ist das alles heute sicherer – aber auch weniger lustig

    • Karin sagt

      Tja, 1975 gab´s sicher noch nicht so viele Autos, die durch die Gegend gurkten. Und lustig finden es die jungen Kerle auch heute noch, scheint mir.

Schreibe einen Kommentar zu Karin Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert