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Sizilien mit dem Auto

Es ist schon ein anderes Unterwegssein. Im Augenblick ok, weil es die einzige Möglichkeit ist, überhaupt noch etwas von der geplanten Tour umzusetzen. Ich bin froh, dass Fritz fährt und übernehme dafür die Navigation mit dem Handy. Das klappt ganz gut, wenn auch an manchen komplexeren Doppelkreiseln mit unklaren Auf- und Abfahrten ziemlich stressig. Mit dem Rad hält man dann einfach an und schaut nochmal. Mit dem Auto geht alles so schnell! Das überfordert mich manchmal. Naja, irgendwie kommen wir dann doch dorthin wo wir hinwollen, sogar auf die Fähre!

Das Wetter spielt wie so häufig nicht richtig mit und so entscheiden wir uns für die Südroute. Erster Stopp in Catania. Unser Zimmer, in der engen Altstadt – natürlich ein einziges Einbahnstraßengewirr- ist winzig klein und vor allem, fast auf der Straße. D.h. ein ca. 40 cm breiter Gehweg, dann die Hauswand mit einer Holztür, die man öffnet; ca. 10 cm dahinter eine Stahltür, die mit dem Schlüssel aus der Box daneben (Code kommt per Whatsapp) geöffnet wird – und du stehst mitten im Zimmer, ca. 12 m². Ein Winzbad (ca. 2 x 1m) mit Falttür abgetrennt. Einzige Lüftungsmöglichkeit oben in der Tür, kein Fenster, nichts. Aber Gaskocher, TV, Internet, Klimaanlage, alles da. Hat schon was, aber immerhin zentral gelegen. Wir bummelten, verweigerten das Eintrittsgeld in eine Kirche und ließen uns treiben. Auf die Regengüsse reagieren die Straßenverkäufer sofort und zaubern Regenschirme aus dem Ärmel. Als die ganzen Touristenkneipen sich langsam füllen, wandern wir schon wieder in unser Kabuff. Das ist nicht so ganz unsere Welt.

Leider gestaltete sich der Plan, mit der Ätnabahn einmal um den Berg zu gondeln, als anspruchsvoll. Baustellen, Schienenersatzverkehr, Umstieg in die U-Bahn … Wir gaben unser Bestes, und es hat nicht gereicht. Aber am Sackbahnhof stromerte Fritz um die abgestellten Waggons und eine alte Lok. Im Nachhinein hätten wir eh nix gesehen, da Schneeregen. Wir hätten natürlich einfach zum Ticketschalter gehen können und fragen; das wollten wir auch nicht.

Syracus lag auf dem Weg und musste nun sein. Leider schüttete es mal wieder. Zurück beim Auto waren wir allerdings wieder trocken, bis auf die Füße.

Die Cava d`Ispica, uralte Höhlenwohnungen, Katakomben und eine in den Berg gehauene frühchristliche Kapelle waren sehr eindrucksvoll. Hier waren wir die einzigen Besucher, die durchs Gelände stapften, …

… in Agrigento, dem Tal der Tempel, strömten schon sehr viel mehr Kulturinteressierte an den alten griechisch-römischen Tempelanlagen vorbei. Auf dem Gelände sind einige Dutzend Stelen für verstorbene Freiheitskämpfende aufgestellt. Die Geschwister Scholl kennen wir alle; der Richter Giovanni Falcone hat beharrlich und unbeugsam gegen die Mafia ermittelt und wurde 1992 in Palermo von dieser ermordet.

Nun ging´s Richtung Palermo, quer über die Insel. Ich war wirklich sehr überrascht, wie abwechslungsreich die Landschaft auf Sizilien ist. Neben den Stränden, Bergen, alten Dörfern und Oliven-/Citrusplantagen gibt es Landstriche, die ziemlich intensiv mit Gewächshäusern bebaut sind. Dabei hat Sizilien inzwischen ein großes Wasserproblem – nur gerade jetzt nicht, in diesem Winter/Frühling!

Also zum Radeln wäre es eine große Herausforderung geworden, wenn auch wunderschön. Überall haben sie die Orte ganz oben auf die Bergspitzen gesetzt; da spart man sich die Stadtmauern. Und die engen Straßen schlängeln sich unentwegt auf und ab.

Zu Palermo haben wir in Wolfsburg wegen der Arbeitskräfte-Anwerbung in den 60ern (Film „Palermo oder Wolfsburg“ 1980, Regie Werner Schroeter) ein besonderes Verhältnis. Das Fahren in der Stadt war noch mal einen Zacken schärfer als sonst auf Sizilien. Geschwindigkeitsbegrenzungen, Überholverbote, durchgezogene Mittellinien interessieren hier niemanden. Vorfahrt wird individuell irgendwie ausgehandelt.

In Palermo gibt’s vor allem – zu viele Autos und zu wenig Parkplätze. Wir konnten unseren kleinen Fiat in einem Parkhaus für 24 Std unterbringen (30€); mit Parkservice. D.h. du gibst den Schlüssel ab und die Mitarbeiter parken dein Auto. Es ist ein interessantes Ein-Auspark-Verschiebespiel, aber am Ende bekommst du das Auto unversehrt wieder. Nach ausgiebigem Altstadtbummel war uns klar, ein Tag reicht.

Einmal von West nach Ost über die Insel Richtung Ätna. Teil-Ätna-Umrundung mit alten Lavafeldern und frischem Schneeregen.

Nach Savoca, dem berühmten Dorf mit der berühmten Bar Vitelli – ein wichtiger Drehort von „Der Pate“ – sind wir unendliche Serpentinen geklettert (das junge sportliche Radlerherz schlägt höher und seufzt, die gebrochene Rippe knirscht und freut sich über den Autositz) und haben dort eine luxuriöse Pause eingelegt.

Und dann ging´s wieder auf die Fähre, um noch zwei Tag Kalabrien zu erkunden. Diese Berglandschaften überall sind zwar beeindruckend, machen aber in Kombination mit dem kalten und nassen Wetter die weitere Planung nicht einfacher. Im Übrigen bestehen die Straßen Italiens zu mindestens 75% aus engen Kurven! Es ist einfach unglaublich!

Gesundheitlich geht’s Fritz wieder gut, die Stimme ist noch verkratzt, aber sonst ist er wohlauf. Mein Husten ist auch weitestgehend vorbei. Morgen sind wir zurück in Sapri. Dann wird sich zeigen, ob ich wieder vorsichtig aufs Rad kann. Wenn ja, werden wir mit dem Zug nach Apulien fahren, dort ist es flacher und das Wetter hoffentlich besser. Wir sind vorsichtig zuversichtlich.

 

 

 

 

 

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