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Die Anden rufen

Eine befreundete Kollegin hatte uns nach dem Unfall geschrieben und für die physischen und psychischen Verletzungen rasche Heilung gewünscht. Ich hatte ihr spontan geantwortet, die psychischen seien kein Problem. Nun stellen wir fest, dass wir doch auch Nachwirkungen in Geist und Seele spüren.
Im Grunde haben wir drei Ereignisse identifiziert, die uns nachhaltig berührt und irritiert haben. Bis vor 2 Jahren hatten wir immer das Gefühl und die Überzeugung, als Radreisende könne uns nichts passieren. Alle Welt mag diese Abenteurer, im schlimmsten Fall sind sie ihnen gleichgültig. Wir sind ja auch so ein bisschen “Machernaturen”, wenn auch vorsichtig und mit altersgemäßer leichter Demut gegenüber unseren physischen Grenzen. Das Motto “dream it, plan it, do it” hat uns nicht aus Zufall angesprochen.
Und nun haben wir vor ca. 2 Jahren erlebt, wie Fernradler auf dem Pamir-Highway per Anschlag ermordet wurden, dort, wo wir gefahren sind. Als nächstes mussten wir erfahren, dass ein Bekannter in Mexiko umgebracht wurde, noch ein Stück näher. Und nun sind wir selbst verletzt worden, ohne Chance der Beeinflussung! Das hat unsere Selbstsicherheit schon ganz schön ins Schwanken gebracht. Und derzeit bin ich SEHR aufmerksam, was der motorisierte Verkehr um mich rum so treibt.
Davon abgesehen, beeinträchtigen und beschäftigen uns die Blessuren mit täglichem Verbinden und auch schmerztechnisch mal mehr , mal weniger, aber sicher noch eine ganze Zeit. Das hält uns allerdings nicht vom Weiterradeln ab.


Inzwischen sind wir in Nacza gelandet. Dort wo die weltberühmten und rätselhaften Linien und Figuren in den Wüstensand gezeichnet wurden, vor über tausend Jahren! Von einem Aussichtspunkt konnten wir ein paar erkennen; im Museum Maria Reiche, die sich der Erforschung gewidmet hat, einiges darüber erfahren. Ein “Terra X” Beitrag zu den Geoglyphen ist übrigens hochinteressant.

Die nächsten 550 km nach Cusco werden die erste richtige Herausforderung, denn jetzt geht’s hoch! Für die nächsten 150 km haben wir ca. eine Woche eingeplant, da wir von jetzt 600 m auf über 4.100 m strampeln müssen. Und die Versorgung unterwegs scheint zwar mit einem Restaurant, einem Truckstop und einem Nationalparkeingang gegeben, aber man weiß ja nie… Also haben wir Proviant und Wasser eingepackt, um mit etlichen Kilos mehr langsam die Strecke anzugehen. Fritz hat Tabletten als Prophylaxe gegen die Höhenkrankheit mitgenommen und wir haben heute Coca-Tee besorgt. Also eigentlich sind wir gut gerüstet.

Falls wir uns die nächsten Tage nicht melden, macht Euch also keine Sorgen! Wir genießen die Höhenluft und Bergwelt!

8 Kommentare

  1. Helmut Marschhause sagt

    Hallo ihr Mutigen,
    wir freuen uns immer auf eure Berichte, erinnern sie uns an unsere Touren ( allerdings mit Auto, Flugzeug und Zug).
    Die Strecken am Meer und in die Anden sind landschaftlich sehr schön und voller Gegensätze.
    Wir hoffen, dass ihr die Fahrt in die Anden trotz der enormen Steigungen auch ein wenig genießen könnt.
    Ja, da bleibt einem schon mal die Luft weg und man hält lieber den Mund, anstatt auch noch zu fluchen.
    Wenn ihr (besonders in den Anden) mal Stöcke mit einer roten Fahne an einem Grundstück seht, das zeigt den Leuten an: “Hier gibt es frischegebraute Chicha”. Das ist so eine ganz spezielle Art von Maisbier.
    Unser “Lieblingsgetränk” in der Höhe war immer ” Mate de Coca”, was in allen Hotels in der Halle für die Gäste vorrätig war.
    Cuzco und seine Umgebung birgt eine umfangreiche Hinterlassenschaft diverser alter Kulturen. Uns hat immer wieder erstaunt, mit welcher Genauigkeit z.B. Steinblöcke so bearbeitet und zusammen gefügt wurden, dass ohne Mörtel große Gebäude errichtet wurden, die bis heute selbst starken Erdbeben standhalten. Auch die Handwerkskunst, die Landwirtschaft und die Astronomie der alten Völker waren genial und hätten es verdient gehabt, weitergeführt zu werden.
    Wir sind schon gespannt, wohin euch der Weg weiter führt und wünschen euch alles Gute
    Marianne und Helmut

    • Karin sagt

      Vielen Dank für den Tipp mit der Chicha. Den Coca-tee finden wir auch lecker. Die Steigungen sind bisher noch nicht fluchwürdig, nur anstrengend. Wir sind auch gespannt, wie es weitergeht.

  2. Inge Heitland sagt

    liebe Karin, lieber Fritz,
    eure Radeltour ist wirklich beeindruckend, sowohl in physischer und auch in psychischer Hinsicht. Es ist ein Segen, dass ihr zu zweit seid….Ich wünsche euch weiterhin viel Kraft und auch Freude für die grossartige Landschaft und auch für interessante menschliche Begegnungen.
    Alles Liebe, Inge

  3. Axel grauer Wolf sagt

    Ich drücke euch alle Daumen für eine unfallfrei und unbeschwerte Weiterfahrt!!!
    Alles Gute wünsche ich euch – bleibt heil und gesund
    Axel
    p.s.: Abenteuer und Risiko haben sicher eine inhaltliche Schnittfläche, aber es muss ja nicht gleich so heavy sein….

  4. Krause, Astrid sagt

    Liebe Wittens, alle guten Wünsche für die „ ansteigende“ Reise und bitte ohne Zwischenfälle! Da bekommt man ja Herzrasen bei solchen Berichten
    Viele Grüße von A.K.

    • Karin sagt

      Liebe Frau Krause, Herzrasen bekommt man schon wegen der Höhe und der dünnen Luft. Vielen Dank für die guten Wünsche

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