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Schon ziemlich weit oben

Vor dem ersten großen Anstieg auf über 4.100 Höhe hatten wir ja gehörig Respekt. Vor allem der erste Tag schien uns mit knapp 2.000 Hm gewaltig. Nun er war anstrengend, klar, aber Alpenbegeisterte würden uns beneiden. Es ging stetig bergauf mit angenehmen 6-8% Steigung und gigantischer Kulisse! Bis 1.500 Meter Höhe rechts und links kahle trockene Abhänge, “schluchtig” würde ein Freund sie nennen, Serpentinen und rücksichtsvolle Trucks – so kurbelten wir langsam hoch. Dann waren wir oben auf einer Hochebene mit trockenen Grasflächen und Stauden, entfernt in den Tälern Schafherden. Langsam gings weiter bis zu einem kleinen Restaurant “Paraiso”, wo wir hinterm Haus zelten konnten und auch etwas zu essen bekamen. Toiletten gab es keine, aber genügend Landschaft. Im Zelt wuselte plötzlich ein kleiner Skorpion rum, ca. 5 cm groß und so gelb wie die Gräser. Er war leider pressescheu und verschwand nach draußen, ehe Fritz die Kamera zücken konnte. Nun schütteln wir wieder besonders ausführlich die Schuhe aus. Es war nicht so kalt, wie befürchtet- wir waren auch erst 2.800 Meter hoch.

Den nächsten Tag hatten wir als Kurzetappe zur Höhenanpassung gedacht, 8 km und 300 Hm bis zu einem Truckstopp, wo es mehrere Restaurants geben sollte. Jaahh, es gab sie auch. Der Rest war leider so, dass wir weder Wasser noch irgendwelche Toiletten oder einen geeigneten Platz fürs Zelt fanden. Es war wohl eher üblich, direkt den Graben vor dem Haus als Toilette zu benutzen. Kurz, die Aufenthaltsqualität war nicht wirklich attraktiv, der Wind nach wie vor unser Freund und so beschlossen wir weiterzuradeln zum nächsten Etappenziel, dem Nationalpark Pampa Galeras. Auch dieser Tag war einfach gigantisch beeindruckend.

Am Ende waren wir doch sehr froh, nach weiteren 1550 Hm inzwischen auf 3.900 Metern aufgestiegen, endlich den Gebäudekomplex des Eingangsbereichs zu sehen. Die letzten 4 km ging es leicht bergab und unten angekommen waren wir völlig durchgefroren. So wählten wir die Variante Bett statt Zelt. Bei eisigem Wasser tut’s auch eine Kurzwaschung und wenn ein Bett zusammenkracht, dann kuschelt man halt im anderen etwas enger. Überraschenderweise trafen wir auf Monika und Georg aus Füssen, die seit 1 1/2 Jahren mit ihrem Toyota Landcruiser die Panamericana fahren. Anders als wir sind sie in Alaska gestartet. Ganz liebevoll kochten sie uns zuerst eine Kanne Tee, als wir uns bibbernd gegenseitig vorstellten. Und später, nachdem wir in einem winzigen Restaurant, eigentlich nur ein vollgestellter Laden mit einem Tisch, gegenüber des Eingangs, eine wärmende Lammsuppe gegessen hatten, saßen wir bei nettem Austausch im warmen Wohnmobil zusammen und bekamen sogar noch einen Hawaitoast!! Was für ein gelungener Tag!
Morgens knallte die Sonne und wärmte uns schnell beim Frühstück auf. Die Führung durchs kleine Museum machte uns wieder etwas schlauer und als Fritz ein Foto zeigte, das wir tags zuvor gemacht hatten, wurden wir sehr stolz: Wir hatten einen Condor im Flug gesehen! Einen “Macho-” Condor, wie der Führer betonte. Die wildlebenden Vicunas werden einmal jährlich in einem großen Fest zur Schur zusammengetrieben. Das Fleisch sei auch beliebt, ebenso wie bei den Chinchillas, die nicht gehalten, sondern nur gejagt werden. Allerdings nicht im Nationalpark.

Bis zum Pass mit über 4100 Metern waren es nur noch 9 km und die Landschaft änderte sich danach abrupt. War es vorher offene Steppe mit vielen kleinen Vicuna-Gruppen und vereinzelten Rindern, wurde es wieder mal landschaftlich dramatisch bei der Abfahrt. Unten im Tal überraschte uns intensive Terrassenfelderwirtschaft, Steinmauern wie in Wales, Schottland und anderswo, Aquedukte und Rückhaltebecken. Natürlich durften wir auf der anderen Seite des Tals wieder hoch, aber gemäßigt. Erstmals haben wir Cuy (Meerschweinchen) gegessen, nicht schlecht, ein bisschen wie Kaninchen. Auch erstmalig haben wir morgens Coca-Tee getrunken. Er schmeckt wie grüner Tee und wird hier überall angeboten. Ach ja, jeder Tag bietet seine Herausforderung. Diesmal war es der Wind. Spät nachmittags erreichten wir bei drohend schwarzem Himmel Puquio, dem ersten größeren Ort seit Nacza und dem letzten bis Abanacy. Hier gönnen wir uns einen Tag Pause, denn die letzten drei Tagen waren zwar wunderbar, aber doch ganz schön kräftezehrend.

Heute also Chillen, Wäsche, und Planen der nächsten 3-4 Tagesetappen bis Abanacy, auf dauerhaft über 4.000 Metern Höhe und wahrscheinlich Zelten.

6 Kommentare

  1. Michael Schröder-Schulze sagt

    Großen Respekt ihr beiden, da habt ihr ja ganz schön was weggekurbelt! So viele hm auf 2x echt krass.
    Die Pässe hier im Süden von Chile sind mit 1200-1300 m nur leichte Hügelchen dagegen . Allerdings quält man sich die in den Nationalparks oft auf üblen Schotterpisten mit fiesen Steigungen hoch.
    Lg
    Michi

    • Karin sagt

      Na der Respekt gebührt eher Dir! Wir sind ja Asphaltfans und versuchen Schotter und scharfe Steigungen zu vermeiden. Bei deinen Berichten erblasse ich, wenn du deine Höhenmeter erwähnst. LG Karin

  2. Hallo Karin,
    sehr nett, dass ihr uns sogar in eurem Blog verewigt habt. :-)
    Wir sind heute in Cusco angekommen und mussten während der Fahrt (auf und ab und auf und ab…) immer wieder mal an euch denken.
    Wir haben übrigens im Hof des Hotels Tampumayu (etwa 100km vor Abancay) übernachtet. Wunderschöne Anlage!
    Wir wünschen euch weiterhin starke Beine !
    Liebe Grüße,
    Monika und Georg

    • Fritz sagt

      Vielen Dank, Ihr beiden! Wir werden wohl noch 4 Tage bis Cusco brauchen. Aber die Steigungen sind ja (bisher!) meist um 6% und selten über 8%, also noch machbar. Viele Grüße und gute Weiterreise, Fritz

  3. Manfred sagt

    Hi ihr zwei,
    ab und zu schau ich mal nach euch und sehe heute erst euren Unfall.
    Vorher habe ich einige Male gedacht…ach ja… da wärste jetzt auch gerne.
    Aber nachdem was euch da passiert ist.. hätte ich laut geschrien….hallo Taxi….einmal nach Hause bitte.
    Ihr habt meinen höchsten Respekt fürs Weitermachen.
    Ich wünsche euch alles Gute für die weitere Reise.
    LG Manfred

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