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Zurück in Teheran

Morgens am Busterminal angekommen und mit dem Taxi zur Usbekischen Botschaft. Um 7.00 Uhr waren wir die 2. auf der Liste. Bis 9.00 Uhr trudelten noch einige Leute ein, u.a. eine holländische Familie mit drei halbwüchsigen Kindern, die auf dem Weg nach Malaysia waren. Sie haben zuhause alles aufgegeben, sind schon oft in Südostasien unterwegs gewesen und fühlen sich in Holland nicht mehr recht wohl. Am nächsten Tag haben wir sie nochmal vor der turkmenischen Botschaft getroffen.- Um 10.30 Uhr hatten wir unser Visum!! Nun schnell zur Visaverlängerungsstelle für das iranische Visum. Die Adresse hatten wir und als inzwischen routinierte ÖPNV- User fanden wir sie auch. Drinnen wurde uns mitgeteilt, dass wir woanders hin müssen. Ein Zettel mit Adresse natürlich in Farsi und die Beschreibung, dass es ein offizielles Gebäude sei. Große Enttäuschung und Verunsicherung unsererseits. Vor drei Wochen waren sie noch zuständig. Na ja, dann also los. Nein-kein Taxi. Irgendjemand erzählte was von Bus und wir versuchten es mit der nächsten Bushaltestelle. Nach zwei Anläufen waren wir drinnen und der Fahrer sagte uns Bescheid, wo wir raus sollten und dann umsteigen. Nur wohin? Wie so oft half uns ein netter Iraner, der in die gleiche Richtung fahren wollte, schleuste uns durch die Fahrkartensperre- ein neues System, das wir noch nicht kannten, und in die richtigen Einstiege- Frauen und Männer getrennt. In mir kommt dann immer ein leichtes Unsicherheitsgefühl hoch, die Befürchtung, uns zu verlieren. Aber alles war gut. Im Bus, proppenvoll, habe ich gelernt, dass wir im BRT- der Schnellbus- sind, der auf eigener Spur fährt und wir nun quer durch Teheran führen. Mir wurde ein kleiner Ingwer-Keks angeboten, und eine junge Frau war gerade ganz happy, da sie die Prüfung für ein Studium in München bestanden hatte und mich fragte, welche Sightseeing-points ich ihr denn in Deutschland empfehlen würde. Das fand ich gar nicht so einfach. Schließlich wurden wir noch von einer Frau mitgenommen, die mit uns ein Mitfahrtaxi teilte. Dann endlich, um 13.00 Uhr bei der Visaverlängerungsstelle. Dort wurden wir freundlich empfangen, mit dem Hinweis, wir sollten uns beeilen, wir hätten nur eine Stunde Zeit. Also los. Da wir schon alle Unterlagen hatten-ich musste übrigens keinen Tschador überwerfen!!- ging der Polizist mit uns direkt nach oben zum entsprechenden Beamten o.ä. Den Antrag mussten wir neu ausfüllen, dann das Geld bezahlen- entweder bei nächsten Bank, oder direkt auf der Straße bei einem Mann, der uns für ein wenig Aufschlag die entsprechende Zahlungsbestätigung gab. Der Polizist führte uns hin. Dann Unterlagen abgeben- Und da!! Mein Passfoto wurde nicht akzeptiert!! Dasselbe wie im Visum war jetzt nicht mehr ok, weil ohne Hejab! Aber auch dafür gab‘s die schnelle Lösung. Eine Frau nahm das Passfoto, scannte es ein und machte mir 9 wunderschöne Hejabfotos daraus. Dann endlich alles am Schalter abgeben und warten. Geklappt! Ohne weitere Fragen hatten wir um 13.45 Uhr unsere Visumverlängerung!
Nun zu unseren Rädern, die wir bei Prof. Rastan abgestellt hatten. In der Zwischenzeit hatten wir Kontakt mit einem Freund eines befreundeten Palliativmediziners aus dem Emsland, der uns eine Unterkunft vermitteln wollte. Was auch gelang. Sein Onkel wurde kurzerhand angerufen und er war willens uns aufzunehmen. Zufälligerweise wohnte er direkt um die Ecke und nach 1 km Fahrt waren wir seine Gäste. Er sprach sehr gut Deutsch, pendelt zwischen Ulm und Teheran, und wir hatten wieder einmal einen hochinteressanten Abend mit einem ungewöhnlichen Menschen. Er ist mit einer deutschen Frau verheiratet und sie lebten auch während und nach der Revolution in Iran. Er meinte, dass viele Deutsche, auch Frauen im Iran geblieben seien und dass z.B. der Hejab in den ersten Jahren kein Thema gewesen wäre und erst später eingeführt worden sei. Er gab uns den Rat, doch mal nach Berichten von Deutschen im Iran während und nach der Revolution zu suchen und zu lesen. Das ist eine gute Idee und wir geben sie hiermit an interessierte Leser weiter.
Am nächsten Tag ging´s wieder früh raus zur turkmenischen Botschaft. Dort tummelten sich schon ca. 20 Leute vor dem kleinen Holzfenster, in das man seine Unterlagen stecken muss in der Hoffnung, dass alles ok. Ist. Bei uns wurde erstmal gleich aus dem 7-Tage ein 5-Tage Visumsantrag, dann wurde alles zurückgereicht mit der Aussage, wir könnten das Visum in Mashhad abholen. Das war´s, irgendwie komisch. Nun denn, egal, 5 Tage heißt strammes Radeln und der Weg nach Mashhad durch die Wüste wird ein gutes Training dafür.
Nachmittags noch ein wenig Kultur: Das Teppichmuseum! Wirklich sehr schön. Als Freunde alter Handwerkskunst bestaunten wir die Exponate, Perserteppiche aus den letzten drei Jahrhunderten.


Dann zogen wir um zu unserem nächsten Gastgeber. Das war der Freund des Freundes des Freundes aus dem Emsland. Und er wartete schon seit zwei Wochen auf uns. Wieder welch ein Glück – wohnte er ganz in der Nähe. Hier blieben wir zwei Tage, herzlich aufgenommen und bewirtet. Wir besuchten den Golestan-Palast und gingen in die Berge wandern.



Zum Thema Ramadan, der am 18.06. begann, haben wir folgendes gelernt:
Alle Läden sind geöffnet, Restaurants meistens bis abends geschlossen, aber einige bieten Lunch zum Mitnehmen an. Reisende, Kranke, Schwangere, Alte und Kinder bis 15 Jahre müssen nicht fasten, Nichtmuslime natürlich auch nicht. Dennoch ist es eigentlich verboten, in der Öffentlichkeit zu essen und zu trinken.
Nach Aussage von Hassan, unserem Gastgeber, fasten nur ca 50% der Iraner. Die anderen essen und trinken zuhause ganz normal.
Seit dem 20. radeln wir wieder. Wir sind unterwegs Richtung Mashhad, ca. 850 km östlich von Teheran. Wir haben uns für die südliche Route entschieden, trotz Wüste und Sommerhitze. Die Route ist ca. 100 km kürzer und nicht so bergig. Außerdem denken wir, dass die Versorgungsinfrastruktur besser ist.
Nach drei Tagen in der Hitze sind wir allerdings ganz schön geschafft. Der heiße Gegenwind war so nicht eingeplant und die Möglichkeiten, im Schatten während der größten Mittagshitze Pause zu machen, sind begrenzt: es gibt kaum Schatten! Bei über 45 °C und zusätzlich heißer Backofenluft ins Gesicht ist mein Kreislauf doch ganz schön an der Grenze. Das Trinken von heißem Wasser (das ja auch 45° hat!) aus der Trinkflasche ist kein rechter Genuss, und so suchen wir die kleinen Shops an der Straße um kaltes Wasser zu kaufen. Fritz macht die Hitze nicht ganz so viel aus. Nächte im Zelt bei weit über 30°C sind machbar. Unsere hygienischen Ansprüche sind inzwischen sehr rudimentär, aber Spaß macht es trotzdem nicht, morgens wieder in die vom Schweiß gefleckten harten Klamotten zu steigen, selbst noch durchgeschwitzt von der Nacht. Die Waschmöglichkeiten sind je nach Situation sehr begrenzt. Das Vorhandensein einer Toilette ist schon super und ein Waschbecken mit fließend Wasser richtig toll. Über die visuellen und olfaktorischen Begleitumstände schweigen wir hier besser. Wir versuchen möglichst früh, zwischen 4 und 5 Uhr morgens zu starten, um vor der großen Hitze möglichst weit zu kommen. Leider war der Wind bisher auch nachts aktiv.
Deshalb haben wir beschlossen, in größeren Städten ein Zimmer zu nehmen. Jetzt sind wir in Semnan, genießen die Klimaanlage und die Dusche, versuchen das lahme Internet zu quälen und wollen morgen um 3.00 Uhr wieder los.

10 Kommentare

  1. Fieding und Helma sagt

    Liebe Karin, zu Deinem Geburtstag senden wir Dir herzliche Grüße
    und Freude und Glück Euch beiden für die nächsten Etappen.
    Eure Fieding und Helma

    • Karin sagt

      Liebe Fieding, liebe Helma,
      vielen Dank für die Geburtstagswünsche, auch wenn sie etwas früh sind! Wir bleiben hier in Mashhad bis zum 10.07. morgens. Und sicher werden wir vorher nochmal skypen.
      Wir freuen uns sehr über Eure Kommentare!! Ihr könnt uns übrigens auch eine email schreiben, die ist dann nicht öffentlich. So ist es auch sehr schön!!
      Liebe Grüße
      Karin und Fritz

  2. Susanne nykamp sagt

    Liebe Karin und lieber Fritz, ich habe gerade den perfekten Vormittag hinter mir. In WOB scheint die Sonne!! , ich habe ein schönes Frühstück auf der Terrasse und habe im Schwung die wundervollen Reiseberichte ab Serbien gelesen. Danke, dass ihr meinen Vormittag mit diesen Ergebnissen und Bildern so bereichert habt. Jürgen und ich wünschen euch eine gesunde und mit Menschen , Geschichten, Gerichten und Landschaften gefüllte gute Weiterreise. Lieben Gruß von Suse und Jürgen

    • Karin sagt

      Liebe Susanne, wir sind entzückt, dass wir Deinen Supertag etwas bereichern konnten! Wir fühlen uns bestärkt und werden dranbleiben.
      — Wir hoffen, dass es in Göttingen gut läuft! Herzliche Grüße auch an Jürgen, Karin & Fritz

  3. Fieding und Helma sagt

    Dank der Berichte sind wir stets auf dem neuesten Stand.
    Wir wünschen weiterhin gute Fahrt und als Begleitung
    viele Schutzengel !!!!!

    • Karin sagt

      Liebes Fieding, liebe Helma,

      Donnerwetter, Eure Internet-Kompetenz wird ja immer besser! Respekt!
      Und vielen Dank für Euer Lob!
      Herzliche Grüße aus der Wüste, Karin & Fritz

  4. Dagmar Schmidt sagt

    Wir schicken euch einen Tropfen Regen hier von zuhause 🙂
    Das kühlt – merkt ihr es ?? 🙂
    Haltet durch.
    Küsse und Umarmung von Dagmar und Andreas

    • Karin sagt

      Mehr davon, das Meiste ist unterwegs verdunstet!
      Liebe Grüße Karin und Fritz

  5. Ihr Lieben wir freuen uns sehr euch auf dieser Reise mit allen Berichten und Bildern zu begleiten. Spannend, aufregend, ergreifend. mitreißend und der Bericht von heute klingt nach Dauerlauf in Teheran um alles zu schaffen. da war wohl manches echt stressig. Auf jeden Fall Hut ab vor euch beiden. Wir grüssen euch aus dem kalten Deutschland und wünschen euch von Herzen alles Liebe und Gute weiterhin.
    Gisela und Wolfgang

    • Karin sagt

      Ihr Zwei habt ja wohl auch schon so einiges erlebt, um vor Euch den Hut zu ziehen!!
      Die schweren Dinge am leichten Ende anzuheben- diese Fähigkeit von Euch ist bewundernswert und manchmal üben wir das auch ein bisschen. Das Lachen fällt uns allerdings nicht so leicht wie Euch!!
      Eine dicke Umarmung von Karin und Fritz

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