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Bishkek und Yssyk-Köl

Nach einigen Tagen in unserem kleinen Radleruniversum, denn wir bewegten uns vorrangig im Umfeld unseres homestays zwischen Magazin, Supermarkt und Bazar, entschlossen wir uns doch, zum Yssyk-Köl zu fahren- wenn wir schon mal da sind.
Allerdings nicht mit dem Rad, sondern gemeinsam mit Patrik und seinem Vater, der ihn für eine Woche hier besucht, mit Taxi und Bus. Die Anfahrt war im Taxi zwar eng, aber entschieden schneller und bequemer als mit dem Rad! Ca. 150 km stetig bergauf mit Gegenwind; autobahnähnlich ausgebaut durch enge und weitere Schluchten, herbstlich bunt gesprenkelt. Nach dem ersten Stopp am See ging es auf der Nordseite im öffentlichen Kleinbus 3 Std. weiter bis zum andern Ende. Der See ist wirklich toll. Die ganze Zeit ging es mit einem fantastischen Bergpanorama durch kleine Dörfer- viel mehr als wir vermutet hatten. Auffällig waren die ungewöhnlich vielen Friedhöfe, die immer wieder in der Landschaft auftauchten. Hier in Kirgistan sind die Gräber aufwändiger gestaltet als in Tajikistan oder Usbekistan. Z.T. sind sie mit richtigen Mauern und Türmchen umbaut, sodass von Ferne der Friedhof wie eine alte märchenhafte Stadtsilhouette erscheint. Uns erstaunte die Anzahl der Friedhöfe und Fritz vermutete, dass es wohl schick oder irgendwie bedeutsam sei, sich hier begraben zulassen.

In Karakol fanden wir ein nettes guesthouse, das von einem krigisisch-holländischen Paar geführt wird; sehr zu empfehlen. (“Riverside hostel”) In Karakol gibt es eine alte Moschee und eine alte russisch-orthodoxe Kirche. Da wir in letzter Zeit wenig Kulturprogramm hatten, besuchten wir sie beide. Und ganz erstaunlicherweise durften wir in die Moschee nicht hinein!! Wir mussten zwar Eintritt bezahlen, um auf das Grundstück zu kommen, ein schön angelegter Garten mit vielen Rosen. Der Innenraum der Moschee war mit einem roten Seil abgesperrt und als ich, artig mit einem Hejab bedeckt, einen Geistlichen fragte, ob wir hineindürften- es war sonst niemand da, den wir hätten stören können, meinte er nein, denn erstens Frauen sowieso nicht, zweitens Männer, die sich nicht entsprechend der Regeln gewaschen hätten, auch nicht, und drittens Ungläubige generell nicht. Er sprach gut deutsch, denn er war länger in Deutschland gewesen und hatte im Goetheinstitut gearbeitet. Ich war platt und sagte ihm, dass wir bisher in allen islamischen Ländern Zugang zu den Moscheen erhalten hatten, teils mit separaten Eingängen und Bereichen, aber wir waren immer willkommen. Er meinte, in Kirgistan wäre es verboten, sie hätten diese islamischen Regeln. Auch mein Hinweis auf die sunnitische Türkei- hier sind sie auch Sunniten, fruchtete nicht. Ich fragte weiter, welche islamischen Regeln hier anders als in der Türkei seien, aber er meinte nur, dort gäbe es zu wenig Sunniten. Es blieb dabei, wir durften nicht rein und wir waren etwas irritiert.
Vielleicht ist das ein Anzeichen für eine stärkere Abgrenzung und Radikalisierung? Ich möchte dieses Erlebnis nicht überinterpretieren, aber es hat mir bzw. uns zu denken gegeben.
In die russisch-orthodoxe Kirche durften wir zwar hinein, aber es fand gerade eine Trauung statt und so zogen wir uns wieder zurück. Ca. eine halbe Stunde später redete der Priester immer noch eindringlich auf das Paar ein und wir hatten das Gefühl, er legte noch eine Lektion Lebensberatung obendrauf.

Auf der Rückfahrt nahmen wir die Südroute, zuerst im Bus, dann im Taxi. Wir übernachteten in einem Hotel, das eigentlich schon saisonbedingt geschlossen war. Die (vermutliche) Putzfrau lies uns rein und stellte auch das Wasser wieder an- am nächsten Morgen nach dem Frühstück auch gleich wieder ab. Im Sommer ist dort ganz sicher jede Menge los, die Saison ist allerdings wohl eher kurz. Und die Wintersaison ist noch weit weg.

Jetzt sind wir wieder zurück, der Flug ist endlich gebucht und morgen geht’s los Richtung Almaty.
Unsere Radlergemeinschaft ist damit erst einmal beendet. Patrik fliegt nach Nepal, Emil nach Bangkok, Katharina und Holger zieht es nach China, wie viele hier. Fredrika müsste schon dort sein.

Eine kleines ärgerliches Erlebnis hatten wir hier auf dem Bazar. Wir haben uns beklauen lassen! Zwei Stunden, nachdem ein anderer Radler über what´sapp geschrieben hatte, dass sie ihm die Brieftasche mit allem Wichtigen geklaut hätten und wir uns noch darüber gewundert hatten, wieso man seine Kreditkarte mit auf den Bazar nimmt. Tja und dann waren wir auf dem Bazar, mit den Rädern. Und kauften spontan Käsekuchen, den Fritz unbedingt waagerecht transportieren wollte- in der Lenkertasche. Die war voll mit dem üblichen Gedöns, das er nicht herausgenommen hatte, bevor wir losfuhren. Also packte er die Sachen in den kleinen Einkaufsrucksack, den ich auf dem Rücken hatte- für die Einkäufe. Dummerweise war auch der Geldbeutel dabei. Als ich wenige Minuten später mit einem komischen Gefühl nach hinten langte, – war der Reißverschluss auf und der Geldbeutel fehlte. Gottseidank war nur wenig Geld drin, dummerrweise eine Kreditkarte und andere Dokumente. Alles mehr als ärgerlich, vor allem weil wir so blöd waren. Der Schaden ist begrenzt, da Karten gesperrt, unsere “normale” Kreditkarte noch da, ebenso das Geld und der Pass. Also nehmen wir es als Warnung und Einstimmung auf Indien!
Und wir wissen mal wieder, dass auch uns passieren kann, was nicht passieren sollte!

2 Kommentare

  1. Wolfgang Dr. Claus sagt

    Ich bin immer noch voller Bewunderung über Eure Reise und warte schon immer auf einen neuen Beitrag. Aufgepasst in Indien:. bei einem meiner Einsätze in der 3.Welt war ich auch in
    Calcutta und da hat man mir vor meinen Augen einen Fotoapp. geklaut und einem Kollegen
    im Bus den Rucksack aufgeschnitten und auch eine hochwertige Kamera entwendet ohne das er etwas bemerkt hat. Also aufgepasst! Trotzdem Indien ist wunderbar bunt und interessant. Weiterhin alles Gute Euer Kollege Wolfgang Claus

  2. Dagmar Schmidt sagt

    Hallo ihr beiden Lieben,
    auch wir melden uns zurück :-)) Leider gab es keine Nachricht mehr im Puddingshop in Istanbul, aber egal. Wir wussten ja gar nicht, welch ein historisches Kommunikationszentrum der Puddingshop war und noch ein wenig ist :-)) Istanbul und Thira (=Santorin) waren für uns die größten Highlights der Reise. Aber natürlich auch die Vatikanischen Museen. Ansonsten sind wir gut erholt und freuen uns, dass ihr bald auch etwas Erholung haben werdet.
    Ganz dicke Umarmung von Dagmar und Andreas

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