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Tikal

Tikal ist sowohl Weltkulturerbe als auch Weltnaturerbe, sagt wikivoyage und gehört für viele Touristen zum Pflichtprogramm in Guatemala. Tikal war eine der bedeutendsten und größten Städte der klassischen Mayaepoche (3.-9.Jhdt). Neueren Forschungen zufolge sollen zur besten Zeit bis zu 50.000 Menschen in der Stadt und bis zu 1 Million in der Region von Tikal gelebt haben. Gegründet wurde sie schon 900 v.Ch. Allerdings dauerte es wohl 500 Jahre bevor feste Bauten entstanden. Bis ins 9. Jhdt. wurde noch weitergebaut (10.000 Bauten sollen es sein, die meisten unter dem dichten Dschungel nur als Hügelstruktur erahnbar), dann schwand erst die Macht und  anschließend die Menschen. Es dauerte 900 Jahre, bis die Stadt wiederentdeckt wurde. Ist das nicht irre? Anders als in Chichén Itzá in Yucatan liegt die Anlage 30 km weit im Dschungel und ist bei weitem nicht so stark mit Verkaufsständen bestückt. Kein Wunder, denn das Gelände ist so riesig, und die Wege so weitläufig, dass wohl nur am Eingang die kritische Kundenmasse erreicht wird. So erklären wir uns das Phänomen der Ruhe.

Ursprünglich stand Tikal überhaupt nicht auf unserer Liste, denn wir wollten ja ganz anders fahren. Wenn man aber schon mal in der Gegend ist… Und wie sollten wir hinterher unseren Bildungsbürgerfreundinnen und –freunden erklären, dass wir an diesem Highlight vorbeigefahren sind? Also beschlossen wir, uns zu bilden. Mit dem Rad hinzufahren hätte uns drei Tage gekostet, hin, anschauen, zurück, denn unsere Richtung geht nach Süden, Tikal liegt im Nordosten von Flores. Und davon 30 km durch den Dschungel auf nicht bekannter Wegqualität.

Nun dann eben einen Ausflug, schließlich gibt’s ja einige Tourenanbieter in Flores. Tja und damit begann eine neue Erfahrung. Was macht man, um sich zu informieren: Googlen; und liest Kommentare zu den verschiedenen Anbietern. Dabei wurde ich immer unruhiger, denn es gab anscheinend nur zwei, die überhaupt kommentiert wurden und die wurden ziemlich übel bewertet. Bis zu Erlebnisberichten von Überfällen auf den Kleintransporter, Abzocke beim Ticketverkauf, Beklauen von gelagertem Gepäck. Es war ganz gruselig. Schließlich  beschlossen wir, über unser Hostel zu buchen, denn die leben ja von zufriedenen Gästen. Aber ich gestehe, ich war hochsensibilisiert. Und so gebärdete ich mich sehr misstrauisch, um nicht zu sagen zickig, als ich das ausgestellte Ticket sah – Ausstellungsdatum statt Gültigkeitsdatum, für mich nicht erkennbar, ob Hin- und Rücktransfer, Guide in Englisch, bereits bezahlt oder nicht. Ich bestand darauf, alles deutlich aufzuschreiben, vor allem als ich erkannte, dass es genau die Agentur war, von der so viele abgeraten hatten. Eine halbe Stunde später klopfte es an der Tür und der Hotelangestellte nuschelte etwas auf Spanisch oder schlechtem Englisch von einem neuen Ticket, da die anderen morgen nicht fahren würden. Holla die Waldfee! Ich also wieder rumgezickt, aber letzten Endes das neue Ticket- diesmal schon richtig ausgefüllt, gegen das andere getauscht. Abends nochmal direkt zur Agentur gegangen, um uns zu versichern, dass alles sein Richtigkeit hat. Ja, alles klar, um 4.30 Uhr geht’s los. Es war eine extrem kurze Nacht, da, wie Fritz schon berichtete, Flores sehr intensiv feierte, während wir die falsche Strategie des Frühschlafens verfolgten. Am nächsten Morgen in der Dunkelheit durch die verlassenen Straßen Richtung Bussammelstelle – ok, es waren nur ca. 500 m – aber mit den Berichten über die allgemeine Sicherheitslage  im Kopf… Der nächste Punkt: Der Fahrer nahm uns das Ticket ab und gab uns ein anderes. Ich wieder zickig, aber er konnte mich überzeugen, dass alles i.O. sei, es sei das Rückfahrticket. Während der Fahrt durch die Dunkelheit wartete ich schon drauf, dass die bewaffnete Truppe aus dem Wald springen würde… Am Eingangstor mussten wir alle aussteigen und die Eintrittskarten kaufen. Plötzlich hieß es, man solle die Pässe bereithalten, sonst käme man nicht rein. Oh Schreck! Die hatten wir extra im Hostel gelassen! Am Schalter ging´s dann doch ohne, unsere Visitenkarte der website reichte, um unsere Tickets zu benamsen und ab dann entspannte sich die ganze Sache; bzw. wir begannen uns zu entspannen und konnten den Ausflug tatsächlich genießen.

Und was lernten wir wieder einmal? Zuviel Nachforschen und kritisches Informationensammeln kann Dich ganz verrückt machen. Und mit dem entsprechenden Argwohn steigt die Wahrscheinlichkeit, auch Kleinigkeiten als Wendung zum Schlechten zu interpretieren und das Augenmaß zu verlieren. Denn wir bleiben dabei: Die Menschen sind besser als ihr Ruf.

Unvoreingenommen betrachtet lief alles unkompliziert. Wir hatten nur die falsche Brille auf- die „Böse-Welt“ Brille.

Und nun gibt’s Bilder:

2 Kommentare

  1. Tolle Berichte! Und das über zu viel Nachforschen usw. dich ganz verrückt machen kann, stimme ich 100% zu. Ich war auch gerade in Mexico, danach Peru und Argentina und habe gelernt, die schlimme Berichte bei TripAdvisor und Co. zu ignorieren, und habe immer tolle Erlebnisse gehabt.
    Danke für Eure wunderschöne Berichte und wünsche Euch weiterhin eine schöne erlebnisreiche Zeit und alles gute.
    – Bob aus Hannover.

    • Karin sagt

      Hi,ja, manchmal sind Kommentare hilfreich zur ersten Orientierung, aber mehr auch nicht. Lesen, sortieren und locker bleiben- immer wieder eine hilfreiche Einstellung.
      VG aus Antigua

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