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Rückblick auf die letzten Tage in Vietnam

Zum Abschied hat uns Vietnam noch zwei besondere Begegnungen geschenkt.

Die Erste: Wir waren gerade mal 50 km aus Hanoi rausgefahren und wollten in der Stadt Chi Lang Pause machen. Da sprach uns ein Mann aus dem Taxi heraus an, in recht gutem Deutsch. Zuerst verstanden wir ihn nicht gut und reagierten etwas abweisend. Aber er blieb dran und schließlich war klar, dass er in Deutschland gelebt hatte und mit uns ein wenig reden wollte. Wir willigten ein und stoppten am nächsten Restaurant, wo er uns zu einem kleinen Essen einlud. Er erzählte, dass er lange in Deutschland, aber auch Italien und Frankreich gelebt und gearbeitet habe und nun wieder zurück sei. Er habe ein Frühstücksrestaurant und wollte es uns unbedingt zeigen. Außerdem heirate heute die Nachbarstochter und wir könnten doch mit ihm mitkommen. Nach kurzer Beratung- schließlich hatten wir eine längere Etappe geplant- stimmten wir zu und folgten ihm zu seinem Restaurant. Es heißt tatsächlich: Pho Gulasch! Und er ist sehr stolz darauf! Er verkauft zwischen 150-200 Essen pro Vormittag und den Rest des Tages bereitet es das neue Essen vor. Die restliche Familie ist mit eingespannt. Am frühen Abend durften wir gemeinsam mit seinen Freunden – man geht immer in einer Gruppe- zu der Hochzeit seiner Nachbarstochter. Sie lebt in Deutschland und ist mit ihrem Mann für die Hochzeit hergekommen. Wir haben uns kurz unterhalten. Sie erzählte, dass die große Hochzeit mit den alten Zeremonien im Dorf ihres Mannes stattgefunden hat- mit knapp 600 Leuten, was für Vietnam die absolute Untergrenze sei. Jetzt war ihre Familie dran mit Zelt, Bewirtung – und natürlich Karaoke. Wir waren ca. 1 Std dort. Ganz anders als bei uns: Wir (6 Personen) wurden kurz an einen Tisch gebeten und eine kleine Tasse Tee wurde eingeschenkt. Dann ging es ins Zelt an einen eingedeckten Tisch, auf dem schon mehrere Platten mit Essen stand: Reis, Papayasalat, gebratener Fisch, Hähnchen, Gemüse mit Schnecken, Gurken, Würstchen im Bananenblatt, Hühnersuppe. Wir aßen für uns, einige andere Tische waren ebenfalls besetzt, aber jede Gruppe aß für sich. Der Brautvater ging rum und trank mit jedem Schnaps. Auf dem Tisch stand eine Flasche mit (sicherlich) Selbstgebranntem. In dieser Stunde mussten wir alle paar Minuten ein Gläschen leeren- denn jeder wollte mit uns anstoßen. Dazu steht man auf, stößt an, trinkt das Tässchen leer, und gibt sich die Hand. Jedesmal und mit jedem, der mittrinkt. Es gab kein anderes Getränk zum Essen und wir hatten schwere Bedenken für den weiteren Verlauf des Abends, denn wir sind zwar Bier gewöhnt, aber von harten Sachen sind wir völlig entwöhnt. Die Braut haben wir übrigens nur einmal kurz gesehen -ich musste ein Gläschen mit ihr trinken-, ansonsten waren wir am Tisch uns selbst überlassen. Dann wurde zur Karaoke geblasen und uns schwante Schlimmes. Gottseidank entschied sich unser Freund ganz plötzlich, dass er noch etwas für morgen vorbereiten müsste und wir verließen (ohne uns zu verabschieden, das sei nicht nötig) die Sängerrunde. Doch statt in die Küche, schleppte unser Freund uns zur nächsten Straßenecke, wo sein jüngerer Bruder mit zwei anderen Freunden beim Bier saß. Da konnten wir natürlich nicht ablehnen und so ging es nun mit Bier weiter. Die Gespräche gingen ums Radfahren, Rauchen und Familie. Unser Freund dolmetschte und es war ein lustiger Abend. Bereits um 21.00 Uhr löste sich die Gruppe auf und wir taperten ins Hotel zurück. Am nächsten Morgen um 8.00 gingen wir in sein Restaurant vietnamesische Gulaschsuppe frühstücken- hatte nichts mit unserem Gulasch zu tun, aber war ganz lecker- fand sogar Fritz.

103 km später- wir suchten nach einem Hotel und beratschlagten gerade- wurden wir von einem jungen Mopedfahrer angesprochen, diesmal auf Englisch: Er sei auch Radfahrer, letztes Jahr durch ganz Südostasien geradelt und wolle uns gerne zu sich nach Hause einladen. Wir waren hin- und hergerissen, denn wir mussten unbedingt abends skypen und hatten uns dafür verabredet. Doch vietnamesische Radler waren uns noch keine begegnet und es war die letzte Gelegenheit- also sagten wir zu. Unser neuer Freund war 27, ein Mensch, der mit Rad und zu Fuß schon zweimal mehrere Monate unterwegs war. Jedesmal musste er wegen der Familie wieder zurück. Und nun plante er den nächsten Start, übte Ukulele für die Straßenmusik und arbeitete bei seiner Tante im Obsthandel. Diese Familienunternehmen beschäftigen zwar die Familie und ernähren sie auch, aber ein geregeltes Gehalt gibt es nicht. Unser Freund hat verschiedene Varianten im Kopf, wie er das benötigte Geld für Nepal (Visum und Flug)- da möchte er die Welterkundung starten- aufbringen könnte. Es ist wirklich nicht leicht. Übrigens war es das erstemal, dass jemand das politische System bzw. die Korruption  kritisiert hat. Er scheint ein freiheitsliebender Mensch, der voll drängender Sehnsucht und Neugierde auf die Welt ist. Es war berührend, mit ihm über seine Erfahrungen und Pläne zu reden. Dabei ist er sehr leise und zurückhaltend, vielleicht auch beherrscht. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen, dass er möglichst bald seinen eigenen Weg gehen kann. Es gibt Menschen, für die ist ein „normales“ Leben nicht das Richtige.

Mit diesen Gedanken fuhren wir am nächsten Morgen los Richtung chinesischer Grenze.

Und wurden ein weiteres Mal überrascht: Sowohl die vietnamesische als auch die chinesische Grenzkontrolle war einfach völlig unkompliziert. Alle freundlich und weder an uns noch unserem Gepäck sonderlich interessiert. Mittags waren wir in China!

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