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Grüne Wüste, blaues Wasser und Traumstrände

Wie fasse ich die letzte größere Etappe von Guerrero Negro bis Loreto am Besten zusammen? Ca. 160 Fotos (nach Durchsicht) verdeutlichen mir, durch wie viele verschiedene Landschaften wir geradelt sind und was uns unterwegs wichtig oder bemerkenswert war. Nur leider sind es für Euch höchstwahrscheinlich eher ähnliche Motive und mehr vom Gleichen. Wir zeigen sie Euch also nicht alle.
In Guerrero Negro übernachteten wir hinter einem Restaurant, dessen Besitzer Warmshowers- hosts sind. Das war sehr nett, natürlich aßen wir dann dort und kamen ins Gespräch. Die Frau, Ärztin, sprach Englisch, was die Sache für alle erleichterte. Wie in vielen Ländern konnte sie nicht verstehen, dass bei uns die (Groß-)Familien nicht zusammenleben. Steigende Mieten und airbnb sind auch in Mexiko ein Thema, genauso wie geringe Renten. Sie beschrieb uns zwei gute und preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten auf der Etappe nach Santa Rosalia und war die erste, die meinte, auf dem Festland wäre es für Radfahrer sicher. Entspannung war angesagt.

Außerdem meinte der Wind es in den nächsten zwei Tagen ausgesprochen gut mit uns, das Land war richtig flach und die Straße schnurgerade. In Vizcaino, einem Ort, der in der Landkarte gar nicht existiert- nur als Tankstelle, zelteten wir auf dem Gelände eines Hotels mit RV und campground- mit einem Sanitärtrakt, der ausgesprochen edel und liebevoll gestaltet war, wie die ganze Anlage.
Abends saßen wir gemütlich in einer überdachten Ecke und planten die nächsten Tage, als uns ein älterer Herr auffiel, der unentwegt vom Trakt mit den (edlen) Zimmern durch den Laubengang zum Eingangsbereich des Geländes marschierte, mal zögerlich, kurz laufend, anhaltend, drehend und zurück. Auf uns machte er einen verwirrten Eindruck, wie wenn er jemanden suchte, oder keine richtige Orientierung hatte. Nach dem gefühlten 10ten Mal Vorbeilaufen sprachen wir ihn an- ob wir ihm helfen könnten. Sofort kam er an, stellte sich vor und meinte, er mache seine abendlichen Laufübungen. Er entpuppte sich als Großgrundbesitzer einer Gemüseplantage von ca. 3000 ha mit 2000 Arbeitern ganz in der Nähe. Er sei 81(!), verwitwet und wohne in der Hotelanlage, die ein Freund von ihm betreibe. In Ensanada habe er eine große Villa, eigenes Flugzeug … er halte sich körperlich und geistig fit und sei kerngesund, worauf er sichtlich stolz war. –Und so warfen wir flugs unsere Hypothese über den Haufen und hatten was dazugelernt.


Am Tag drauf konnten wir im Casa de cyclistas in San Ignacio übernachten. Ein wunderbarer Platz, extra für Radfahrer. Eine Familie hatte vor ca. 4 Jahren nach Anregung und mit Hilfe von zwei Radlern ihren Hof umgestaltet, eine Dusche gebaut, den Boden zeltheringstauglich gemacht, wifi eingerichtet, Gästebuch und facebookaccount angelegt. Er hat einen Fisch-Taco-shop an der Straße (sehr lecker).

Auf dem Weg nach Santa Rosalia am Golf von Californien ging‘s wieder aufwärts. Und irgendwie war es ein Tag der Tierbegegnungen. Meistens Kuh- und Pferdekadaver in den verschiedenen Stadien der Verwesung, aber auch lebende Tiere: Straßenquerungen von Pferden, Eseln, ein Cojote. Ein Erdhörnchen, eine fünfbeinige haarige Spinne, ein (schneller) Roadrunner und etwas noch Schnelleres, das in einem Loch verschwand. Apropos Kadaver: Wir neigen derzeit zu der Hypothese, dass die Kühe und Pferde tatsächlich verdursten, denn die Wasserquellen sind rar und wohl auch meist nicht dauerhaft.
Eine weitere Hypothese zu den überall sichtbaren kleinen Kreuzen bzw. anderen Erinnerungszeichen von Verkehrstoten. Die Anschnallpflicht wird hier anscheinend nicht sehr ernstgenommen. Wir sehen regelmäßig zwei verschiedene diesbezügliche Verkehrsschilder an Landstraßen. Ein Piktogramm für Erwachsene und eins für Kinder/Babys. Wir haben allerdings noch nie angeschnallte Personen gesehen. Und die Menge an Personen, die häufig im Auto sitzt, könnte man auch nicht anschnallen. Wie bei uns früher, sitzen die Kinder vorne auf dem Schoß oder mehrfach gestapelt hinten. In Kombination mit langen ermüdenden Strecken, einer bröseligen Asphaltabbruchkante von manchmal 30-40 cm am Straßenrand und XXL-Trucks, die manchmal zentimetergenau die Straßenbreite füllen, sind kleinere Fahrfehler hier sicher öfter tödlich. Was die Trucks betrifft, haben wir schon häufiger, ganz gegen unsere Art, lieber angehalten und den Straßenraum freigegeben statt Selbstbewusstsein zu zeigen, besonders bei Seitenwind.

Santa Rosalia, eine richtige kleine Stadt, war lange französisch geprägt. Ein französischer Konzern baute hundert Jahre Kupfer ab. Inzwischen ist es ein koreanischer Konzern. Die Atmosphäre in dem Städtchen ist angenehm und entspannt. Die Kirche ist übrigens von Eiffel erbaut. Sie war zur Weltausstellung für Missionskirchen in Afrika gedacht und landete irgendwann in Santa Rosalia.

Ab jetzt ging es idyllisch flach am kristallblauen Meer mit palmengesäumten Stränden entlang…. dachten wir so, aber: Pustekuchen. Wie immer schmiegt sich die Straße der Landschaft an, d.h. ein ständiges Auf und Ab, ab und zu ein Blick aufs Meer, dann wieder ab Richtung Kakteen und Bergland. Die einen nennen es abwechslungsreich und scenic, die anderen …
Auf der Strecke nach Loreto gibt es allerdings wirklich sehr schöne Strände und einsame Buchten, mal mit kleinem Strandrestaurant oder auch mit nichts außer kleinen palmwedelbedeckten Unterständen und einem Menschen, der vorbeikommt und etwas Geld fürs Zelten nimmt. In Mulege, einem der wenigen Städtchen hier, haben wir uns Tauchermasken und Schnorchel gekauft und sie auch schon ausprobiert.

Hier in Loreto, einem richtigen Touristenort, mit Flughafen, Hotels und Touriläden haben wir Mecki und Rolf getroffen, ein Radlerpaar, das uns immer voraus war und hier eine Woche Pause macht. Auf dem kleinen Campingplatz sind ständig Fernreisende, meist motorisiert und oft schon länger unterwegs. Hier wird alles angeboten, von Tauchen und Schnorcheln, whalewatching (saisonal), Fischen über Kajaktouren und Maultiertrekking.
Wir nutzen zwei Tage Aufenthalt für die ersten zwei Tauchgänge auf einem Boot. Und sie waren fantastisch! Auf der Anfahrt eine große Delfinschule, die uns begleitete und dann durften wir mit Seelöwen tauchen! Ein absolutes Highlight! Fritz hat seine Kamera ausprobiert, die bis 15 m wasserfest ist.


Hier findet Ihr ein Minifilmchen: Seelöwen

Morgen geht’s mit frischgewaschener Wäsche weiter Richtung La Paz. Es werden wieder eher lange, einsame und trockene Etappen werden mit viel Gegend. Wir werden uns wohl in La Paz wieder melden.

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