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Eingewöhnen

Wir sind jetzt schon ein paar Tage hier und wir sind immer wieder überwältigt von der fast schwülstigen grünen und blühenden Pracht hier.

Es ist schwülwarm und so werden wir beim Radeln wieder gut durchfeuchtet bis tropfend. Auch beim abendlichen „Abhängen“ wird es kaum kühler. In den Zimmern routieren die Deckenventilatoren. Die kleinen Mücken sind höchst aktiv und lassen sich nicht so wie gehofft vom Zimmerwind ablenken. Moskitonetze sind nicht vorhanden und wohl auch nicht vorgesehen. Deshalb gehe ich jetzt mal davon aus, dass das Malariarisiko hier sehr gering ist.

Wir hatten uns darauf eingestellt, in Indien weder zu kochen- es gibt überall günstiges Essen- noch zu zelten-es gibt überall guest-houses und ist zu gefährlich.
Zwei Nächte haben wir schon gezeltet! In Agonda-Beach ganz am Ende ist ein Platz, der allgemein geduldet von Campern genutzt wird. Jetzt ist noch keine Saison, deshalb nix los aber wir trafen ein deutsches Pärchen aus Erfurt, die dort seit zwei Wochen mit ihrem kleinen VW-Camper stehen! Sie sind auch schon 7 Monate unterwegs, erstmal open end bzw. budget-limitiert. Es sei hier sicher, beruhigten sie uns. Ca. 300 Meter am Strand zurück beginnen die Strandhüttenresorts mit den Restaurants. Dort konnten wir frühstücken, denn wir hatten ja unsre gesamten Vorräte in Kasachstan aufgebraucht bzw. verschenkt. Die Hütten müssen jedes Jahr neu aufgebaut werden, bzw. zu Saisonende abgebaut. Auch deshalb ist jetzt überall emsiges Bauen und Werkeln angesagt.

Es war einfach traumhaft am Strand, nix los, außer einer kleinen Pferde- und einer Kuhherde, die den Strand sowie die Wiese rauf- und runterzogen. Mehrere Hunde, die sich (unsre tierliebe Nachbarin) inzwischen als Camperhunde definierten lümmelten ebenfalls dort rum. Eigentlich ganz praktisch, denn sie passten auch auf unser Zelt auf! Wir beschlossen, einen Tag dranzuhängen und die Einladung abends mit den Erfurtern und einer neuseeländischen Familie zu grillen, anzunehmen.

Nachmittags radelten wir ins nahe gelegene Palolem, ein Touri-ort voller kleiner Touri-läden mit dem üblichen Goa-Touri-kram. Ich kaufte mir allerdings tatsächlich eine lange weite Hose zum Radeln.- Leider hatte ich vergessen, dass Blau schrecklich ausfärbt! Bläuliche Beine sind auch ganz interessant.
Abends wurde am Strand bzw. am Camper gegrillt. Ein wunderbarer langer Abend mit interessanten Gesprächen! Die Neuseeländer, Eltern mit zwei Kindern (ca.8 und 11) sind seit einem halben Jahr in Asien als Backpacker unterwegs und müssen/wollen nun wieder zurück. Sie leben seit einigen Jahren in Australien (wegen des besseren Wetters). Dort könne man Kinder ohne Probleme ein halbes Jahr aus der Schule nehmen.
Wir trafen übrigens noch einen Deutschen am Strand von Agonda! Aus Goslar stammend lebt er seit vielen Jahren in Goa/Indien/Asien und in der Regenzeit in D. In einem Guest-house hörten wir vom Besitzer, seit vielen Jahren würde eine ältere Dame aus Berlin für sechs Monate ein Zimmer bei ihm bewohnen. Dieses Lebensmodell hat was für sich!
Der Linksverkehr ist nach wie vor eine Herausforderung! Vor allem an Kreuzungen, Kreiseln und beim links Abbiegen steigt der Adrenalinspiegel spontan gepaart mit einem kleinen Unsicherheitsgefühl. In den (kleineren) Städten ist der Verkehr schon ganz schön quirlig- und lauter. Durch ständiges kurzes Hupen machen sich die Verkehrsteilnehmer gegenseitig aufeinander aufmerksam. Wir sind mit unserer lächerlichen Klingel echt im Nachteil.

Am Strand trafen wir auf einen Vogel, der offensichtlich verwirrt, verirrt oder krank war. Er lies alle Menschen dicht an sich ran. Die Krähen begannen recht schnell sich um ihn zu kümmern- ein Riesenschwarm umlagerte ihn und nach kurzer Zeit wurden einige mutig und begannen ihn anzupicken. Er flog ein Stück am Strand entlang, nicht aufs Meer oder hoch, und nach ca 100 m setzte er sich wieder- gefolgt von den Krähen. Er wird wohl leider die Nacht nicht überlebt haben. Weiß jemand, was das für ein Vogel gewesen sein könnte?

Eine kleine Geschichte: Kleine Straße ohne Verkehr, rechts und links wie fast überall unbefestigter Straßenrand mit Graben oder kleinem Abhang. Auf der anderen Seite kommt ein Roller mit Frau und zwei Kindern hintendrauf. Sie hält am Straßenrand und plötzlich kippt der Roller weg. Kinder purzeln, Geschrei. Direkt auf unserer Höhe. Fritz – Vollbremsung- ich- noch mehr Vollbremsung, da kurz hinter ihm. Komme zum Stehen, allerdings nicht stabil, Rad bekommt Schlagseite, ich kann es nicht halten, kippe selbst um. Dummerweise ist der Straßenrand so nahe, dass ich mit dem Oberkörper eine Etage tiefer falle. Blöderweise liegen scharfkantige Steine rum- Glücklicherweise habe ich einen Helm auf, deshalb nur Helm-Stein-Ditsch und nix passiert. Außer Kratzer am Ellbogen und einer wohl gebrochenen Rippe. Übrigens ist der Family auf der anderen Straßenseite nix passiert.

Ich bin jetzt etwas gehandicapt beim Atmen, Radeln, vor allem Auf- und Absteigen, plötzlichen Bewegungen etc. Wusste gar nicht, wie häufig man diese Rippe so bewegt!
Mit Paracetamol und abendlichem Entspannungsbier geht es schon wieder! Und zurzeit fahren wir noch ausgesprochene Kurzetappen, max. 50km, zum Eingewöhnen und Goa genießen. Heute gönnt sich Fritz sogar einen Tauchtag! Wir haben eine der wenigen Tauchbasen gefunden und für heute zwei Tauchgänge vereinbart. So habe ich etwas Zeit zum Relaxen und schreiben!
Morgen sind wir schon raus aus Goa und fahren Richtung Pune. Dann beginnt das „richtige Indien”!

6 Kommentare

  1. Dietrich sagt

    Hallo , liebe Familie Witten!
    Es ist immer ein besonderes Erlebnis Ihre spannenden Reisebeschreibungen zu lesen, weil wir noch zusätzlich die Autoren kennen ! Gespannt warten wir stets auf einen neuen Bericht aus der Ferne ! Heute ist Frau Schaper unser Kaffeegast ,weil wir ihr die neuesten Bildberichte zeigen wollen . Uns geht es soweit gut und wir wünschen von ganzem Herzen ,daß der Rippenbruch gut heilt , sie gut voran kommen, diese Reiseetappe wieder genießen , uns weiterhin so aktuell Anteil haben lassen und daß Sie stets ein Quäntchen GLÜCK im Reisegepäck haben !Herzliche Grüße von F. Schaper , Fam. Dietrich und der Vorsfelder Pommernstraße

  2. Anneliese Raschkowski sagt

    Liebe Karin,
    vielen Dank wiederum für Eure Berichte und Fotos. Ich konnte mir dadurch schon mal einen wunderbaren Eindruck von Goa machen. Mal sehen, wie wir es antreffen.
    Euch eine gute, sturzfreie Weiterfahrt. 14 Tage werde ich ohne Eure Berichte sein. ( ich bin nicht so vernetzt) Umsomehr freue ich mich auf den Rückblick.

    Herzlichen Gruß
    Anneliese

  3. Gunter Schendel sagt

    Liebe Radler,

    beim heutigen Tauchen von Fritz können wir gedanklich dabei sein und wünschen viel Spaß!

    Die Tauchfreunde Susi (gerade Knie operiert) und Gunter

    • Fritz sagt

      Lieber Ggunter und Vereinskameraden, ich HATTE viel Spaß! Dank für Deine Nachricht und viele Grüße an alle! Fritz

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