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Comunidad Zutut´ha – ein ganz anderes Mexiko

Achtung, nun beginnt der Werbeblock! Gerade noch rechtzeitig für noch nicht gefüllte Gutes-Karma-Konten, Tue-Gutes-Vorsätze, Spendenbescheinigungen.

Bevor ich über das Projekt schreibe eine kurze Erklärung des Zusammenhangs. 2012 lernten wir Dali, ein Freund unseres Sohnes Julius kennen. Ein junger Mexikaner, der mit seiner Familie 2 Jahre in Wolfsburg lebte. 2016, kurz nach unserer Rückkehr, trafen wir ihn wieder und er erzählte, dass er mit einigen Freunden von Mexiko City nach Sotuta in Yucatan gezogen sei, um dort ein Ökoprojekt im Dschungel zu starten. Und er zeigte faszinierende Fotos von jungen Menschen, die Bäume fällten, Dächer aus Palmblättern bauten, rodeten und pflanzten. Das traf den Ökokommunardennerv in uns und für uns war klar: Wenn wir durch Mexiko radeln, werden wir sie besuchen. Und das taten wir.

Sotuta ist eine Kleinstadt ca. 70 km von Merida entfernt. Maya-Land, wie Fritz schon schrieb. Hier hat die Gruppe (Anfangs 18 Leute) durch Fügung oder weil es so sein sollte, im Dschungel, 6 km von der Stadt entfernt, ein Stück Land von ca. 10 ha zur Nutzung bekommen. Es ist Dschungel, kein Urwald, d.h. seit ca. 90 Jahren ist die Fläche nicht mehr genutzt worden und die Natur hat sich alles zurückgeholt. Ein Brunnenloch war alles an Infrastruktur, was noch da war. Und ein Weg, da in der Nähe noch eine Ranch bewirtschaftet wird. Dieser Weg erhält allerdings auf unserer Pamirskala (0-nicht vorhanden bis 10-bester glatter Asphalt) eine glatte zwei. Für uns kein Vergnügen, für MB-Fans eine schöne Warmlaufstrecke.

In der Stadt haben sie zusätzlich ein kleines Haus. Das Stadthaus war und ist wichtig als Basis, bevor sie im Wald wohnen konnten, für Internet, Außenkontakte, Meetings und Besucher. Ein altes Mayahaus dient als Küche und Aufenthaltsraum, ein gemauertes kleines Haus als Wohn- und Arbeitsraum, ein Schuppen als Abfallsortierstation.

Das ist ein großes Thema der Gruppe. In Sotuta existiert keinerlei Müllentsorgungssystem. Für uns unvorstellbar und für die Umwelt hier eine Katastrophe. Das alte Verhalten basiert auf dem Umstand, alles ist organisch abbaubar. Nur ist es das leider zu einem Großteil nicht mehr. Plastiktüten, Styroporbehälter, Einwegplastik sind allgegenwärtig. Entweder der Müll landet einfach rings ums Haus, wird ab und an zusammengefegt und verbrannt, oder er landet am Straßenrand, im Wald, auf wilden Müllkippen.

Was tun? Erstens versucht die Gruppe möglichst viel zu vermeiden, alles zu trennen, zu sammeln und bei der nächsten Fahrt nach Merida in einem Recyclinghof abzugeben. Zweitens führt sie Projekte mit Grundschulklassen durch. Drittens wollen/werden sie mit der Kommunalverwaltung ein flächendeckendes Konzept zur Abfallentsorgung entwickeln und umsetzen.

Was haben sie bereits realisiert? Das erste Bauwerk war eine Komposttoilette, mehr ein Turm. Zwei Kammern, ist eine voll, wird die andere benutzt. Ist diese dann ebenfalls voll, wird die erste Kammer gelehrt und der Kompost zur allgemeinen Bodenverbesserung genutzt, nicht im Nutzpflanzenbereich. Es gibt das Palapa-Bienenhaus mit drei Völkern. Die Bienen, friedfertig ohne Stachel und temperaturempfindlich, brauchen Aufmerksamkeit und müssen vor den räuberischen Ameisen geschützt werden. Deshalb stehen die Kästen in einem Ölbad. Auch räuberische wilde Bienenvölker sind eine ständige Bedrohung. Aus diesem Grund wurde das Bienenhaus auch in Sichtweite des Küchen-/Haupthauses gebaut. Die 8 Hühner und das Truthahnpaar bekamen ebenfalls einen sicheren Unterschlupf. Nächtlicher tierischer Besuch ist trotz der zwei Hunde nicht auszuschließen und so schläft der Hauptverantwortliche für das Kleinvieh ganz in der Nähe in seinem Zelt.

Eine große Werkstatt mit der Saatgutkiste, Werkzeug und einigen erstaunlichen Fahrradmaschinen, Materiallager etc. hat schon viele kreative Problemlöser inspiriert. Da zero waste ein langer Weg ist, gibt’s auch hier einen zentralen Abfallsortierplatz. Der Energieturm ist nicht nur zum Wäschetrocknen gut, sondern liefert mit drei Solarmodulen seit diesem Sommer eigenen Strom für Licht im Haupthaus und die Möglichkeit, die Handys und Laptops aufzuladen.

Das offene Badezimmer mit Dusche ist ca. 50 m im Wald gelegen, ein Schild weist auf einen mit Steinen begrenzten Weg. Überall sind Wege angelegt, die zu verschiedenen Plätzen mit Podesten für Zelte, Beete mit Nutzpflanzen oder z.B. ein Meditationsplatz mit Moskitonetz führen. Ohne Bewässerung läuft gar nichts. Also haben sie ein Bewässerungssystem gebaut.

Gebaut wird möglichst mit lokalen Baustoffen. Die Steine haben sie eigenhändig aus dem eigenen Steinbruch geklopft und geschleppt. Der Zement aus Kalk und Kokosfasern ist sogar feuerfest. Gerodet wird mit Machete.

Sie experimentieren mit Permakultur und alten Anbaumethoden. Z.B. haben sie ein Milpa-feld angelegt. Eine traditionelle Mischkultur aus Mais, Kürbis, Bohnen und Chili. Der Erfolg im ersten Jahr lässt noch Luft nach oben. Lief eher unter Vogelfütterung. Der Boden hier ist eine einzige Herausforderung, da er hauptsächlich aus Karstfelsen mit bodengefüllten Lücken besteht.

Die Menschen im Projekt kommen aus verschiedenen Berufen, haben diverse Fertigkeiten und Leidenschaften. Ein Ziel: Die Welt ein bisschen besser machen, Nachhaltigkeit leben, Lösungen gemeinsam entwickeln. Es eint sie die Idee des Wachsens durch Austausch. Es gibt viele Projekte und noch mehr Projektideen. Jede Menge Besucher und Volonteers bringen Zeit, ihre Fähigkeiten und Muskelkraft ein.

Sie haben Kontakte zu Universitäten, sind Teil von nationalen Naturschutzprojekten, sozialen und Wissens-Netzwerken. Für einige Projekte erhalten sie Fördermittel. Als anerkannte NGO können sie Spendenbescheinigungen ausstellen.

Uns fasziniert diese Kombination aus Kreativität, dem dazugehörenden chaotischen Teil, Energie und Professionalität.

Am besten schaut Ihr selbst mal auf ihre webseite, auf facebook, oder instagram. https://comunidadzututha.com/

Die Seite ist zwar auf Spanisch, aber auf der Startseite ist unter dem spanischen Block einer in Englisch. Spenden könnt Ihr mit paypal, die Infos dafür findet Ihr auf einer Unterseite.

Und als Bonbon haben sie sogar drei Cenoten auf dem Gelände.

Wir durften drei Tage ein bisschen teilhaben und wir finden es wichtig, dass Ihr wisst, dass es auch dieses Mexiko gibt!

 

 

8 Kommentare

  1. Axel Schönthal sagt

    Liebe Karin und Fritz: Wir wünschen Euch ein frohes Weihnachsfest, einen guten Rutsch ins Neue Jahr, und weiterhin ein erfolgreiches Radeln.
    Axel & Esther (mit Wolfgang & Gunnar)

  2. Astrid Krause sagt

    Liebe Wittens
    Alle guten Wünsche zum Weihnachtsfest, bleiben Sie gesund und weiter viele interessante Beiträge Ihrer Reise
    Felice Navidad
    Ihre Astrid und Anke Krause 🎄🙋‍♀️🙋🏻‍♀️

  3. Maria Teiwes sagt

    Liebe Karin, ein interessanter Reisebericht. Da lebe ich hier mit allem Luxus und schäme mich doch wie wir mit den Recorcen umgehen. Werde mich noch mehr bemühen.
    Besinnliche Weihnachten wünscht dir und Fritz aus der Pommernstrasse Maria.

    • Karin sagt

      Liebe Maria, vielen Dank für die Wünsche. Wenn wir uns erstmal über unseren Umgang mit den Ressourcen bewusst sind, können wir ja entscheiden, ob und was wir anders machen können. Und es gibt so viele Möglichkeiten.
      Liebe Grüße
      Karin

  4. Helga Claus sagt

    Liebe Weltradelnde Wittens, Einfach wundervoll von diesem Mexico zu lesen, ein großartiges Projekt und ich beglückwünsche Sie sehr dazu dass Sie diesen Weg genommen haben. Es muss wundervoll sein das zu sehen, zu riechen , zu hören. Weiterhin gute Reise! mit herzlichen Grüßen aus Wolfsburg Helga Claus

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