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Ab in die Pampa

Nach drei Tagen in Puerto Natales …

… ging es endlich wieder aufs Rad. Wir hatten für die Strecke von 250 km bis Punta Arenas 3 Tage eingeplant, rauschten sie aber in zweien durch. Das Wetter war besser als angekündigt, also weniger (nicht kein) Regen und der Wind zwar stark, aber meistens noch hilfreich. Die Landschaft ist so wie gedacht, flach, weit, auf den ersten Blick leer. Der Wind schob uns zeitweise ohne zu pedalieren mit 40 km/h vor sich her, aber sobald er von der Seite kam, ging es in die Schräglage mit 10 km/h. Die Böen waren so heftig, dass sie uns plötzlich drei, vier Meter versetzten und wir die ganze Fahrbahn brauchten. Gottseidank war der Verkehr eher gering und die Menschen hinter dem Steuer meist um unsere Nöte wissend.

Während in anderen Gegenden die Rinder bei unserem Auftauchen neugierig reagierten und wir sie schon zur Fangemeinde erklärten, verursachten wir hier meistens große Unruhe bis panische Reaktionen. Einmal konnten wir eine Schafzählung erleben. Es ist schon witzig, dass wir im Bundestag eine Abstimmungsmethode haben, die „Hammelsprung“ heißt. Im Nirgendwo steht ein Schild, das vor Landminen warnt, man sieht auch alte Beobachtungsanlagen auf einem Hügel: Reste von der Verschärfung 1978 des jahrzehntelangen Beagle-Konfliktes  um Landansprüche zwischen Chile und Argentinien.

Die Gegend ist ziemlich leer und es gibt nur wenige Gelegenheiten zu übernachten. Das sind verlassene Häuser, Bushaltestellen bzw. –häuschen, und sogenannte Refugios oder Shelter, kleine Hütten zum Übernachten. Die älteren einfache Blechcontainer, die neuen ganz schicke Holzhütten, alle ausgestattet mit Holzbettgestell, manchmal Tisch und Ofen und manchmal sogar Toiletten. Der Zustand ist verschieden und leider ist auch mal eine abgeschlossen. Wir waren nach 130 km, davon die letzten 30 km im scharfen Seitenwind, ziemlich platt und etwas enttäuscht, dass die schöne neue perfekte Holzhütte mit dickem Schloss zum unerfüllten Schlosstraum wurde. Allerdings ließ sich die Tür der alten Blechhütte aufhebeln und so sind wir dort eingezogen, froh aus dem Wind und Regen zu kommen.

Diese Refugios werden von vielen Radlern genutzt und einige verewigen sich auch gerne.

Ein paar besondere Pampabewohner konnten wir kurz kennenlernen: Nandus, Guanakos, einen Pampashasen, Condore (genau am Vorsfelde entsprechenden Breitengrad) und Fritz sah ein lebendes (!) Gürteltier, das schnell davonwuselte. Die diversen Vögel rechnen wir mal nicht mit.

Nach zwei Tagen erreichten wir Punta Arenas und steuerten zielsicher ein Hostel an, das uns ein argentinisches Radlerpaar auf einem Tandem – die Armen quälten sich gegen den Wind nach Nordwesten- wärmstens empfohlen hatte. Es gäbe ein grandioses Frühstück inklusiv. Und sie hatten recht!!! Der mit dem ACDC-Hemd ist übrigens der Host.

 

 

 

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