Länder, Peru, Südamerika, Tagebuch, Touren
Kommentare 15

Mototaxi-Unfall, Nachlese

Vor ungefähr drei Wochen hatten wir ja diesen Mototaxi-Unfall. Die Schürfwunden sind ziemlich verheilt, die Räder repariert, die Packtaschen mit Kraftkleber abgedichtet, aber: Karin hat am linken Ellenbogen trotz aller Druckverbände doch einen dicken Bluterguss behalten, der auf Holperstrecken unangenehm schwabbelt und beim Auflegen des Armes schmerzt. Das kann so nicht bleiben.

Bei der Suche nach chirurgischen Optionen in Cusco bin ich auf diesen Artikel von einem Dr. Tim Boeker gestoßen, der an einem deutschen Missionshospital in Curahuasi die Unfallchirurgie aufgebaut hat. Welch ein Zufall! Curahuasi war unser nächstes Ziel! Mail hingeschickt, prompte Antwort, wir könnten uns gerne vorstellen, mal sehen was sich machen lässt.

Nächsten Tag um 15°° waren wir da. Personalienaufnahme („Karin Deutsch“, nein, das ist die Staatsangehörigkeit, Name ist Klaus-Witten, como??? Doppelnamen mit Bindestrich sind hier unbekannt.) Vor Konsultation erst mal 5 Soles (≈ 1,60 €) bezahlen. Kurz ins volle Wartezimmer gesetzt, peruanischer Arzt sieht sich das an, da brauchen wir ein Utraschall-Bild (8 Soles) und schließlich kommt der Chef und es wird beschlossen, das Hämatom am nächsten Morgen in Regionalanästhesie auszuräumen. Gleich wieder bezahlen, diesmal 400 Soles (≈ 130 €)

Um halb sieben sind wir da und es steht eine endlose Schlange von Leuten vor dem noch verschlossenen Tor. Wir hatten einen Passierschein und durften um sieben auf die Station. Vorbereitung, Flügelhemd, Infusion und ab in den OP. Um 11°° kam sie dann endlich aus dem Aufwachraum, ich begann schon, mir etwas Sorgen zu machen. Mittagessen (Hühnersuppe), dann hat sich Karin angezogen, warten auf die Chef-Visite gegen 15°°. Die Drainage mit der Saugflasche soll in drei Tagen gezogen werden; Verbandszeug und Material zum Fäden ziehen mitgegeben (nochmal bezahlen!) und schließlich konnten wir um 16°° abziehen.

Wir haben uns dann einen netten Abend gemacht mit Burger und Bier, Karin immer mit der Saugflasche, tja, und heute fahren wir schon wieder den nächsten Pass hoch, mit der Drainageflasche dekorativ am Lenker! Sie ist doch ein zähes Biest!!!

Die Klinik ist 2007 von einem deutschen Arzt-Ehepaar gegründet worden, christlich ausgerichtet und für diese Gegend sensationell gut ausgestattet. Die Patienten sind allermeistens Indigena und kommen von sehr weit her. Es gibt ein ausdrückliches Sozialprogramm: wer wenig hat, zahlt wenig, wer mehr hat, zahlt mehr. Unsere 140 € für diese mini-OP könnten die meisten Menschen hier nicht aufbringen und müssten es auch nicht.

Viele der Ärzte und einige des nicht-ärztlichen Personals sind deutsch, aber es gibt auch Weiterbildungsassistenten von der Uni in Lima. Wir waren ausgesprochen glücklich, dieses Hospital gefunden zu haben und bedanken und sehr herzlich für die Behandlung!

15 Kommentare

  1. Gisela jüttner sagt

    Liebe Karin und lieber Fritz das ist unglaublich wie ihr beide das alles meistert und du liebe Karin, du bist wirklich ein kleines Teufelsweib…..sowie ihr zwei beide sowieso meine absoluten Helden seid! Ich denke an euch und schicke all meine guten Wünsche für euren weiteren Weg. Liebe Grüße aus Gifhorn schickt euch Gisela

  2. Marianne Marschhause sagt

    Die Drainageflasche am Fahrrad war bestimmt ein Hingucker, ich hätte das wohl nicht gemacht. Aber die Bilder vom Krankenhaus sahen gut aus.
    Bei den Bildern aus dem vorherigen Bericht und eure Frage, ob der Weihnachtsschmuck schon aufgehängt wurde oder noch vom letzten Jahr stammt, kann man sagen:Beides. Die Leute sind in der Beziehung sehr kreativ. So werden große Stachelkateen gern als Weihnachtsbaum genommen. Selbstgemachte Woll-Bommel kann man dort ohne Aufhänger gut befestigen, die Kakteen Nadeln nicht und Weihnachtsbäume gibt es in den Höhen sowieso nicht.
    Auch bei den gern aufgestellten Weihnachtskrippen geht man andere Wege. Dem Jesuskind werden “brauchbare” Geschenke wie Quietscheentchen und andere Spielzeuge gebracht. Die Krippen sind manchmal so extrem mit Lichterketten in allen Farben behängt, dass einem schon die Augen weh tun. Manchmal gibt es sogar lebendige heimische Krippentiere, denen dann Schaufensterpuppen ins Gehege dazu gestellt werden. Festessen zu Weihnachten sind die Cuy’s, also Meerschweinchen in verschiedenen Zubereitungsformen. Silvester kommen dann Puten auf den Tisch, für diejenigen, deren Geldbeutel dafür nicht reicht muß aber auf jeden Fall ein Hühnchen sein Leben lassen. Die werden dann häufig als Lebendware eingekauft und mit zusammengebundenen Füßen wie eine Handtasche über den Arm gehängt.
    Mit dem Transport diverser Waren sind die Indigenas sowieso sehr kreativ. Es ist schon erstaunlich, was sich diese kleinen Menschen alles für Bündel auf den Rücken binden und dann auch noch damit laufen können. Die Babys und Kleinkinder werden genauso in Tücher eingebunden, wie Schafe, Ziegen, Schweine und alles andere. Manchmal sieht man von hinten nur Beine und die gut behüteten Köpfe.
    Euch weiter unfallfreies Radeln und immer “Gut Luft”
    Marianne und Helmut

    • Karin sagt

      Hallo Ihr Zwei, Euren Kommentaren merkt man Eure Begeisterung für Land und Leute an. Viele Grüße Karin und Fritz

  3. Beeindruckend und starke Leistung, die ihr da bringt, Respekt! Ich freue mich, dass ihr eine ‚reiche’ Reise habt (wenn auch manchmal mit Schmerzen). –
    Im Krankenhaus Diospi Suyana arbeiten (zukünftige) Kollegen unserer Organisation, mit der wir ca. Silvester nach Peru kommen (wollen). Und ehemalige Mitarbeiter von dort konnten wir neulich kennen lernen und viele Tipps für das Land bekommen.
    Euch eine behütete Weiterreise,
    saludos
    Carsten

    • Karin sagt

      Schade, dann wird es wieder nichts mit Treffen. Sylvester sind wir wahrscheinlich irgendwo in Chile. Bitte grüße die Kollegen und Kolleginnen, wenn Ihr da seid. Wir waren sehr beeindruckt von der Einrichtung. Herzliche Grüße
      Fritz und Karin

  4. Michael Schröder-Schulze sagt

    Na dann weiterhin gute Besserung Karin!
    Lg
    Michi, im Moment in Argentinien

  5. Karin, du bist in der Tat eine der härtesten unter der südamerikanischen Sonne! Gute Heilung!
    P.s.: die Flasche kannst du als Erinnerung aufheben :-)

    • Karin sagt

      Vielen Dank für das Kompliment. Die Flasche ist schon in der Tonne. Sie hing an mir, aber ich nicht an ihr :-)

  6. Liebe Karin, lieber Fritz!

    wir wünschen Euch nach dem Eingriff alles Gute für den Ellenbogen und eine sichere Weiterfahrt!

    Eure Susi mit
    den Tauchfreunden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.