Begegnungen, Iran, Länder, Tagebuch
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Kaspisches Meer

Da wir immer wieder Schwierigkeiten mit dem Internet haben, d.h. unser kleines netbook mag die Passwörter hier nicht akzeptieren- ein auch mit viel Rumprobieren, Expertenunterstützung u.a. scheinbar nicht lösbares Problem- schreiben wir jetzt hier in Teheran Berichte von den letzten Tagen.
Am 30.05. gönnten wir uns einen Erholungstag in der kleinen Ferienanlage in Anzali. Unser Zimmer war ca. 100 m vom Wasser entfernt, eine kleine überdachte Terrasse fürs Ausspannen ideal. Leider konnte nur Fritz mit Badehose ins Wasser. Der Frauenbadestrand war, wo wurde berichtet, zwei Kilometer weit weg. Ich hätte nur mit voller Montur, Hose, Hemd, Kopftuch, ins Wasser gedurft- das war nicht sehr attraktiv. Also war für mich nur Schauen angesagt. Übrigens sind auch nur wenige Männer ins Wasser. Viel ausgiebiger und mit großer Begeisterung wurde dagegen Jet-Ski gefahren!
Bei einem kleinen Bazarbummel fand ich eine dünne sehr weite Hose, die ich nun zum Fahren trage, unten mit Haargummis zusammengezogen- sieht lustig aus, aber leider ist eine meiner zwei Treckinghosen von der Leine verschwunden. Es gibt also auch im Iran nicht nur freundliche Menschen.

Am 31.05. ging´s dann weiter. Es war ziemlich heiß, um die 40°C und erstmalig hatte ich leichte Darm- und Kreislaufprobleme. Wir fuhren die große Küstenstraße. Der Verkehr war etwas nervig, aber dafür die Straße supergut zu fahren. Und wie immer gab es unterwegs kleine Geschenke für uns. Mal waren es Trinktütchen, dann Kekse oder frisches Obst, das uns Leute aus den spontan haltenden Autos heraus schenkten. Immer wieder wurden wir auch fotografiert. In Remsar, nach 115 km wollten wir eigentlich zelten, aber der Strand war voller promenierender Autos-ein bisschen wie American Graffity (ohne girls in den Autos natürlich) und so buchten wir uns wieder in einer kleinen Ferienhausanlage ein, sehr schlicht, aber mit Duschen. Wir handelten den Preis von 35$ auf 18$ runter. Leider hatten sie Probleme mit dem Wasser und wir mussten eine gute Stunde bangen, ob wir duschen könnten oder nicht. –Es klappte. Das Wasser war zwar ziemlich brackig und auch nicht zum Trinken geeignet, aber zum Duschen ausreichend.
Abends saßen wir am Sandstrand – natürlich auch in der Dunkelheit mit Kopftuch- und genossen Fladenbrot mit Frischkäse, Thunfisch (es gibt anscheinend keinen anderen Dosenfisch), getrocknete Aprikosen und Datteln und Wasser, ohne Bier oder Rotwein. Leider wurde es ziemlich windig und der Knirschfaktor beim Essen nahm zu. Zwei Männer kamen in der Dunkelheit auf uns zu und sprachen uns an, woher wir kämen etc. Ein interessantes Gespräch über die persönlichen Auswirkungen des Embargos entwickelte sich. Der eine war Geschäftsmann und hat ein Unternehmen in Malaysia. Sein Problem ist, dass er von seinem verdienten Geld weder Maschinen kaufen, noch sein Geld in den Iran bringen kann. Er kann als Iraner nicht einmal ein Konto im Ausland eröffnen. Ein großes wirtschaftliches Problem, das es für ihn derzeit unmöglich macht, in den Iran zurückzukehren, um hier zu arbeiten. Auch er hofft auf ein Ende des Embargos.

Der nächste Tag unterstützte uns etwas mit leichtem Rückenwind und wir wollten ca. 130km nach Chalus fahren, um von dort Richtung Süden über den Kandovan-Pass nach Teheran abzubiegen. Unterwegs, die erste Überraschung: Ein Tschiboladen (TCM-Shop)!!! Natürlich mussten wir rein und das Sortiment begutachten. Herzlich begrüßt vom Manager, der uns spontan ein Eis ausgab. Leider hatten sie eine wunderbare Treckinghose für mich nur in Größe 40; schade. Es war ein skurriles Gefühl, diese ganzen Sachen mit deutscher (und englischer) Beschreibung zu sehen! Der Manager meinte, es gäbe 4-5 Tschiboläden im Iran. Und seiner wäre erst seit wenigen Wochen eröffnet. Wie immer ein nettes Gespräch. Es wurden nur 104 km, denn wir wurden aus dem Auto raus zu einem Cafe eingeladen. Sowohl der Mann am Steuer als auch die Frau wirkten so interessant, dass ich spontan zusagte und wir dem Wagen folgten. Er sah aus wie ein Althippie, Hut mit grauem Haarzopf und sie hatte unter ihrem eher lässigen Kopftuch eindeutig graumelierte Haare- ein im Iran noch nie gesehendes Phänomen! Und sie sprach von einem ECO-Cafe. Als wir ankamen, war es wie ein kleines Paradies. Hinter einem großen Tor (Iraner lieben große hohe schönverzierte Tore) öffnete sich ein Hof mit einfachen Tischen und Hockern aus Baumstämmen, einem Wünschebaum, kleinem Wasserfall und einem Ladencafe. Soja, Kunsthandwerk, Selbsthergestelltes, vegetarische Speisekarte, alles in hellem Holz gehalten, schöne Fotos, etc. Und sie waren wirklich Aussteiger aus Teheran! Unser Alter, haben mit dem Wohnwagen den Iran bereist und eine Dokumentation erstellt, lieben die Natur, haben eine eigene kleine NGO gegründet „Messanger of Peace and Friendship“, leben auf einem kleinen Hof mit Hunden, Hühnern, Enten und Gänsen. Sie haben eine „Nature school“ gegründet und laden Schulklassen ein. Alles ist noch ganz neu und frisch, gerade mal drei Monate alt, aber die ersten Klassen waren schon da. Natürlich haben wir die Einladung angenommen, auf ihrem Hof zu übernachten. Da das Café bis 22.00 Uhr geöffnet ist, haben sie einen Freund angerufen, der zu unserer großen Überraschung aus Bremen ist. Ein iranischer Bremer oder hanseatischer Iraner. Er ist mit seiner Frau seit ein paar Monaten hierher gezogen, pendelt zwischen Bremen und Iran, hat hier ein schönes Haus und möchte seinen (langen) Lebensabend im Iran verbringen. Das Leben hier sei erheblich günstiger als in Deutschland, wenn die Ansprüche bescheiden seien. Wir waren in seinem Haus und für unsere Ansprüche würde es ebenfalls völlig genügen! Er war im Iran/Irakkrieg Anfang der 80iger desertiert, abenteuerlich und gefährlich in der DDR gelandet, eingeknastet, als rauskam, dass er gefälschte Papiere hatte, mit Glück in die BRD gekommen und seitdem in Bremen eine zweite Heimat gefunden. Mit Beruf, Familie, Kindern, völlig integriert und dennoch die Liebe zur Heimat nie verloren. Und wiederhaben wir ein kleines Stückchen mehr von Iran und den Menschen hier erfahren.
Abends dann auf den Hof gefahren und gemeinsam mit vielen kleinen Ameisen im Schlafsack im Gästehaus übernachtet.
Morgens sind unsere Gastgeber extra für uns früher aufgestanden, und haben uns zurück ins Cafe gefahren, da dort die Räder standen.
Er, ein sehr guter leidenschaftlicher Fotograf, hat übrigens noch am gleichen Abend die Fotos von uns auf die Facebookseite des Cafes gestellt. Vayo Eco Café !
Es deutete sich schon an, dass die Passfahrt schwierig werden könnte: erstens wegen der Höhenmeter; von null auf 2600m. Eine Anfahrt von ca 80km mit wenig Infrastruktur und Aussicht auf Platz fürs Zelt. Zweitens: ein verlängertes Wochenende führt zu einem großen Verkehrsaufkommen Richtung Kaspisches Meer, und der Pass sei sehr gefährlich. Der Bremer sprach davon, dass die Passstraße gelegentlich sogar zur Einbahnstraße erklärt würde. Wir waren jedoch zuversichtlich und dachten, wir kämen schon irgendwie durch.

1 Kommentare

  1. Reingard Schreiber-Gallois sagt

    Es wird immer schöner!
    Toll, dass Ihr soviel beschrieben und fotografiert habt. Das ECO CAFE
    war natürlich ein Highlight. Und ic h hoffe dass ihr auch immer wieder
    “kleine bequeme Pausen” macht…
    Ich schicke eure Websiteadresse jetzt weiter an eine iranische Freundin
    in Hamburg- sie wird sich bestimmt freuen !
    herzliche Grüsse
    Reingard

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