Monate: Juli 2016

Die letzten Stunden vor dem Abflug

Ein großes Thema für Radler beim Fliegen ist der Radtransport. Wie teuer, wie viel Aufwand, mit oder ohne Box… Wir fliegen mit Turkish Airlines, die bekanntermaßen Fahrräder erschwinglich und unkompliziert mitnehmen. Deshalb gerieten wir auch nicht in all zu große Hektik, als wir in Narita in keinem der angefahrenen Fahrradläden Boxen bekamen. Alle behaupteten, ihre Räder kämen meist nur eingewickelt. Nun gut, dann eben ohne. Im Baumarkt fanden wir was wir brauchten und verpackten die Räder heute morgen zu zwei unhandlichen Gebilden. Vorgestern gönnten wir uns noch eine letzte Zelt-Nacht, direkt unter einem riesigen Strommast und über einem Wassergraben. Wir sahen den ganzen Abend die Flugzeuge starten und landen. Es war ein schöner Abschiedsabend, an dem wir uns an die diversen Highlights der Reise erinnerten, nochmal vorsichtig nachfragten, wann und wie sehr wir voneinander genervt gewesen sind, was wir miteinander gelernt haben und… Na Ihr wisst schon. Gestern war dann einchecken im Hotel und Packmaterialbeschaffung. Da das ja nun nicht den ganzen Tag dauerte, hatten wir noch genügend Zeit uns in Narita um zusehen. Und …

Tokio

Mir fällt keine geeignete Überschrift zu diesem Beitrag ein. Tokio ist eine Metropole, an manchen Ecken schrill und voll, an anderen Bürostadt, dort wo wir wohnen, eng mit verschachtelten schmalen Häusern, manche auch im traditionellen Stil . Erstaunlich ruhig, da nicht gehupt wird (das irritiert uns immer noch), sehr geordnet, die Menschen scheinen fast gerne Schlange zu stehen, alle mit Handy vorm Gesicht unterwegs. Unser Guesthouse ist nochmal etwas Besonderes. Es muss eine Fabrik gewesen sein. Unser Hostpaar hat überall mit Spanplatten und alten Türen schmale winzige Kammern gebaut, Matratzen auf dem Boden, Gemeinschaftsdusche. Auf dem Flachdach ein Sammelsurium diverser Stühle und niedriger Tische (alte Türen), überall in wächst es in Kisten mehr oder weniger grün und fotogen. An einer Ecke stehen große Sonnenkollektoren für warmes Wasser. Die Küche, die ebenso als Anmeldung, Wohnzimmer, Arbeitszimmer etc. dient, ist ebenso vollgestellt mit allem, was ein Handwerkersammlerherz so brauchen kann. Von alten Ölgemälden an den Wänden, gefesselte Kühlschränke, Ventilatoren, Stühle, Geschirr,… wir fühlen uns wie früher beim Stöbern bei einem Trödler. Und er ist sehr nett, hilfsbereit, europaerfahren und …

Zelten, Feuerwerk und Regen

Die letzten Tage in Japan. Wir genießen das Zelten! Hatten schon fast vergessen, wie das ist. Blöd ist es nur, wenn es regnet. Und das tut es leider ab und an und manchmal auch ganz lang. In Fujinomiya haben wir lecker Udon gegessen. Das sind dicke Nudeln, die in verschiedenen Variationen angeboten werden. In einem Spezialfastfoodrestaurant haben wir sie geschlürft. Ein ganz besonderer Tempel hat uns denn doch angezogen. Ein Shintoshrine inFujinomiya. Die oberste Gottheit im Shintoismus ist die Sonnengöttin Amaterasu. Damit ist der Shintoismus eine der wenigen Religionen mit einer weiblichen Obergottheit. Auch die Priester sind sehr überwiegend weiblich. Auf dem Weg zum Strand- von Bergen haben wir einfach genug- konnten wir wieder mal schlaue Parksysteme begutachten. Die haben wir später auch in die Tiefe gebaut gesehen.   Nachdem wir über den unvermeidbaren Buckel gefahren waren, kamen wir in Atami an. Am Strand wurden wir  von einer richtig kessen japanischen Dame gefragt, ob sie ein Foto mit uns machen dürften. Ich war in diesem Fall eher Beiwerk. Die vollbusige Schöne in durchsichtigem Netzkleid brauchte …

„Wer einmal auf den Fuji steigt …“

besagt (laut unserem Reiseführer) ein japanisches Sprichwort, „… ist weise; wer zweimal drauf steigt ist ein Narr.“ Dann sind wir jetzt also weise. Oder auch nicht. So sollte er eigentlich jetzt eigentlich aussehen. Sah er aber nicht, weil wir nämlich Regenwetter hatten. Obwohl er im Sommer ja keine weiße Kappe hat wie auf den meisten Fotos, dachten wir uns diesen Berg quasi als Sahnehäubchen unserer zu Ende gehenden Reise. Es gibt mehrere Trails auf den Gipfel. Wir haben den südlichen von Fujinomiya gewählt. Es war am Samstag, dem ersten Tag eines verlängerten Wochenendes in Japan und das zweite Wochenende nach Eröffnung der Fuji-Saison (die nur drei Sommermonate dauert). Dementsprechend war eine ganze Völkerwanderung unterwegs. Es ist üblich, per Bus von 300 m Höhe auf öffentlicher Straße auf 2400 m zu fahren. Als wir um 5:45 von Hostel losmarschierten, regnete es, am „Basislager“ immer noch. Also Regenzeug an und losmarschiert. 300 m höher  hatten wir plötzlich strahlend blauen Himmel und ein Meer von Wolken unter uns! Der Weg besteht natürlich aus Lava, manchmal locker wie Sand oder …

Am Pazifik

Langsam nähern wir uns dem Ende unserer Reise. Wir haben beschlossen, dass das Projekt „Weltumradelung“ ist mit dem Erreichen des Meeres heute abgeschlossen ist. San Francisco haben wir nicht sehen können, wissen aber, dass es da drüben irgendwo sein muss. Es ist hier genau so rau und nebelig, wie wir die Westküste der USA erlebt haben. Wieso heißt der denn überhaupt der „stille Ozean“?!! Am Strand haben wir auch einen schönen Lagerplatz gefunden und den Tag mit einer Flasche Wein mit besonderem Etikett gefeiert. Ab und zu findet sich hier etwas für den Oldtimer-Freund und VW-Fan: Dieser Mechaniker restauriert VW‘s aus Kalifornien! Und in einer Seitenstraße fand sich ein wunderschöner T1-Bulli. Ein paar Fotos von der Strecke:

Toyohashi

Toyohashi ist eine Partnerstadt von Wolfsburg. Sie hat den größten Importhafen für Fahrzeuge und ist damit auch für VW eine sehr wichtige Stadt in Japan. Wie schon in Jiading hatten die netten Mitarbeiterinnen des Referats Repräsentation, internationale Beziehungen uns bei ihren KollegInnen angekündigt, so dass wir erwartet und sogar vom stellvertretenden Bürgermeister empfangen wurden. Sehr zugewandt, freundlich und hilfsbereit betreute uns Frau Harada im Rathaus, führte uns herum und hängte sich sogar noch ans Telefon, um für uns zu recherchieren, ob es am Flughafen Narita Boxen für unsere Räder gibt. Herzlichen Dank an alle hilfsbereiten VerwaltungsmitarbeiterInnen dieser Welt! Sie sind meist besser als ihr Ruf (unserer Erfahrung nach)! Unsere Unterkunft bei Aaron war einfach klasse. Wir hatten zwei schöne Abende und wurden von ihm und seinen Vermietern verwöhnt. Sie waren schon viel in der Welt rumgekommen und sprachen gut Englisch. Wir kamen am ersten Abend in den Genuss ihres Massagesessels und am zweiten wurde gegrillt-eigentlich ein Geburtstagsgeschenk für Aaron, aber wir wurden kurzerhand miteingeladen! Der Vermieter ist seit ´zig Jahren Amateurfunker und hat Kontakte in …

High –Tech Toiletten und Natur

Zuerst noch ein paar Fotos von Fähre und Ankunft in Japan. Wie schon beschrieben begeistern uns die Fahrradabstellanlagen in den Großstädten. Wie wir feststellten, ist das Ziel weniger Diebstahlsicherung, sondern bezahltes Parkplatzmanagement. Das aber sehr variantenreich und effektiv. Vor einem Bahnhof wollten wir nur kurz mal rein und eine Dose Icecoffee holen. Sofort war ein Parkwächter da, der uns darauf hinwies, dass „wildes Parken“ nicht erlaubt sei. Also schoben wir unsere Räder in einen Fahrradständer und – schwupps- schnappte das Schloss zu! Das Auslösen funktionierte dann ziemlich einfach. Zum Automaten gehen, die Nr. des Fahrradständers eingeben und bezahlen. Da wurde uns klar, dass man jedes Fahrrad so freibekommt, wenn man bezahlt. Also zusätzlich abschießen! Allerdings gab´s auch die Möglichkeit eine PIN einzugeben. Das ist wahrscheinlich die Sicherung- nur nicht für Ausländer, die der Sprache nicht mächtig sind und der Kraft der Bilder nicht ganz trauen. In Kyoto beschränkten wir das Sightseeing auf einen Tempel und einen berühmten Bambushain. Es gibt wohl über 1000 Tempel und Shrines in dieser Stadt! Das Wetter spielte am nächsten Tag …

Auf nach Japan!

Den letzten Abend in Shanghai verbrachten wir bei einem warmshowers-host, Ralph aus Düsseldorf. Er war ein wunderbarer Gastgeber und wir hatten sehr interessante Gespräche bei Schwarzbrot und Käse aus Deutschland!! Lieber Ralph herzlichen Dank für Deine Gastfreundschaft!! Am nächsten Morgen ging´s dann zum internationalen Fähranleger. Den hatten wir gottseidank schon ein paar Tage vorher ausgekundschaftet, denn er war schwer zu finden. Die Personenfähre nach Japan fährt nur noch zweimal wöchentlich, dh. es gibt zwei Fährgesellschaften und jede fährt einmal pro Woche. Da fast alle fliegen, wurden die Angebote immer mehr zurückgefahren und wir waren froh, überhaupt etwas gefunden zu haben. Die Überfahrt ist kein billiges Vergnügen und dauert zwei Tage, aber uns war es wichtig, nicht zu fliegen, aus Gründen des „ökologischen Fußabdrucks“ und weil das mit den Rädern immer so kompliziert ist.. Und so genossen wir noch einmal fast so etwas wie eine kleine Kreuzfahrt. Wir begnügten uns mit dem günstigsten Tarif, der getrennten Schlafsaal bedeutete. Fritz nächtigte also mit ca. 10 anderen Männern in einem großen Raum mit Futons und ich in einer 4er Kabine mit drei …

Shanghai …

… ist unglaublich! Auf der einen Seite des Huangpu-Flusses das historische Stadtviertel aus den 20er Jahren mit Art-Deco-Gebäuden, auf der Ostseite futuristische Wolkenkratzer, abends alles in grelle Lichteffekte getaucht. Der Kontrast ist berauschend; man kann sich kaum satt sehen. Für uns stellt sich die Frage: Ist das unsere Zukunft oder Größenwahn? Oder ist es beides? Überall sprießt es in die Höhe, schreit es nach Aufmerksamkeit und Konsum.  Bei der Ausfahrt mit der Fähre auf dem Huangpu ahnen wir, wie groß die Stadt wirklich ist: Allein die Hafenanlagen ziehen sich dutzende Kilometer hin, dahinter schier endlos Wohnhochhäser und Industrieanlagen. Nun, 24 Millionen Menschen müssen ja auch irgendwo arbeiten und wohnen. (Das ist glaube ich vier mal so viel wie Berlin.) Scharenweise sind Touristen unterwegs, nur wenige davon sind Langnasen wie wir. Natürlich gibt es auch die Malls voller Läden mit klangvollen Namen. Wir wundern uns, dass man uns da überhaupt rein lässt, so  wie wir rumlaufen! Tempel gibt’s natürlich auch, mit Nippesläden und vielen Touristen. Und famose Grünanlagen und hungrige Menschen und hungrige Vögel. Die Schildkröte ist übrigens gar …

Automuseum

In Jiading’s Stadtteil Anting in der Nähe des VW-Werkes gibt es natürlich auch ein Automuseum in einem angemessen futuristischen Gebäude. Da musste ich natürlich rein (mit Senioren-Rabatt)! Karin und Lupi durften auch mit. Der musste gar nicht bezahlen, weil er kleiner als 1,30 Meter ist. Die Ausstellung ist breit gefächert, und anders als in Wolfsburg gibt es nur drei VW’s. Dafür hat man viel Wert gelegt auf die amerikanischen Luxuslimousinen der 60er Jahre und die Wurzeln der chinesischen Autoindustrie, vorwiegend Staatskarossen aus den 80ern in Kleinserien. Da ich ja bekanntermaßen Oldtimer-begeistert bin, ist die Kamera wieder heiß gelaufen:  

Jiading

Mit Jiading verbindet uns eine Städtefreundschaft. Und so lag es nahe, dort hinzuradeln. Unsere Wolfsburger Stadtverwaltung hatte bereits lange im Vorfeld unser Kommen den dortigen Kollegen angekündigt und um Unterstützung gebeten. Diese war auch auch prompt erfolgt. Mit einem offiziellen Einladungsschreiben von Jiading bekamen wir in Hanoi das 60-Tage-Visum völlig problemlos. Als Dank überbrachten wir eine Grußbotschaft unseres OBs Herrn Mohrs. In Jiading wurden wir herzlich empfangen und sehr gut betreut und in jeder Beziehung verwöhnt. Wir besuchten das Sportamt, den Konfuziustempel, das Museum of modern arts, hatten interessante Gespräche, wurden zum Essen eingeladen und am Nachmittag gab es ein Presseinterview. Wir kamen uns schon ganz schön wichtig vor. Jiading ist eine moderne internationale Großstadt. Wie überall in China (dort, wo wir geradelt sind) ist eine enorme Dynamik zu sehen. Fast alles wirkt neu, die kleine touristische Altstadt ist herausgeputzt. Immer wieder beeindruckend für uns sind die hochwertigen Grünanlagen. Kilometerlang geschnittene Hecken und Anpflanzungen, aufwändig gestaltete Seitenstreifen an Straßen und Plätzen. Und natürlich ist diese ganze Gegend geprägt von Automobilindustrie; vor allem VW, aber auch anderen. Es fahren überwiegend große neue …

Universaldiesel – zum Letzten

Da wir nun China verlassen und in Japan mit dem Universaldiesel wohl nicht zu rechnen ist, gebe ich nun eine abschließende Foto-Sammlung. Ich habe ja ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu diesem Motor: Einerseits begeistert mich der Erfindungsgeist der Menschen und der unglaublich breite Einsatzbereich, andererseits ist das wirklich ein archaisches knatterndes, qualmendes und stinkendes Ungetüm, das eigentlich auf den Schrott gehört. Wie viele Finger werden die freiliegenden Keilriemen wohl schon gekostet haben?

Von Highlight zu Highlight

Wir sind ja nun recht schnurstracks Richtung Shanghai unterwegs und machen keine ausgiebigen Umwege. Der Projektgedanke steht im Augenblick mehr im Vordergrund. Dennoch gibt es genug Highlights, die auf dem Weg liegen; z.B. Souzhou, die Stadt der alten Gärten und vor allem der Seide. Die Landschaft ist deutlich durchfeuchtet, von oben und unten, und da wir Zeit haben, bleiben wir zwei Tage in Souzhou. Im Seidenmuseum faszinieren uns vor allem die echten Seidenspinnerraupen, die in Bambuskörben Maulbeerblätter vertilgen. Sie sind übrigens nicht hinter Glas, sondern einfach auf Gestellen, ganz traditionell. Und dann sind da noch zwei Webstühle! Gigantisch komplexe Konstruktionen, die nur zu zweit zu bedienen sind und mit denen man ganz unglaubliche Seidengewebe herstellen kann. Wenn ich sehe, wie aufwändig, arbeits- und zeitintensiv die Seidenproduktion ist, von der Aufzucht der Seidenraupen bis zum Weben des Seidenstoffs, vom Nähen und Besticken ganz abgesehen, dann werde ich ganz ehrfürchtig. Und wäre es nicht auch ein Schritt in einen ressourcenorientierten achtsamen und wertschätzenden Lebensstil, wir würden bezüglich unserer Kleidung das Prinzip „weniger ist mehr“ berücksichtigen? Und dafür …