Monate: März 2016

War Remnants

Wir sind ja alte Leute. Für uns ist der Vietnamkrieg lebendige und gut erinnerliche Geschichte: Vietnam-Demos (Fritz), Protestsongs … Nirgends auf der Reise haben wir so viele Menschen mit Lähmungen, Missbildungen („Agent Orange“=Dioxin) und Verlust von Gliedmaßen  (Antipersonen-Minen) gesehen wie im Mekong-Delta und Saigon. Nun hat man im „War Remnants Museum“, nachdem die US-Armee 1975 Hals über Kopf das Land verlassen hatte, die Hinterlassenschaften zusammengetragen, vom Transporthubschrauber bis zur Streumunition und Nagelbomben. Kaum erträglich sind Fotos des Krieges, auch mit schonungsloser Darstellung der Opfer auf beiden Seiten. Das Gift und explodierende Blindgänger fordern bis heute in der dritten Generation ihren Tribut. Wir haben Saigon verlassen in Richtung von Cu Chi, eine kleine Stadt kaum 40 km nordwestlich des Stadtzentrums. Hier wurden die Tunnelsysteme, in denen die Vietcong jahrelang lebten und von denen aus sie gekämpft haben und die es an vielen Orten Südvietnams gab, rekonstruiert und erhalten. Ich bin da mal reingekrochen:  ein Mensch meiner Statur und ohne Platzangst kann da mit Mühe entlang kriechen, ein stabiler GI mit Ausrüstung hat da keine Chance. Sie …

Saigon

Wir sehen entsetzt und fassungslos nach Europa. Hilflos lesen wir im Internet die Nachrichten über Bombenopfer in Brüssel. Und wenige Stunden zuvor haben wir eine Nagelbombe als Exponat in der Vitrine gesehen, Fotos von Opfern. Es ist zum Heulen und Verzweifeln! Unsere Gedanken sind häufig bei Euch zuhause! Und gleichzeitig sind wir hier, wo vor 40 Jahren einer der grauenhaftesten Kriege der Neuzeit zuende ging, ein Land unvorstellbar zerbombt und vergiftet wurde- und uns jetzt voller Leben, Entwicklung, Energie und Freundlichkeit begegnet. Was schreibt man über diese Stadt? Wir sind seit 4 Tagen hier, radeln jeden Tag in diesem ganz speziellen Verkehr- mir macht er inzwischen Spaß, Fritz ist meistens eher abgenervt- und klappern die üblichen Sehenswürdigkeiten ab. Vor allem das war remnant museum, ein Museum des Vietnamkriegs, hat uns sehr berührt und beschäftigt uns nachhaltig. Mehr dazu in einem Extrabeitrag, für den wir uns noch Zeit lassen. Hier gibt es Kirchen, Moscheen, Hindu-, Buddistische, Taoistische Tempel und Pagoden. Von einigen gibts ebenfalls in einem Extrabericht ein paar Fotos. Insgesamt gefällt uns diese Stadt sehr …

Wasser, Reisfelder und viele Mopeds

Ich weiß nicht mehr, was für eine Vorstellung ich von Vietnam hatte. Bereits die ersten Tage hier haben so viele Eindrücke in meiner Hirnrinde hinterlassen, dass die alten Bilder überspült worden sind. Wie immer in einem Land suchen wir gerade zu Beginn sehr neugierig nach Fremden, Bekanntem, Überraschendem. In Vietnam sind wir auf die Frage gestoßen: Woran erkennt man eigentlich in einem Land beim „normalen“ Durchfahren eine sozialistische Gesellschaft bzw. Regierung? Die alten Bilder taugen schon lange nicht mehr. Das Wenige, was uns in den Blick fällt, sind die vielen kleinen und größeren Fahnen, die im Wind flattern und die klassischen sozialistischen Plakate (sozialistische Ikonografie) die ein wenig übriggeblieben wirken. Fritz meint, mehr Ambulatorien, die auch in besserem Zustand seien, zu bemerken. Es gibt weit weniger Privatschulen als z.B. in Thailand und Indien. Dafür viele staatliche Schulen- die übrigens bisher auch einen guten Eindruck machen. Auffällig sind die fehlenden Pkw. Dafür hat wohl jede vietnamesische Familie mehrere Mopeds. Und zwar nicht die scheddrigen Klapperkisten wie in Indien, sondern ganz flottaussehende und meistens gut gepflegte kleine …

Good by Cambodia, hello Vietnam!

Die letzten Tage in Kambodscha sind geprägt vom Wind. Häufig von der Seite, sehr selten Rückenwind (eigentlich nur einmal gegen Abend, war wohl eher ein Versehen), häufiger bis meistens mussten wir arbeiten. Ist ja nix gegen zu sagen; nur macht uns, diesmal vor allem Fritz, die feuchte Hitze etwas mehr zu schaffen als früher. Da es in ausreichender Anzahl Straßenstände mit kleinen roten Kühlkisten gibt, die meistens auch über kalte Cola, immer über kaltes Wasser, verfügen, lässt sich alles managen. Und außer am ersten der drei Tage haben wir ausgesprochene Kurzetappen, mit entspannten Abenden. Es ist wohl schon Nachsaison, denn die meisten Restaurants und Guesthouses wirken etwas verlassen. Das stört uns allerdings überhaupt nicht. Wir sind etwas überrascht über die vielen „älteren“ Europäer, die so wirken, als ob sie schon lange in Asien leben- ähnlich wie in Thailand. Wir genießen das Radeln und das Land und sind schon wieder gespannt auf das nächste- Vietnam. Und es fängt ebenso entspannt an wie in Kambodscha. Die Grenze ist unkompliziert (was haben wir in Zentralasien da schon mitgemacht!) …

Kontrastprogramm

Nach diesem bedrückenden Besuch in Choeung Ek sind wir in zwei Tagesetappen zu den Stränden östlich von Sihanoukville gefahren. Mit 38° hatten wir es schon schlimmer, aber im Moment macht mir die Hitze doch ziemlich viel aus. Im Garmin war tatsächlich ein „Piknik-Resort“ eingetragen! Wir wollten uns das mal ansehen, falls es das wirklich gäbe. Und tatsächlich: mal wieder mitten im Nichts wurde es ausgeschildert und ein Weg führte links weg. Gemüsefelder, alte Gewächshausreste, dann ein Schild „Restaurant“ und „hillside bungalows“. Wir kamen zu einer Anlage mit Wegen, überdachten Bereichen, offenem Restaurant, alles wirkte sorgfältig gemacht, aus Holz und Bambus, große Tierskulpturen… Ein Tisch mit Biogemüse, Biodünger, Aufklärungsplakate usw. Wir beschlossen dazubleiben und konnten für 5$ in einem offenen Pavillon unser Zelt aufstellen. Die Nacht war heiß und wir pusteten mit einem Ventilator frische Luft in unser Zelt. In dem Restaurant standen Bücherregale mit diversen Broschüren zum Ausleihen- auch auf Englisch. Neben Motivationsbüchlein auch eine Erläuterung des Gesetztes zur Verhinderung von häuslicher Gewalt und Opferschutz! Jetzt liegen wir am Strand, lassen es uns mal wieder …

Choeung Ek

… war eines von etwa 200 „killing fields“ in Kambodja. Es liegt etwa 15 km südwestlich der Stadt. Dort wurden die Feinde der Revolution nach erzwungenen „Geständnissen“ im Foltergefängnis Tuol Sleng systematisch ermordet und in Massengräber geworfen. Um Munition zu sparen wurden die Menschen mit vielerlei Werkzeugen erschlagen. Auf diesem Gelände wurden seit Ende der Gewaltherrschaft 8 000 Leichen geborgen, auch Kinder und Babys, und wissenschaftlich untersucht, bis man schließlich entschlossen hat, die übrigen ruhen zu lassen. Immer noch werden in der Regenzeit Knochen („don‘t step on bones!) und Kleidung, besonders Stoffstreifen, die als Augenbinden dienten, an die Oberfläche gespült. Weitere Details möchten wir Ihnen/Euch ersparen; sie sind ebenfalls nachzulesen. Wie Tuol Sleng ist Choeung Ek eine vielbesuchte Gedenkstätte. Schädel und andere Skeletteile sind in einem zentralen Stupa ausgestellt. Betroffen macht uns die Geschichte Kambodjas wohl auch deswegen, weil das ja -anders als die Greuel im Nationalsozialismus- in unserer bewussten Lebenszeit stattfand. 1975, als das Pol Pot-Regime begann, war ich mit Bruder und Freundinnen zu dieser mehrfach erwähnten Reise unterwegs nach Osten. Damals konnten wir …

Tuol Sleng

1975 erreichten die Truppen der Roten Khmer die Hauptstadt Phnom Penh und wurden dort begeistert begrüßt. Die historischen Details kann man gut bei Wikipedia nachlesen. Die Truppen, großenteils aus Kindersoldaten bestehend, evakuierten die Stadt und trieben die Bewohner aufs Land, um aus allen Bauern zu machen. Intellektuelle und Ingenieure, Lehrer, Ärzte usw. wurden als Feinde des Volkes verhaftet. Es reichte das Tragen einer Brille, um verdächtig zu sein. Im ganzen Land wurden Foltergefängnisse eingerichtet, von denen Tuol Sleng oder „S-21“, eine ehemalige Schule mitten in Phnom Penh, das größte war. Heute ist dies eine vielbesuchte Gedenkstätte. Hier wurden im Laufe der gut drei Herrschaftsjahre der Roten Khmer 15 000 bis 30 000 Menschen gefoltert, und wer diese Folter überlebt hatte, wurde nach Choeung Ek verbracht. Genau sieben Menschen sollen Tuol Sleng überlebt haben, ohne hier ermordet zu werden. Fotos der Innenräume sind nicht erlaubt, ich habe mich also auf einige Aufnahmen des Außenbereichs, der vergleichsweise friedlich wirkt, beschränkt. Die Innenräume sind kaum erträglich. Fotos davon sind bei Wikipedia zu sehen. Unter dem Eindruck dieser Einrichtung …

Eindrücke aus Phnom Penh

Unser Aufenthalt war geprägt von: nettes Guesthouse im Travellerviertel, Wiedertreffen mit Christoph, der mal kurz in Radschuhen! einen Halbmarathon gelaufen war, eine gute und interessante Zeit mit ihm und seinen Freunden Son und Scott, wo wir auch als Übernachtungsgäste willkommen waren, und den Sightseeing-highlights. Die sind allerdings so speziell, dass wir dafür Extraartikel schreiben. Der Museumbesuch war ganz interessant und führte uns etwas in die Historie ein. Ein Besuch auf dem „Russenmarkt“ und ein Abend in der Expatszene boten uns wieder einmal mehr verschiedene Aspekte des realen Lebens hier.

Weiter geht´s nach Phnom Penh

Wir nehmen das Boot über den Tonle Sap. Morgens um 6.30 Uhr radeln wir die 10km zum Anleger. Der See ist in der Trockenzeit um einiges flacher und die Ufer ziehen sich zurück. Wir merken das im Laufe der Bootsfahrt, denn wir müssen einmal umsteigen und die Fahrt dauert ca 2 Stunden länger als angekündigt. Vielleicht musste das Boot langsamer und vorsichtiger fahren, einige Male ruckelte es auch etwas, wahrscheinlich Grundberührung. Am Anleger trafen wir ein französisches Radlerpaar wieder, die wir an der Grenze von Nepal nach Indien beim Warten auf den Passstempel kennengelernt hatten! Sie hatten in etwa die gleiche Route, nur dass sie die ganze Strecke Myanmar wie geplant radeln konnten, weil sie das permit schon lange vorher hatten. Nun ja. Ihre weitere Route gleicht der unseren bis Ho Chi Min City, wer weiß, vielleicht trifft man sich ja nochmal. Der Tonle Sap ist nicht nur ein riesiger See und Lebensgrundlage für viele Kambodschaner, sondern spielt auch in ihrer Mythologie vom Entstehen der Welt eine wichtige Rolle- soweit ich das verstanden haben. Auf …

Siem Reap

Diese Stadt ist phänomenal: eine einzige Partymeile, die „Pub-Street“, mit Cocktails, Happy hour, Bars mit megalauter Musik, aufgedrehten Touri-Massen, Tuc-tucs, Prostitution …, eben allem was man an diesen austauschbaen Orten auf Malle, der Kaosan-Road in Bangkok und vielen anderen Vergnügungszentren der Welt so findet. Cocktails für 1,50 $, Bier 0,4 Liter für 50 Cent. Und zehn Kilometer nördlich davon stehen die fast 1000 Jahre alten würdigen buddhistisch/hinduistischen Tempelruinen, deren Atmosphäre man sich gerne hingeben würde, wenn nicht gerade wieder drei Busse mit  Selfiestick-bewaffneten Asiaten und Europäern ausgestiegen wäre. Da wir Euch mit den alten Steinen schon abgesättigt haben, wollen wir Euch die Gegenseite nicht vorenthalten!

Brille mit Happy end!

Ein Wunder ist geschehen: vor ein paar Tagen konnte Freund, Schwager und Kollege Uwe meine Brille vom deutschen Zoll abholen. Eigentlich hatte ich sie bereits mehrfach abgeschrieben. Ich freue mich auf das Wiedersehen (mit Uwe und mit der Brille), wenn wir in gut sechs Monaten wieder zuhause sind. Vielen Dank an alle, die bei der Rettungsaktion beteiligt waren!

Unfallhilfe

Etwa 30 km vor Siem Reap kamen wir drei als Ersthelfer zu einem Unfall, den wir aber selbst nicht gesehen haben. Ein Truck war, wie hier üblich, beim Linksabbiegen ziemlich früh auf die linke Fahrbahn gezogen und hat dabei einen PKW frontal erwischt. Der war völlig zerstört und lag nun auf dem Dach. Die Beifahrertür war überraschend mit etwas Gewalt zu öffnen. Der Beifahrer war fast unverletzt aber völlig neben der Spur. Den schwerverletzten und bewusstlosen Fahrer konnten wir aus dem Wrack befreien. Der Mann hatte schwere und stark blutende Gesichts- wahrscheinlich auch Schädelverletzung, die wir nur notdürftig mit ein paar Papiertüchern, die wir im Wagen fanden, abdecken konnten. Derweil hatten sich eine Menge Leute angesammelt, die aber bis auf einen Mann, der dem Verletzten lange mit einer Pappe Luft zufächelte, nichts anderes taten als mit ihren Smartphones zu fotografieren! Immer wieder kamen Leute dazu und versuchten ein Foto von dem jungen Mann zu schießen. Immerhin hatte wohl jemand Polizei und Rettungsdienst bestellt. Die Polizei war zuerst (nach ca. 30 min.) da, regelte den Verkehr …

3 Tage tote Steine, wilde Bäume und Selfiesticks

Wir sind insgesamt gute 100 km bei 30 Grad geradelt. Hatten manchmal Glück und Tempelanlagen fast für uns alleine, manchmal gerieten wir in größere Ansammlungen von wandernden Selfiesticks und Tabletts, meistens war es allerdings ganz ok. Wir vermieden das Gebiet zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, was uns zwar schwerfiel, aber mit ein wenig Selbstdisziplin und Belohnungsanreizen wie Schlafen und Happy Hour klappte es ganz gut. Natürlich haben wir mehr Fotos auf Lager, als Ihr überstehen könnt. In mehreren Stunden harten Sortierens sind nun ein paar Galerien entstanden, die vielleicht gerade noch gesundheitsverträglich sind. Angkor Wat, die berühmteste und auch weitläufigste Anlage Ta Prohm, spätestens seit dem Film „Tomb Raider“ bekannt und ein wunderbares Beispiel für die überbordende Kraft der Natur. Weiteres, was so auf unserem Weg lag. Lupi war natürlich auch dabei und auf einmal ganz wild auf Posen. Kein Wunder bei all den Beispielen außenrum. Da er ja sonst eher pressescheu ist, haben wir nachgegeben und eine kleine Serie mit ihm gemacht. Es sind einige Suchbilder dabei! Und hier eine kleine Special-Galerie

Soviel Neues zu berichten! Stichworte: Christoph, Kambodscha, Angkor Wat, Federika

Entschuldigt, dass wir uns so lange nicht gemeldet haben. Zuerst hatten wir in Phuket Urlaub, dann zurück in Bangkok noch einen Tag für Räder fitmachen und packen. Und am nächsten Tag ging´s wieder aufs Rad. Zuerst etwas wackelig, aber nach 1-2 km fühlte sich alles wieder normal und richtig an. Den ganzen Tag – wie übrigens die ganze nächste Woche – hatten wir zügigen Gegenwind. Dafür war die Straße supergut, plattes Land und große Ausfallstraße. Nach 85 km kamen wir um halb drei (anstatt wie verabredet um drei) an einer großen Kreuzung an – und Christoph war schon da!! Er war aus Pattaya morgens losgeradelt und hatte schon 100 km in den Beinen. (Er ist auch noch ein paar Jahre jünger als wir 😉 ) Ein paar Worte zu der Geschichte. Vor nunmehr drei Jahren waren wir mit dem Rad in Rumänien. Eine erste Annäherung an den „unbekannten wilden Osten“ war das damals. Dort lernten wir auf einem der wenigen Campingplätze, die es gab, Christoph kennen. Er war mit dem Motorrad unterwegs und machte Urlaub …