Monate: April 2015

Gastfreundschaft

Kandira. Wir kauften im Supermarkt das Nötigste ein und wurden dort von zwei ca. 10jährigen Mädchen mit dem üblichen „Where are you from“ und „What´s your Name?“ „Hallo“ etc. angesprochen. Wir antworteten kurz. Im nahegelegenen kleinen Park mit Cafe machten wir erstmal eine Kalorienpause. Und dann fuhr ein Auto vor. Eine Frau mit vier Kindern, darunter die zwei Mädchen aus dem Supermarkt, und einer Jugendlichen stiegen aus und kamen auf uns zu. Das Mädchen sprach uns auf Englisch an, woher, wohin etc. Nach ein paar Minuten lud uns die Mutter zu einem Chai ein, sie setzten sich zu uns und es entwickelte sich eine angeregte Unterhaltung, immer mit dem jungen Mädchen als Dolmetscherin. Schließlich luden sie uns zu sich nach Hause ein. Wir überlegten, denn eigentlich war unser „Tagespensum“ noch nicht erfüllt, doch dann entschieden wir uns, die Gelegenheit wahrzunehmen. Wir fuhren zu ihnen nach Hause und erlebten einen wunderbaren Nachmittag und Abend in einer türkischen muslimischen Familie. Als wir feststellten, dass Ayse, die Mutter, ebenfalls WhatsApp nutzt, waren wir völlig begeistert und seitdem schicken …

Von Istanbul zur Schwarzmeerküste

In der irrigen Hoffnung, an der Küste wäre das Wetter besser und die Gegend flacher, nahmen wir die Fähre in Richtung Schwarzmeerküste bis zum letzten Fischerdorf. Es regnete und war ziemlich kalt. So blieben wir auf der Fähre erstmal trocken, genossen den Bosporus mit seiner beidseitigen starken Küstenbebauung (und Hügeln) und hofften, wie gesagt, auf Besserung. Nach einem kleinen Imbiss und Chai gings dann richtig bergauf. Schieben war angesagt. Und den ganzen weiteren Tag ging es durchs Hügelland- von wegen flache Küste! Wir kamen an der Baustelle für die dritte riesige Brücke über den Bosporus vorbei und konnten sehen, welche gigantischen Ausmaße die Baumaßnahmen für diese zukünftige Straße haben. Da werden Berge abgetragen und aufgeschüttet! Unsere Straßen, die wir fahren wollten, stellten sich als große Herausforderung dar, entweder waren sie gesperrt- etliche Kilometer Umweg- oder sie lösten sich langsam in Wald- und Forstwege auf. Dörfer, die in der Landkarte eingezeichnet waren, gab es einfach nicht, …wir bereuten zu diesem Zeitpunkt unsere Entscheidung für diese Strecke zutiefst. Doch der Spruch: „Am Ende wird alles gut, und …

Istanbul

Heute sind wir den dritten Tag in Istanbul und nun wollen wir, bevor es morgen weitergeht, ein wenig über Istanbul schreiben. Unser Hostel liegt ca 5 Gehminuten von der Hagia Sofia entfernt-super. Wir sind die ganzen Tage nur gelaufen, außer eine Fährfahrt auf die asiatische Seite, die uns übrigens nicht asiatischer vorkam als die europäischen Stadtteile. Hagia Sofia haben wir am frühen Vormittag besichtigt. Das ist, zumindest am Wochenende, zu empfehlen. Auf den Fotos werdet Ihr die Menschenmassen vielleicht erkennen können. Mich hat an ihr besonders beeindruckt, dass sie immerhin 1000 Jahre als christliche Kirche genutzt wurde und dann 500 Jahre als Moschee, bevor sie zum Museum erklärt wurde. Übrigens durften die Frauen auch bei den Christen nur in einem kleinem abgeschlossenen Teil auf der Empore an den Zeremonien teilnehmen. Yerebatan, die alte unterirdische Zisterne: Die blaue Moschee, natürlich mit Schlange stehen, Touristeneingang, übrigens für Frauen und Männer nicht getrennt, Tuch für die Frauen, Schuhe ausziehen und dann rein: wir waren übrigens, ganz gegen unsere Gewohnheit, weder zu spät noch zu früh in Istanbul, sondern …

Der Puddingshop

Istanbul, was haste dich verändert! Ich war vor 35 und 40 Jahren drei Mal hier. Damals endete die dichte Bebauung eigentlich an der Stadtmauer, die die europäische Halbinsel etwa sieben km vom Zentrum entfernt umgibt. Jetzt sind wir 40 km durch dicht bebautes Gebiet auf einer beidseits 6-spurigen Schnellstraße gefahren. An der Hagia Sofia und der Sultan-Achmed-Moschee stehen die Reisebusse dicht an dicht. Die Schlangen vor den touristischen Highlights sind schier endlos. Aber: den „Pudding-Shop“ gibt es noch! Das Restaurant Pudding-Shop war zur Zeit des Hippie-Trails die Anlaufstelle und Kontaktbörse für alle Asienreisenden, die in ihren VW-Bullis oder trampend unterwegs waren. Sozusagen eine Institution. Heute reist man anders, es gibt keine Hippies mehr und seit den Veränderungen im Iran, Afghanistan und Pakistan auch keinen Trail mehr. Der Pudding-Shop lebt auch von seiner vergangenen Größe, weil Menschen wie ich nostalgisch mit großen Augen an damals, die gute alte Zeit denken, vor allem aber vom Tourismus aufgrund seiner perfekten Lage direkt gegenüber den großen Moscheen. Hier ein kleiner Eindruck:

Fahrradfabrik

Der Großraum Istanbul ist im Umkreis von 50 km dicht industrialisiert. Da haben wir auch zufällig eine Fahrradfabrik entdeckt. Erst war man etwas reserviert, uns da mal reinsehen zu lassen, aber dann haben sie uns doch sehr stolz herumgeführt. Es werden Alu-Räder und Kinderwagen aus China importiert und hier montiert, aber auch eigene Kinder- und Jugendräder aus Stahl von 14 bis 26 Zoll produziert. Beeindruckend waren die Produktionsbedingungen: Der Lackierer z.B. hatte keinen Atemschutz aber dafür eine Zigarette im Mund, der Schweißer keinen Sichtschutz. Alle waren sehr stolz auf ihre Fabrik und haben auch, auf den ersten Blick, saubere Arbeit abgeliefert.  

Unterwegs nach Istanbul

Es ist nur einige Tage her und doch schon wieder weit weg, weil sich neuere Eindrücke auf die älteren legen. Dennoch möchte ich ein paar Zeilen zu den letzten Tagen in Bulgarien sowie den ersten in der Türkei schreiben. Zuerst eine kleine Fledermaus-Rettungsaktion von Fritz: Am hellichten Tag flatterte plötzlich eine kleine Fledermaus über die Straße und blieb dort liegen. Wir stiegen in die Bremsen und Fritz holte sie – im laufenden Feierabendverkehr als Schritt eins der Rettungsaktion von der Straße. Hier ein Foto: Sie wirkte erschöpft und unsere Idee war, dass sie vielleicht Durst hat. Fritz brachte sie in ein verfallendes Buswartehäuschen auf der anderen Straßenseite und versuchte sie dann mit ein paar Wassertropfen aus unseren Vorräten zu beglücken. Zuerst fauchte und quietschte sie heftig, dann jedoch begann sie eifrig zu lecken. Fritz, der Retter, fand einen Flaschendeckel, füllte ihn mit Wasser und setzte ihn direkt vor das Fledermausmaul- mit Erfolg! Die Aktion dauerte etwa 20 Minuten, kostete einigen Autofahrern ein paar Nerven, da wir mit den Rädern etwas ungünstig standen, aber immerhin eine …

Beeindruckende Fresken

In Veliko Tarnovo gibt es eine riesige Festung aus dem Mittelalter, die bis 1402 bewohnt war. Dort hat der Patriarch der bulgarischen Kirche residiert mit der Kirche auf dem höchsten Gipfel und, etwas niedriger, der bulgarische König. Von allem steht natürlich wenig mehr als die Grundmauern. Die Kirche hat man aber inzwischen rekonstruiert. Die Innengestaltung ist mit modernen Fresken in sehr ungewöhnlicher und, wie wir finden, mutiger Weise gestaltet worden. Uns hat diese Kirche ungeheuer beeindruckt.  

Liebe Oldtimer-Freunde,

Ihr werdet es Euch wohl schon gedacht haben: schöne alte Autos gibt es in den Balkanstaaten wenig. Man hat andere Probleme. Alte Autos sind meist Lada, Yugo, Wartburg, auch mal ein Trabi, überwiegend in eher schlechtem Zustand. Gelegentlich eine alte Staatskarosse auf einem Schrottplatz. Und dann steht da urplötzlich so ein Schmuckstück, vielleicht aus einem russischen LKW entstanden, mit bollerndem gasgetriebenen Motor. Der hätte auch auf jeder amerikanische Autoshow Erfolg gehabt!

Ostern in Bulgarien

Zunächst mal: Wir hatten bisher den Eindruck, dass Kirche im Bulgarien kaum stattfindet. Man sieht in den Dörfern nur ausnahmsweise Kirchen und wir hatten das Gefühl, dass religiöses Leben eine viel geringere Rolle als in den übrigen Balkanländern spielt. Das Projekt für heute war: Ostergottesdienst in einer orthodoxen Kirche. Deswegen hatten wir in Tarnovo in einem Hotel Quartier genommen, um früh unterwegs sein zu können. Leider konnte im Hotel niemand so recht sagen, wo in der (großen) Stadt überhaupt eine Kirche, geschweige denn ein Ostergottesdienst sei. Wir sind dann auf sehr ungenaue Beschreibung hin morgens losgewandert. Dieses Projekt ist gescheitert. Karin meinte irgendwann Geläut zu hören. Wir sind dann, nach Türmen Ausschau haltend, in der Altstadt zufällig in der uralten Nikolaikirche gelandet, wo eine ältere Kirchendienerin uns hereinbat und zwei Kerzen und ein geweihtes Osterei verkaufte, der Geistliche irgendwelche Dinge verrichtete und wir ansonsten allein waren. Wir haben uns ein wenig umgesehen und uns dann auf zwei der wenigen Stühle gesetzt zur inneren Einkehr oder Meditation. Im Laufe der Zeit kamen aber doch viele Menschen …

Tschau Donau

Seit dem 07.04. sind wir in Bulgarien. Das Wetter ist besser geworden, wenn auch nachts noch ziemlich kalt. Die Donau hat sich wieder völlig verändert. Jetzt ist sie breit, wirkt manchmal fast wie ein See mit Schilfufer. Die bulgarische Seite ist recht hügelig und die Straßenverhältnisse sehr unterschiedlich. mal super, mal gruselig, mal katastrophal. Vor zwei Tagen sind wir mit Silvio aus Rumänien ein kleines Stück geradelt. Er ist auch auf dem Weg in den Iran, 30 Jahre alt und hat einen facebookblog. Er befragt alle Leute unterwegs, was sie glücklich macht. „The Road & The Happiness“. Wir haben uns gestern von der Donau verabschiedet, etwas früher als ursprünglich geplant, aber wir merken, dass es nun genug ist. Um einigen Freunden den Zahn des gemütlichen Flussradwegs zu ziehen – der führt jetzt nämlich nicht immer an der Donau lang und kann auch mal über Kopfsteinpflaster mit 10% Steigung gehen. Wir fahren jetzt Richtung türkische Grenze. Das Balkangebirge liegt noch dazwischen. Da wollen wir Sonntag drüber, wenn alles klappt. Die Menschen hier sind übrigens sehr freundlich …

Betreff Kommentare

Liebe Leute, ein Wort zu Euren Kommentaren. Wir freuen uns sehr über sie. Bitte habt Verständnis, wenn wir nur gelegentlich auf einen antworten. Wir gehen davon aus, dass sie für die Öffentlichkeit gedacht sind und stellen sie normalerweise online. Falls Ihr uns etwas Persönliches schreiben wollt, benutzt bitte die email-Adresse. Liebe Grüße Karin und Fritz

Anmerkungen zu Kroatien und Serbien

Rückblickend können wir sagen, dass die beschriebenen Kriegsfolgen im Raum Vukovar die einzigen geblieben sind. Zwei Dinge sind uns schon in Kroatien aufgefallen und wir finden beide in Serbien gesteigert: einerseits die Vermüllung der Landschaften, die zum Teil bedrückende und deprimierende Ausmaße hat mit wilden Müllkippen und in den Bäumen hängenden Plastiktüten, andererseits die ungeheure Freundlichkeit der Menschen uns gegenüber! In keinem Land (außer vielleicht USA) sind wir so oft gegrüßt worden wie in Serbien. Alte zahnlose Männer, die uns vor ihrem Haus sitzend „bravo!“ nachrufen, Leute, die hupen und aus ihrem Auto winken, und als Krönung ein serbischer Hell’s Angel auf seiner Harley, der hupte und uns das Victory-Zeichen gab! Heute rief uns ein Mann mit Schubkarre, der gerade die Straße überquerte als wir vorbeiradelten, zu: „Da habt Ihr Euch ja das richtige Wetter ausgesucht! “- auf deutsch!! Noch eine Bemerkung: Uns ist aufgefallen, dass wir wenige übergewichtige Menschen in Serbien gesehen haben.  

Eine andere Seite der Donau

Bisher war die Donau mal weit, dann wieder etwas schmaler, aber immer war die Landschaft eher offen, feucht, weitläufig. Nun auf einmal der Donaudurchbruch. Nach einer sehr breiten Stelle, wo sie zum großen See aufgestaut wurde, zwängt sie sich durch einen engen Spalt. Rechts und links hohe Felsen, es mutet richtig gebirgig und „schluchtig“ an. Die alte Festung bei Golubag, viele kleine Straßentunnel mit immer neuen Ausblicken auf die nun sehr strudelnde Donau, – das erinnert fast an die Abfahrt des Penser Jochs Richtung Bozen; nur ist die Donau ein richtig mächtiger Fluss! Ihr seht, uns beeindruckt die Landschaft, auch wenn es kalt ist und den ganzen Tag regnet. Bei schönem Wetter wäre es vielleicht gar nicht auszuhalten vor lauter Landschaftsbegeisterung! Die jetzt tiefste Stelle mit 82 Metern war vor dem Aufstau der Donau eine sehr gefährliche, mit vielen Untiefen und Strudeln. Die durchgängige Schiffbarkeit wurde durch den Staudamm sehr erleichtert, wenn nicht sogar erst ermöglicht. Wir genießen heute abend ein trockenes Hotelzimmer, gutes Essen und Getränke, nachdem wir den ganzen Tag im Dauerregen und …

Danke an Marina und Nenad!

… mit denen wir zwei wunderbare Abende in Novi Sad verbringen durften. Außer, dass Marina eine entfernte Verwandte von Karin ist, verbinden uns gleiche Berufe, beide Frauen sind Agraringenieurinnen, beide Männer sind Ärzte; und sie haben wie wir zwei erwachsene Kinder. Wir haben die Offenheit sehr genossen und von den Gesprächen viel profitiert: Zum Einen die Familiengeschichten, zum Anderen die Informationen zum Gesundheitssystem, aber auch allgemeine Einschätzungen haben unseren Blick erweitert. Soweit wir verstanden haben, gibt es ein rein staatliches Gesundheitssystem mit einer Krankenkasse, die ausschließlich staatlich angestellte Ärzte finanziert. Daneben gibt es wenige Privatärzte, die privat bezahlt werden müssen. Das Problem der Korruption, mit dem sich u.a. die postkommunistischen Staaten herumschlagen müssen, scheint auch ein besonderes Problem bei der Finanzierung des Gesundheitssystems zu sein. Eine Palliativmedizin und Hospizbewegung scheinen bisher vollkommen unbekannt zu sein. Der Besuch des Voivodina- Museums war für Karins familiäre Spurensuche ein wichtiger Baustein. Vielen Dank an dieser Stelle für Eure Gastfreundschaft und herzliche Aufnahme!  

Kroatien

Wir haben einen Abstecher von der Donauroute unternommen, um die Gegend zu besuchen, wo Karins Vater geboren wurde. Der Ort selbst existiert nicht mehr, aber ein sehr netter Kroate konnte uns zeigen, wo das Dorf gelegen hatte. Er selbst war dort noch geboren worden. In dem Dorf hatten  Kroaten und bis 1944 Deutsche gewohnt. Vor ca. 40 Jahren fiel es einem extremen Drave-Hochwasser zum Opfer. Geblieben sind ein paar uralte Weinstöcke, Narzissen und ein Kreuz, wo der Friedhof war.     Zur Übernachtung fanden wir einen sehr schönen Platz. In Ossijek und Vukovar wurden wir zum ersten mal mit den noch sichtbaren Kriegsschäden konfrontiert. Neben neu aufgebauten Häusern stehen welche mit zerschossenen Fassaden. Es machte uns betroffen und es fühlt sich anders an, ob es Fotos und Filme sind, oder ob man unmittelbar davorsteht. Unterwegs haben wir den ersten Reiseradler getroffen, der seit September unterwegs ist. Er kam uns entgegen und wir waren die Ersten, die er seit Istanbul getroffen hat. Inzwischen werden wir häufiger positiv angesprochen, viele sprechen ein bisschen Deutsch. Wir konnten in einzelnen …